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Chronik Welt
06/24/2021

Britney Spears vor Gericht: "Ich will mein Leben zurück"

Erstmals protestierte der Popstar vor der Richterin gegen ihre Entmündigung. Sie will endlich heiraten dürfen und noch ein Kind bekommen.

von Dirk Hautkapp

"Oops", sie hat es – auf diese Weise – zum ersten Mal getan: Popstar Britney Spears ("Baby One More Time", "Oops!... I Did It Again" , "Toxic") hat in einem Gerichtssaal in Los Angeles per Telefon zugeschaltet in einer 23 Minuten langen, sehr bewegenden Rede rigoros um die Beendigung der vor 13 Jahren eingesetzten Vormundschaft durch ihren Vater Jamie Spears gebeten, der weite Teile ihres Lebens und ihres Vermögens von rund 60 Millionen Dollar regelt.

Die "conservatorship" war 2008 angeordnet worden, weil Spears damals einen Zusammenbruch hatte und an massiven psychischen Problemen litt. Vor Kurzem war bekannt geworden, dass die 39-Jährige hinter den Kulissen bereits mehrfach den Wunsch geäußert hatte, ihr Leben wieder komplett in die eigenen Hände zu nehmen; schließlich trete sie ja als Künstlerin auf.

So persönlich und zutiefst verletzt wie am Mittwoch hatte sich die Sängerin dazu aber in der Öffentlichkeit bisher nie eingelassen. Sie räumte ein, in Mitteilungen in sozialen Medien zuletzt fälschlicherweise gesagt zu habe, es gehe ihr gut. "Das war eine Lüge."

Spears nahm sich vor Richterin Brenda Penny im Stanley Mosk-Gerichtsgebäude kein Blatt vor den Mund. Sie bezeichnete die Vormundschaft als "missbräuchlich": "Ich will sie beenden, ohne beurteilt zu werden. Ich will ein Leben haben." Spears Stimme überschlug sich mehrfach, als sie ihr Statement vom Blatt ablas. "Ich bin traumatisiert. Ich bin nicht glücklich, ich kann nicht schlafen. Ich weine jeden Tag. Ich bin so wütend, es ist wahnsinnig."

Durfte nicht zum Arzt

Spears macht unmissverständlich klar, dass sich von ihrer Familie und ihrem Management ausgenutzt und kontrolliert fühlt. Der wohl emotionalste Moment: Spears, Mutter zweier Kinder aus der Ehe mit Kevin Federline schilderte, dass sie ihren Freund Sam Asgari heiraten und ein weiteres Kind haben wolle.

Die Vormundschaftsverantwortlichen hätten sich jedoch geweigert, sie zum Arzt gehen zu lassen und die zur Verhütung eingesetzte Spirale zu entfernen. "Mir wurde gesagt, ich kann nicht heiraten oder ein Kind kriegen."

Unter den Ohren ihrer zugeschalteten geschiedenen Eltern, Jamie und Lynne Spears, ging der Popstar besonders ihren Vater frontal an, den sie in früheren Jahren noch Schutzpatron und Garant ihrer künstlerischen und finanziellen Entwicklung bezeichnet hatte.

Treuhänderin verwaltet ihr Vermögen

Vater Spears war in der jüngeren Vergangenheit wegen gesundheitlicher Probleme bereits von gewissen Zuständigkeiten befreit worden. 2019 kam die professionelle Treuhänderin Jodi Montgomery ins Spiel. Ebenso die Firma "Bessemer Trust Co." für den Immobilienbesitz der Multimillionärin. Vivian Lee Thoreen, die Anwältin von Vater Spears, verlas für ihren Mandanten nach der Rede der Hauptperson eine Erklärung. "Es tut ihm leid, seine Tochter leiden zu sehen und so unter Schmerzen. Er liebt seine Tochter und vermisst sie sehr."

Der von 100 Fans aus allen Teilen der USA vor dem Gerichtsgebäude begleitete Termin war zustandekommen, weil ihr Anwalt Samuel D. Ingham im Frühjahr darum gebeten hatte, dass Spears sich persönlich an das Gericht wenden kann. Warum dies nicht viel früher geschehen ist, blieb aus Sicht juristischer Beobachter vor Ort teilweise ein Rätsel.

Spears selber sagte wörtlich, sie habe nicht gewusst, dass sie das Ende ihrer Vormundschaft beantragen kann. "Ich entschuldige mich für meine Unwissenheit, aber ich wusste das nicht." Was sie durchlebt habe, sei "beschämend" und "demoralisierend". Vor allem aus diesem Grund habe sie öffentlich darüber nicht gesprochen. "Ich dachte, mir würde niemand glauben."

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