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Chronik Welt
06/17/2021

Der Held vom Hudson wird US-Botschafter für Luftfahrt

Chesley „Sully“ Sullenberger, der 2009 eine Maschine in New York spektakulär notwasserte, kritisiert, Piloten seien nur noch bessere Busfahrer.

von Dirk Hautkapp

Die sensationelle Notwasserung an einem kalten Wintertag vor zwölf Jahren auf dem Hudson River in New York, die 154 Passagieren eines Airbus 320 das Leben rettete, hat ihn zum weltweit bewunderten Helden des Alltags gemacht.

Funkt der US-Senat nicht noch dazwischen, wird Chesley „Sully“ Sullenberger sein Wissen um die Luftfahrt demnächst im Auftrag von US-Präsident Joe Biden als Botschafter in der „International Civil Aviation Organization“ einsetzen.

Die ICAO, eine Unterorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Montreal, kümmert sich im nichtmilitärischen Luftverkehr um Sicherheit, Umweltschutz und Effizienz des Flugbetriebes. 36 Länder sind in der Organisation vertreten, die weltweit gültige Standards für den Flugverkehr entwickelt. Die anderen Nationen sind über die UNO verbunden.

Sullenberger, in diesem Jahr 70 geworden, hatte sich nach langer Verbundenheit mit den Republikanern in der Amtszeit von Donald Trump radikal den Demokraten zugewandt und den jetzigen Präsidenten Joe Biden im Wahlkampf 2020 mehrfach lautstark unterstützt.

Mit dem Botschafter-Posten in Montreal/Kanada fügt der ehemalige Militärpilot Sullenberger seiner Vita ein weiteres Highlight hinzu.

Im Januar 2009 war der in Texas geborene Kalifornier mit seiner Maschine kurz nach dem Start auf dem New Yorker LaGuardia Flughafen in einen Gänseschwarm geraten. Beide Triebwerke fielen aus. Die Motoren brannten. Eine Rückkehr zur Startbahn war unmöglich.

Auf Eis gelandet

Sullenberger, damals 57, brachte den Airbus der Fluggesellschaft US-Airways bei Tempo 250 auf dem eisigen Hudson sicher herunter. Die Passagiere kletterten unverletzt über die Tragflächen in die Rettungsboote.

Sullenberger wurde von Präsident Barack Obama ins Weiße Haus eingeladen, schrieb eine Biografie und diente 2016 Regisseur Clint Eastwood als Vorlage für den Hollywood-Film „Sully“ mit Tom Hanks. Er kritisierte: Die Piloten seien nur noch bessere Busfahrer, die ständig unter Druck stünden und sich ihr Essen selbst bezahlen müssten.

Nach Flug-Katastrophen wie bei der Boeing 737-Max mit rund 350 Toten meldete er sich lautstark zu Wort, forderte mehr Sicherheit von den Herstellern und eine bessere Schulung der Piloten.

Mit Joe Biden verbindet Sully eine Besonderheit: Beide stotterten in ihrer Kindheit.

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