Die meisten harren hier seit fast drei Jahren aus, nachdem sie 2017 aus ihrem Heimatland Myanmar (früher Burma) fliehen mussten. Der Grund? Sie gehören der muslimischen Ethnie der Rohingya an, die in Myanmar seit Jahrzehnten diskriminiert wird.
Laut den Vereinten Nationen, deren Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Donnerstag seinen Jahresbericht präsentiert, sind die Rohingya die „am stärksten verfolgte Minderheit der Welt“.
Als das Militär Myanmars im Sommer 2017 begann, massiv gegen die Rohingya vorzugehen und ganze Dörfer dem Erdboden gleichmachte, blieb knapp einer Million Menschen nichts anderes übrig, als ins benachbarte Bangladesch zu fliehen.
In Cox’s Bazar entstand das heute weltgrößte Flüchtlingslager. Die Menschen leben zu fünft bis sechst in Hütten aus Bambus, Holz und Plastikplanen, die rund 17 messen. Beim Monsunregen, der demnächst wieder beginnt, drohen diese Unterkünfte jedes Jahr aufs neue weggeschwemmt zu werden.
Erste Erkrankungen
Im heurigen Sommer droht den Flüchtlingen eine zusätzliche Gefahr: Das Coronavirus. Zwar wurden bisher erst 38 Infektionen in den Camps gezählt, zwei Erkrankte starben. Allerdings gerät die wichtigste Maßnahme gegen die Krankheit, die soziale Distanz, in Cox’s Bazar zu einer nahezu unlösbaren Aufgabe, wie der Vize-Länderdirektor von CARE Bangladesch, Ram Das, am Mittwoch schilderte.
Umso mehr kümmert sich die Hilfsorganisation um Aufklärung: Freiwillige besuchen Familien und übergeben Informationsmaterial, aber auch Seife. In Gesundheitsstationen können sich Menschen mit Symptomen testen lassen.
"Anhaltender Völkermord"
Anders als zu Beginn der Rohingya-Krise gibt es in den Camps heute – auch dank CARE – ausreichend Nahrungsmittel, Wasser und Müllentsorgung; informeller Unterricht findet statt.
Was fehlt, ist jegliche Perspektive: Zwar haben Myanmar und Bangladesch eine Rückkehr der Rohingya vereinbart, aus Angst vor neuerlicher Verfolgung scheuen die meisten Vertriebenen aber davor zurück. UN-Ermittler sprechen von „anhaltendem Völkermord“.
Myanmars Führung bestreitet das – auch de-facto Regierungschefin Aung San Suu Kyi, die für ihren Kampf gegen das Militärregime einst jahrelang unter Hausarrest stand und 1991 den Friedensnobelpreis erhielt.
CARE Österreich hilft vor Ort. Spendenmöglichkeit: care.at oder IBAN AT77 6000 0000 0123 6000
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