So eine Maschine stürzte ins Meer

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Luftverkehr
03/20/2019

Boeing-Absturz: Die letzten Worte des Piloten waren ein Gebet

Die Cockpitgespräche vor dem Absturz wurden bekannt. Der Pilot schickte vor dem Absturz ins Meer noch eine Gebetsformel ab.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Der Crash der Lion-Air-Maschine in Indonesien im Oktober erscheint nun in einem neuen Licht. Offenbar war der Grund, warum die Boeing 737-MAX8 nicht am Flug davor schon abgestürzt ist, dass ein außer Dienst befindlicher Pilot zufällig auf einem Zusatzsitz (Jumpseat) im Cockpit mitflog. Er riet der Crew offenbar, Teile des Flug-Kontrollsystems abzustellen. So konnte der Jet noch gerettet werden. Der Flug am Tag danach stürzte dann schließlich nach einem elfminütigen Kampf des Piloten ab - 189 Menschen starben bei dem heftigen Aufprall.

Bereits zwei Minuten nach dem Start meldete der Pilot von Flug JT610 ein akutes "Flugproblem", berichtet Reuters unter Berufung auf drei Quellen. Bei rund 400 Metern Höhe über dem Boden begannen die Probleme - praktisch zum identen Zeitpunkt wie später auch in Äthiopien. In dieser Höhe ist das Stabilitätsprogramm MCAS kurz aktiv, bevor der Autopilot eingeschaltet wird.

Geschwindigkeitsproblem

Noch etwas ist bei den beiden Unfällen ident: Der Pilot meldete eine ungenaue Geschwindigkeit ("Unreliable Speed"). Wie der KURIER bereits am Tag nach dem Crash meldete, war dies auch später bei der Ethopian Air der Fall. Vieles deutet derzeit in beiden Fällen darauf hin, dass die beiden Piloten das genaue Problem nicht erkannten. Für Boeing wäre das rechtlich eine Entlastung, denn das könnte bedeuten, dass der Absturz vielleicht doch zu vermeiden gewesen wäre.

In der Lion-Air-Maschine blätterten die Piloten jedenfalls wie wild in den Handbüchern, was nun zu tun sei. Für die nächsten neun Minuten gab es immer wieder Warnungen über einen drohenden Strömungsabriss. Passiert dieser so genannte "Stall", stürzt das Flugzeug ungebremst in die Tiefe. Dieses Trimmungs-Problem sollte eigentlich das Stabilitätsprogramm MCAS verhinden, das nun in der Kritik steht.

Laut dem Agenturbericht versuchten die Piloten offenbar vor allem an Höhe zu gewinnen. Offenbar konzentrierte sich das Team im Cockpit (der 31-jährige Kapitän und der 41-jährige erste Offizier) vor allem auf die Geschwindigkeit und die Flughöhe, nicht aber auf die so genannte Trimmung - also ob die Nase zu hoch oder zu niedrig ist. Zwar veränderten sie die Fluglage, aber offenbar nur um die richtige Geschwindigkeit zu erreichen.

Panik im Cockpit

Langsam brach dann Panik aus. "Es ist so wie bei einem Test, wenn die Zeit aus ist und man hat erst 75 von 100 Fragen beantwortet", meint einer der Insider, der die Aufzeichnung gehört hat. Am Ende war der indische Pilot, der im Handbuch verzweifelt eine Lösung suchte, vollkommen still. Sein Co-Pilot, der kurz zuvor das Steuer übernommen hatte, sagte "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") - dann stürzte die Boeing ins Meer.

Die US-Regierung lässt mittlerweile vom Justizministerium prüfen, ob es bei der Zertifizierung der Boeing-737-MAX-Jets im Jahr 2017 korrekt zugegangen ist. Die zustädnige Luftfahrtbehörde FAA musste bereits mehrere Dokumente und Vorgänge sichern. Diese werden nun überprüft.

Der ganze Hintergrund zur Absturzserie der Boeing 737-MAX8: