Chronik | Welt
09.07.2018

Thailand: Vier gerettete Jungen mussten betäubt werden

Acht Burschen und Trainer noch eingeschlossen. Neuer Taucheinsatz zur Rettung läuft.

In Thailand hat am Montag ein neuer Taucheinsatz zur Rettung der acht noch eingeschlossenen Jugendlichen und ihres Trainers aus einer Höhle begonnen. Das bestätigten die Behörden in der Stadt Mae Sai. Der Einsatz für eine zweite Gruppe begann gegen 11.00 Uhr Ortszeit (6.00 Uhr MESZ), wie der Leiter des Krisenstabs, Narongsak Osottanakorn, vor Journalisten sagte. Schon in wenigen Stunden "werden wir gute Neuigkeiten bekommen", meinte der Einsatzleiter.

Vier Buben am Sonntag befreit

Die ersten vier Jugendlichen wurden am frühen Sonntagabend (Ortszeit) nach 15 Tagen Gefangenschaft aus der teils überfluteten Höhle im Norden des Landes befreit und in ein Krankenhaus gebracht. Die vier geretteten Jungen waren jeweils an einen Taucher gebunden worden und trugen auf dem vier Kilometer langen Weg zum rettenden Ausgang Atemmasken. Die Gruppe folgte einem Seil (acht Millimeter dick), das alle fünf Kammern des Gängesystems durchzog.

"Die Burschen standen unter Beruhigungsmitteln, damit sie nicht in Panik gerieten"

Taucher Ivan Karadzic

"Die Burschen standen unter Beruhigungsmitteln, damit sie nicht in Panik gerieten", sagte der dänische Taucher Ivan Karadzic dem dänischen Rundfunk. !Sie waren nicht vollständig narkotisiert, aber sie reagierten nicht", so der 44-Jährige. Er war an der Rettungsaktion am Sonntag beteiligt und half etwa auf halben Weg in der überschwemmten Höhle, Pressluftflaschen auszuwechseln.

"Wir hatten uns alle möglichen Katastrophenszenarien ausgemalt - Ausrüstung, die kaputt geht, und Kinder, die in Panik geraten, ertrinken und wiederbelebt werden müssen", sagte er der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. "Wir waren darauf vorbereitet, doch nichts ist passiert. Alle waren auf ihren Posten und taten genau, was sie sollten."

Die Burschen hätten Taucheranzüge und Masken getragen. "Sie sahen etwas verängstigt aus, aber sie waren nicht in Panik oder so. Und sie lächelten und sagten Danke", berichtete der Taucher. Die Rettungsaktion laufe weiter, er selbst müsse allerdings erstmal Kräfte sammeln und werde voraussichtlich am Dienstag wieder eingesetzt. Er hoffe, die gesamte Rettung könne am Dienstag abgeschlossen werden.

Medizinische Tests im Spital

Die am Sonntagmorgen gestartete erste Phase der Rettungsaktion lief nach den Worten des Gouverneurs "sehr problemlos": "Wir waren heute schneller als erwartet." Die Buben wurden in ein Krankenhaus in die 60 Kilometer entfernte Stadt Chiang Rai gebracht.

Thailands Regierung will die vier bisher aus der Höhle geretteten Buben von Ärzten nun genau untersuchen lassen. Innenminister Anupong Paojinda sagte am Montag nach einem Bericht der Bangkok Post, die vier Mitglieder des Fußball-Teams im Alter zwischen elf und 16 Jahren seien "stark". Sie müssten sich jetzt aber noch weiteren medizinischen Tests unterziehen.

Die Retter hatten sich nach langen Vorbereitungen erst am Sonntagmorgen endgültig zu dem Einsatz entschlossen. Schlechte Wetteraussichten hatten zuletzt den Druck erhöht.

Bilder von der Rettung in Thailand

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THAILAND-WEATHER-ACCIDENT-CHILDREN-CAVE

Videobotschaft an die Eltern: die Kinder in der Höhle sind wohlauf.

(Symbolbild)

Familien warten auf ein Wiedersehen

Die Familien der geretteten Buben warten noch auf ein erstes Wiedersehen. Wie der Sender Thai PBS am Montag berichtete, informierten die Behörden die Familien, sich für einen Besuch im Krankenhaus bereit zu halten. Am Sonntag retteten Spezialtaucher vier der Jugendfußballer aus der Höhle. Sie werden derzeit in einem Krankenhaus in der Stadt Chiang Rai behandelt.

Nach Auskunft der Behörden geht es ihnen den Umständen entsprechend gut. Der achte Stock der Klinik, wo die Buben die erste Nacht nach ihrer Rettung verbrachten, ist von der Polizei abgesperrt. Am Montag war zu beobachten, wie eine erste Gruppe von Zivilisten in den Krankenhaustrakt gelassen wurde. Vonseiten des Krankenhauses gab es aber keine Bestätigung dafür, dass dies bereits Familienangehörige waren.

Seit mehr als zwei Wochen in der Höhle

Das Drama um die jungen Fußballer im Alter von 11 bis 16 Jahren und ihren 25-jährigen Betreuer begann am 23. Juni, als Wassermassen die Gruppe mehrere Kilometer tief in der Höhle einschlossen. Seitdem saßen die Burschen an einer trockenen Stelle etwa vier Kilometer im Höhleninneren fest.

Die Rettung ist äußerst gefährlich: Ein Taucher kam in der Nacht zum Freitag ums Leben. Selbst die professionellen Taucher benötigten fünf bis sechs Stunden, um in der Höhle vom Zufluchtsort der Jugendlichen aus durch teils extrem enge Gänge, vorbei an scharfkantigen Felsen und durch überflutete Passagen zum Ausgang zu gelangen.

Spezialtaucher aus dem Ausland

Insgesamt sind etwa 90 Taucher im Einsatz. Das Kernteam besteht aus 18 Spezialtauchern, davon der größte Teil aus dem Ausland, aus Ländern wie Australien und Großbritannien. Die australische Außenministerin Julie Bishop äußerte am Montag die Erwartung, dass die Buben wieder in Vierer-Gruppen aus der Höhle gebracht würden. Dies würde bedeuten, dass sich die Aktion noch mehrere Tage hinzieht.