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Chronik | Welt
03/15/2019

Christchurch unter Schock: "So etwas kennen wir hier nicht"

Die neuseeländische Stadt Christchurch gilt als Ort der Seligen. Wie die Einwohner auf den Terror reagieren.

"Ich war nur wenige Straßen entfernt von einer der Moscheen, als ein Auto in meines geschleudert ist. Im nächsten Augenblick sind bewaffnete Einheiten und unzählige Polizeiautos an uns vorbeigefahren", erzählt Ari Freeman, der stellvertretende "Wizard von Christchurch" –  als Zauberer verkleidet, spricht er in der neuseeländischen Innenstadt mit den Passanten und gilt als Touristenattraktion.

"Der Fahrer des anderen Autos war sehr aufgebracht und dürfte in Panik vor den Geschehnissen davongerast sein", erzählt Freeman weiter, der zu dem Zeitpunkt noch nichts von dem verheerenden Anschlag auf zwei Moscheen wusste. Sie riefen die Polizei: "Der Polizist war sehr bemüht, aber sie hatten natürlich zu viel zu tun, um zum Unfall zu kommen." 

Unterdessen wurden die ersten Verletzten ins Christchurch Hospital gebracht – das einzige Krankenhaus der 350.000 Einwohner Stadt und die Einrichtung, wo alle Schwerverletzten hingebracht wurden. "So etwas kennen wir hier nicht. So viele Schussverletzungen", erzählt ein Arzt dem KURIER. "Es wird lange dauern bis sich die Menschen hier wieder sicher fühlen."

Am Abend nach den Anschlägen ist es in der Kleinstadt noch ruhiger als sonst: Kinos, Bars und Restaurants haben geschlossen. "Wir bleiben vorerst zu Hause und meiden öffentliche Plätze", erzählen viele. Auch, wenn vier Verdächtige festgenommen wurden, ist noch offen, ob es weitere Hintermänner oder gar weitere geplante Anschläge gibt.

"Ich fühle mich sehr unwohl hinauszugehen", erzählt eine iranischstämmige Neuseeländerin. "Morgen wäre ein Fest zum persischen Neujahr geplant gewesen – das ist jetzt natürlich abgesagt."

Christchurch gilt sonst als Ort der Seligen – genau deshalb wurde es zum Ziel, glaubt Zauberer Freeman: "Es ist sonst so friedlich und sicher hier. Vielleicht haben sie sich genau deshalb Christchurch ausgesucht.“ Erst kürzlich gab es in der Stadt eine Diskussion um Waffengesetze, nachdem ein Mann auf Polizisten geschossen hat. "Vielleicht haben sich die Terroristen durch die Diskussion ermutigt gefühlt. Sie haben jedenfalls nach maximaler Aufmerksamkeit gesucht."

Wie nach dem verheerenden Erdbeben von 2011 versuchen die Neuseeländer aber trotzdem geeint zusammenzustehen – einer fasst zusammen: "Das ist nicht das, wofür Christchurch oder Neuseeland stehen. Wir stehen für Mitgefühl, Toleranz gegenüber Diversität und für eine bessere Welt. Heute und morgen widmen wir uns den Opfern, den Verletzten, den Toten und den Familien, deren Leben durch diese Taten auf den Kopf gestellt wurde. Arohanui. (Maori für Viel Liebe)."