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Chronik Welt
05/21/2020

Gewaltiger Sturm trifft Asien mitten in Corona-Krise

Millionen Menschen mussten in Indien und Bangladesch ihre Häuser verlassen. "Amphan" hinterlässt eine Schneise der Verwüstung.

von Ulrike Botzenhart

Der Wirbelsturm "Amphan" zog mit mehr als 186 Stundenkilometern und mit viel Wind, Regen und Gewitter über Indien und Bangladesch hinweg. Die vorerst erste Bilanz: Mehr als 80 Menschen sterben, Tausende Häuser werden dem Erdboden gleich gemacht.

Beide Länder haben viel Erfahrung mit starken Wirbelstürmen, die im Golf von Bengalen immer wieder vorkommen.  Experten gehen davon aus, dass die Intensität der Stürme in den vergangenen Jahren unter anderem wegen des Klimawandels tendenziell zugenommen hat. Die Opferzahlen waren aber in den vergangenen Jahren generell kleiner, da die beiden Länder inzwischen gute Notunterkünfte gebaut und Evakuierungspläne entworfen haben.  Bei einem großen Zyklon im Jahr 1999 waren knapp 10.000 Menschen gestorben.

Durch "Amphan" wurde in der 15-Millionen-Einwohner-Stadt Kolkata (vormals Kalkutta) der Flughafen überflutet. In Teilen der indischen Metropole fielen auch der Strom und Telekommunikation aus. Besonders vom Wirbelsturm betroffen war der Bundesstaat Westbengalen mit mindestens 72 Toten. Die zuständige Regierungschefin sagte, dass die Naturkatastrophe ihr Gebiet stärker treffe als Corona und es wohl drei, vier Tage brauche, um das ganze Ausmaß der Schäden abzuschätzen. "Viele Gebiete sind verwüstet und es gibt keine Wasserversorgung. In unserem Dorf hat dieser schreckliche Sturm alles platt gemacht", berichtete ein Betroffener dem Sender NDTV. 

Drei Millionen in Notquartieren

In beiden Ländern wurden vor dem Eintreffen des Sturms mehr als drei Millionen Menschen in Notunterkünfte gebracht. Einige Leute wollten aber nicht in die Notunterkünfte, hieß es von Behörden und Hilfsorganisationen. Manche hätten Angst gehabt, ihr Hab und Gut zurückzulassen, andere, sich in den Notunterkünften mit dem Coronavirus zu infizieren.

Die Behörden beider Länder sagten, sie hätten mehr Notunterkünfte zur Verfügung gestellt, um Abstand zu gewährleisten. Es würden etwa leerstehende Schulen genutzt. Doch mehr Gebäude zu finden, sei schwierig gewesen, da einige Notunterkünfte zurzeit als Quarantäne-Gebäude oder temporäre Unterkünfte für gestrandete Wanderarbeiter dienten. In den Unterkünften wurden teils Masken und Desinfektionsmittel verteilt. Aber Fernsehbilder zeigten auch, dass die Abstände nicht immer eingehalten wurden.

Die beiden Länder kämpfen mit immer noch deutlich zunehmenden Corona-Infektionszahlen - trotz wochenlanger Ausgangssperre. Indien meldete kürzlich mehr als 100.000 bekannte Infektionen, mehr als 3.400 Menschen starben infolge der Lungenkrankheit Covid-19. In beiden vom Wirbelsturm getroffenen Ländern haben viele Leute keinen Zugang zu guter medizinischer Versorgung. 

Am Donnerstagnachmittag hatte sich zumindest der Sturm „Amphan“ abgeschwächt. Einige Menschen verließen die Notunterkünfte darauf bereits, wie Behörden mitteilten, um die Schäden zu begutachten und teils um ihr Zuhause wieder neu aufzubauen.