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Hilfsprojekt
04/26/2020

„Es geht ums Überleben“

Erfried Malle ist weltweit im Hilfseinsatz aktiv. Und appelliert, die Ärmsten in der Corona-Krise nicht alleine zu lassen

von Markus Foschum

Die Feinde sind mächtig. Sie heißen Hunger, Armut, Ungebildetheit, Gewalt. Vor Kurzem ist ein neuer Gegner dazukommen. Das Coronavirus. Auch wenn die Pandemie hierzulande massive Auswirkungen mit Tausenden Infizierten und vielen Toten sowie Maskenpflicht, Homeoffice und Kurzarbeit hat – die Auswirkungen in den Entwicklungsländern sind ungleich dramatischer. „Die Situation hat sich komplett verändert, die Angst ist groß, jetzt geht es ums Überleben“, sagt Erfried Malle. Der Perchtoldsdorfer (Bezirk Mödling) ist Gründer und Obmann des Vereins Sonne International. Seit 18 Jahren engagiert sich ein kleines Team weltweit in der Entwicklungsarbeit. Jetzt steht man vor einer riesigen Herausforderung.

Chancengleichheit

Für „Gerechtigkeit und Chancengleichheit“ will sich die Hilfsorganisation einsetzen, den besten Weg dahin sieht man in der Bildung. „In Bangladesch haben wir etwa acht Dorfschulen in einem abgelegenen Gebiet für Kinder der Volksgruppe der Garo errichtet. Sie hatten bis vor Kurzem kaum die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Weniger als 18 Prozent der Leute konnten lesen oder schreiben“, schildert Malle. Dabei geht es nicht nur um die Basisausbildung: „Wir wollen den Kindern den höchsten Bildungsstandard ermöglichen, den sie erreichen können. Deshalb gibt es für mehrere Dörfer auch eine Hauptschule samt Schülerheim. Einige Kinder haben mit fünf Jahren bei uns begonnen und nun studieren sie sogar an der Universität. In einer globalisierten Welt müssen alle gleiche Chancen bekommen.“

 

1.400 Kinder betreut man in Bangladesch, 500 im benachbarten Myanmar, 300 in Indien und rund 1.000 Menschen werden in Äthiopien von einem mobilen Team im Rahmen eines Gesundheitsprojektes versorgt. Eine humanitäre Katastrophe kam 2018 als neues „Projekt“ dazu: Die Vertreibung der Rohingya, einer muslimischen Minderheit, aus Myanmar. „In den Flüchtlingscamps in Bangladesch leben nun 1,2 Millionen Menschen. Wir betreuen mit unseren Ärzten in zwei medizinischen Stationen rund 6.000 Familien“, sagt Malle.

Stillstand

Die Situation war also bereits nicht einfach, als sie sich im März „extrem veränderte. Den Corona-Shutdown und die Auswirkungen gibt es ja auf der ganzen Welt. Ich bin am 15. März mit dem letzten Flieger aus Bangladesch zurückgekommen“, erzählt Malle. „In sämtlichen Kooperationsländern sind alle Projekte eingefroren worden, die Schulen sind geschlossen. In Bangladesch etwa sind die Städte abgeriegelt, ganze Dörfer haben sich selbst unter Quarantäne gestellt“

Im Land mache sich die Angst breit. „Millionen von Schneiderinnen haben ihre Jobs verloren und es gibt keine staatliche Unterstützung für Arbeitslose. Die große Sorge ist nun, dass sich die Leute nicht mehr ernähren können und Lebensmittel kosten vor Ort fast so viel wie bei uns“.

Vorrangige Aufgabe der Sonne-Mitarbeiter ist nun die Verteilung von Lebensmitteln, Schutzmasken und Desinfektionsmitteln. Das wird aber immer schwieriger. Einerseits durch die Situation und den Transport der Hilfsgüter vor Ort, andererseits wegen der Finanzierung. „Wir wollen alles versuchen, um die notwendige Hilfe nicht abreißen zu lassen – denn wir tragen nach vielen Monaten Hilfseinsatz eine große Verantwortung“, sagt Malle. Für die Klinik im Rohingya-Camp gibt es etwa keine Förderung mehr, Medikamente und das medizinische Personal müssen aber weiter finanziert werden.

Überlebensfrage

Dabei ist Covid-19 noch gar nicht direkt angekommen. „Es gibt keine offiziellen Bestätigungen, aber ich weiß von unseren Ärzten, dass es seit zwei Wochen erste Erkrankungen gibt. Der ganze Bezirk steht unter Quarantäne“, schildert der Sonne-Obmann.

Zur Sorge um die betreuten Flüchtlinge und Kinder kommt jene um die Mitarbeiter. 80 gibt es allein in Bangladesch. „Wir werden unser Personal nicht fallen lassen und zahlen die Gehälter, solange es möglich ist. Ich hoffe, dass wird diese Krise gemeinsam durchstehen“, sagt Malle. Etwas zuversichtlich macht ihn, dass „die meisten unserer Partner mitziehen. Die Solidarität ist noch groß“.

Zwar gab es zu Beginn der Krise fast keine Spenden mehr, aber das habe sich mittlerweile wieder gebessert. Die Frage sei, wie es langfristig weitergeht. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind ja noch im Anfangsstadium. „Ich denke, dass es Jahre dauern wird und keiner weiß, wie es mit Partnerschaften und Spenden in Zukunft aussehen wird. Es geht um den Fortbestand der Organisation“, so Malle.

Er versucht, optimistisch zu bleiben. Aber: „Ich habe derzeit ein Problem, eine Vision zu finden. Wir wissen nicht, in welche Richtung es geht. Ich weiß nur, dass wir die Leute nicht alleinlassen dürfen. Jetzt geht es ums Überleben.“

Mehr Info gibt es unter

www.sonne-international.org unter office@sonne-international.org oder auch direkt bei Erfried Malle unter 0699/19456052.

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