Busse sind weit verbreitet

© EPA/RICARDO FRANCO

Chronik Welt
04/08/2020

30 Beatmungsgeräte für 29 Millionen Menschen

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe droht in Mosambik ein Corona-Ausbruch. Ein Helfer vor Ort berichtet.

von Irene Thierjung

Mosambik schafft es nur selten in die Schlagzeilen – zuletzt vor einem Jahr, als nach den Überflutungen durch Wirbelsturm „Idai“ vorübergehend ein neues Binnenmeer in dem afrikanischen Land entstand und Millionen Menschen obdachlos wurden.

Noch immer hat sich Mosambik nicht von dieser Katastrophe erholt, da droht eine weitere: Ein Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19.

Große Gefahr

Die Dringlichkeit der Lage veranschaulicht Marc Nosbach von der Hilfsorganisation CARE an einer Zahl: 30. So viele Beatmungsgeräte stehen den 29 Millionen Menschen in Mosambik zur Verfügung.

„Viele Dinge, die Menschen in Europa jetzt machen, können sich die Menschen hier nicht leisten.“

Marc Nosbach | über soziale Distanzierung

Zwar hat die Regierung am 1. April den Notstand ausgerufen und das soziale Leben zurückgefahren, massive Ausgangsbeschränkungen gibt es aber noch nicht.

Wie schwierig es für viele Afrikaner im Vergleich zu Europäern oder Amerikanern ist, sich an verhängte Maßnahmen zu halten, erzählte Nosbach am Mittwoch in einem Online-Gespräch mit Journalisten. So dürften die in Mosambik gebräuchlichen Kleinbusse eigentlich nur mit 30 Prozent der früheren Passagierzahlen fahren – seien aber dennoch meist voll.

„Viele Dinge, die Menschen in Europa machen, können sich die Menschen hier nicht leisten“, berichtet Nosbach, der seit gut fünf Jahren in Mosambik lebt und arbeitet. „Viele hängen davon ab, physisch zur Arbeit zu gehen“, etwa auf den Markt, um Waren zu verkaufen.

Eine langfristige Prognose ist wie im Rest Afrikas angesichts der vielen Unbekannten kaum möglich. So haben viele, auch junge Menschen schwere Vorerkrankungen wie Tuberkulose oder sind mit HIV infiziert – laut Nosbach in Mosambik ganze 11 Prozent der Menschen.

Bis dato gibt es im Land lediglich 10 bestätigte Covid-19-Infektionen und keine Toten. Wie in anderen ärmeren Länder wird allerdings auch kaum auf das Coronavirus getestet, Nosbachs Informationen zufolge gab es bisher knapp 500 Tests in Mosambik.

„Ob das reale Zahlen sind, kann ich nicht bestätigen“, sagt der 45-Jährige und verweist auf die Infektionszahlen im benachbarten Südafrika, das bei einer etwa doppelt so hohen Bevölkerungszahl und rigiden Ausgangssperren derzeit knapp 1.700 bestätigte Fälle zähle.

Aufgrund der engen wirtschaflichen Verflechtungen zwischen den beiden Ländern könnte es durchaus sein, dass das Virus in Mosambik bereits deutlich stärker verbreitet ist als bekannt. Immerhin kehrten zahlreiche in Südafrika arbeitende Einwohner in den letzten Wochen nach Hause zurück, rund 7.000 Menschen befinden sich deshalb im Moment in Quarantäne.

Nothilfe hochgefahren

Um die Bevölkerung in der Krise zu gut es geht zu unterstützen, hat CARE die Entwicklungszusammenarbeit zugunsten der Nothilfe massiv zurückgefahren – gilt es doch, etwa die Versorgung der rund 1,4 Millionen Menschen sicherzustellen, die reguläre Nahrungsmittelhilfen benötigen.

„Es kommt einem derzeit so vor, als ob man im Krieg arbeite“, so Nosbach, „und nicht wie normale Entwicklungshilfe“.

Hier können Sie für die Hilfsprojekte von CARE spenden: www.care.at/online-spenden/katastrophenhilfe

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