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Chronik Welt
01/16/2019

Popeye: Der Mann, der uns den Spinat schmackhaft machte, wird 90

Der berühmte Seemann eroberte vor 90 Jahren die Comic-Welt – und bezog seine Kraft anfangs gar nicht aus Spinat.

von Armin Arbeiter

„Iss deinen Spinat auf und du wirst so stark wie Popeye“ – rund um den Erdball hörten und hören Kinder diese Worte – die Wirtschaft freute sich. Allein in den USA soll der Spinatverkauf um ein Drittel gestiegen sein, als die Comic-Legende Popeye die Cartoons im Sturm eroberte.

Genau 90 Jahre ist es her, dass der tätowierte Seemann seinen ersten Auftritt in der Comic-Reihe „Thimble Theatre“ hatte, in der er es bald zur Hauptfigur brachte. „Bist du ein Seemann?“, fragt ihn Castor Oyl, der Bruder von Popeyes späterer Freundin Olive Oyl (im Deutschen Olivia, Anm.). „Denkst du, ich bin ein Cowboy?“, fragt Popeye trocken zurück und wird daraufhin für ein Abenteuer angeworben.

Kraftquelle

Einige Monate später küsst ihn Olivia aus Versehen – der knurrige Seemann verliebt sich unsterblich in sie. Popeyes übermenschliche Kräfte retten sie daraufhin aus vielen brenzligen Situationen, doch Anfangs bezieht er seine Stärke nicht aus Spinat, sondern aus einem Vogel. Wann immer er den Kopf von Bernice, einem Perlhuhn, streichelt, schöpft er daraus die notwendige Energie, um die Bösewichte durch Sonne, Mond und Sterne zu prügeln.

Da sich die Comics immer größerer Beliebtheit erfreuen, produziert Paramount Pictures 1933 den ersten Zeichentrickfilm mit Popeye in der Hauptrolle. Als sein Gegenspieler Bluto Olivia entführt und von einem Zug überfahren lassen will, greift Popeye zum Spinat und verprügelt sowohl Bluto als auch die Lokomotive. Der Grundstein für Popeyes Erfolg ist gelegt.

1938 wird er zur beliebtesten Comic-Figur Hollywoods gewählt, in diesem Jahr stirbt auch sein Schöpfer, Elzie Crisler. Der Zeichner erliegt mit 43 einer Lebererkrankung. Doch Crislers Nachfolger arbeiten weiter daran, den Seemann zu einer weltbekannten und beliebten Figur zu machen: Im Zweiten Weltkrieg macht Popeye Propaganda für die USA: „ Lasst uns die Japanazis verprügeln“, ruft er auf Kriegsbriefmarken.

Weltruhm

Mitte der 40er Jahre kommt er erstmals in Farbe in die Kinos, und 1957 erlebte er sein Fernsehdebüt.

Jahrelang laufen die Kurzfilmserien in zahlreichen Ländern. Der Spinatmatrose wird auch in den entferntesten Ecken der Welt zu einem Inbegriff für Amerika, ähnlich wie Micky Maus, Coca-Cola oder Blue Jeans. Auf zahlreiche Fernsehserien folgt 1980 ein Spielfilm mit Robin Williams als Popeye, ein Jahr später erscheint das erste Videospiel. Zu Popeyes 75. Geburtstag im Jahr 2004 leuchtet die Spitze des Empire State Buildings in Spinatgrün. Nach wie vor erscheint der Seemann auf der Leinwand – mittlerweile deutlich verjüngt.

Für junge Leser: Die Mär von Spinat als Kraftquelle ist falsch. Als Popeye populär wurde, nahm man an, dass 100 Gramm Spinat einen Eisenanteil von 35 Milligramm haben, jedoch basierte diese Annahme auf einem Fehler: Der Schweizer Physiologe Gustav von Bunge hatte 1890 den Wert zwar richtig berechnet, dies aber bei getrocknetem Spinat. Seine Erkenntnisse wurden irrtümlicherweise auf frischen Spinat übertragen, der jedoch zu 90 Prozent aus Wasser besteht. Somit enthalten 100 Gramm frischer Spinat nur 3,5 Milligramm Eisen.

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