© KURIER

Interaktiv
04/14/2020

Wo die Kurve besonders steil verläuft

Welche Länder verzeichnen die meisten Infizierungen, Todesfälle, Genesungen? Wo beginnt die Kurve zu sinken? Ein weltweiter Überblick.

von Laura Schrettl

Weltweit sind knapp zwei Millionen Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden, fast 120.000 Menschen sind - Stand 14. April - an dem Virus gestorben. Mehr als 450.000 sind laut der Johns-Hopkins-Universität (JHU) wieder genesen.

Mehr als eine halbe Million Infizierte, mehr als 23.000 Tote: In keinem anderen Land gibt es so viele Infizierungen wie in den USA. Dort steigt die Zahl der bestätigten Fälle besonders rasant - aktuell auf 580.000. Das sind sieben Mal so viele Fälle, wie es in China gab (82.665), wo das Virus seinen Ursprung hatte.

USA: Warum steigen die Fälle derart rasant? 

Zu Beginn des Ausbruchs wurde US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, den Ernst der Lage verharmlost zu haben. Trump hatte zunächst erklärt, eine Verbreitung des Virus auch in den USA sei nicht unvermeidlich - er widersprach damit der Auffassung von Gesundheitsexperten.   

Der US-Präsident wurde sogar früh gewarnt, hatte aber nicht gehandelt. Laut einer Recherche der New York Times habe Trump Hinweise von Medizinern, die ihn eindringlich vor einer Katastrophe warnten, schon im Jänner in den Wind geschlagen. Dies bestätigte nun auch sein oberster medizinischer Berater Anthony Fauci.

Als sich die Krankheit dann zunächst in den Westküstenstaaten Washington und Kalifornien ausbreitete, gelang es den Behörden angesichts fehlender Tests nicht, Infektionsketten nachzuvollziehen.

Die ersten Tests wurden ausschließlich an das nationale Zentrum für Seuchenkontrolle (CDC) in Atlanta geschickt. Dieses verschickte dann fehlerhafte Testkits an die Bundesstaaten, wodurch wiederum wertvolle Zeit verloren ging. Erst nach dem Tod des ersten Corona-Patienten am 29. Februar lockerte die Regierung die Regularien. Dann stieg der Privatsektor ein, wodurch die Testkapazitäten erhöht wurden.

"Wenn wir Infektionsketten nachvollzogen hätten, hätten wir viele Fälle schneller entdecken und die Hotspots abriegeln können", sagte der Chef der Notfallmedizin der JHU. Die US-Behörden verteidigen dagegen ihr Vorgehen.

Nun wird in immer größerem Umfang auf das Virus getestet - was die Fallzahlen seit Wochen nach oben schnellen lässt. 

USA: Meisten Todesfälle

Auch die Zahl der Toten steigt in den USA rapide: Innerhalb von 24 Stunden sind Anfang April - bisher einmalig - mehr als 2.000 Menschen an den Folgen der Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Es handelt sich um die höchste Zahl von Todesopfern, die seit Beginn der Ausbreitung des Erregers innerhalb eines Tages in einem Land verzeichnet wurde.

Die Zahl der Todesfälle innerhalb eines Tages sank am Ostermontag (13. April) mit 1.557 unterdessen auf den niedrigsten Stand seit einer Woche.

Insgesamt stieg die Zahl der Todesfälle in den USA auf mehr als 23.500 (Stand 14. April). Die Vereinigten Staaten haben die höchste absolute Zahl an Todesopfern infolge der Corona-Pandemie weltweit.

Europa: Der am stärksten betroffene Kontinent

Nach den USA gibt es die meisten Infizierungen in Spanien (mehr als 170.000) und Italien (mehr als 159.500). Damit haben neben den USA bereits fünf europäische Länder (Spanien, Italien, FrankreichDeutschland und Großbritannien) die Zahl an Infizierungen in China überholt (Stand 14. April).

Europa ist der am stärksten von der Pandemie betroffene Kontinent. Bis 8. April wurden hier bereits mehr als 750.000 Infektionen registriert, wie eine Berechnung der Nachrichtenagentur AFP ergab. Mehr als die Hälfte aller globalen Infektionen wurden in Europa verzeichnet.

Am Ostersonntag ist die Zahl der Toten in Europa laut Daten der JHU auf über 75.000 gestiegen. 80 Prozent dieser Todesfälle wurden in Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien verzeichnet.

Was Europa betrifft, so ist Italien am stärksten betroffen. Dort gab es am Ostermontag (13. April) einen traurigen Rekord: Die Schwelle von 20.000 Todesfällen wurde überschritten. Als zweites folgt Spanien mit 17.700 Todesfällen, in Frankreich wurden 14.900 gezählt und in Großbritannien 11.300.

Italien: Höchste Sterberate

Die Fotos aus Italien, auf denen Polizisten reihenweise Särge aus Orten tragen, gehen seit Wochen um die Welt.

Schaut man sich die Sterberate durch SARS-CoV-2 in den einzelnen Ländern an, ist nicht verwunderlich, dass Italien mit 12,8 Prozent an erster Stelle liegt. Jedoch gleich auf mit Belgien (12,8 Prozent) und Großbritannien (12,7 Prozent). 

Erst danach folgen Frankreich, die Niederlande und Spanien mit jeweils etwas über 10 Prozent (Stand 14. April). 

In China liegt die Sterberate bei vier Prozent. In Österreich liegt sie sogar nur bei 2,73 Prozent. Das bedeutet, 2,73 Prozent der Menschen, die sich in Österreich durch das Coronavirus infiziert hatten, sind daran gestorben.

Italien und Spanien: CoV-2 unter häufigsten Todesursachen

Vergleicht man die häufigsten Todesursachen mit den Zahlen der am Coronavirus verstorbenen Menschen (Stand 7. April), zählt in Italien und Spanien SARS-CoV-2 bereits zu den häufigsten Todesursachen. 

Deutschland und Österreich haben bisher im Vergleich zu anderen Krankheiten vergleichsweise wenige Tote durch das Virus zu beklagen. Mit 17,8 Millionen Todesfällen stellten Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Jahr 2017 weltweit die häufigste Todesursache dar.

Warum ist Italien so stark betroffen? 

Eine Erklärung dafür liefert die Universität Oxford: Als Hauptgrund wird die Überalterung des Landes genannt - Italien hat mit einem Durchschnittsalter von 46,3 Jahren die zweitälteste Bevölkerung der Welt. In China ist die Lage ganz anders: Gerade mal zwölf Prozent der Bevölkerung ist über 65. In Italien ist es knapp ein Viertel.

Auch die Lebenssituation könnte zu den vielen Todesfällen beigetragen haben, denn viele junge Italiener leben bei ihren Großeltern. Das dürfte die Lage im Norden zusätzlich verschärft haben. Die Jungen pendeln dort oft in die Ballungsräume zur Arbeit.

Hat Frankreich zu spät reagiert?

Auch Frankreich hat die Zahl der Coronavirus-Toten die Schwelle von 15.000 am Dienstag überschritten. Laut Experten aus dem Gesundheitswesen hatte der französische Präsident Emmanuel Macron zu lange mit Maßnahmen gewartet. Mitte März waren die Parks in Paris noch voll mit Menschen, vor Kinos bildeten sich Schlangen und sogar Kommunalwahlen fanden landesweit statt.

Frankreich zählt allein in den Alters- und Pflegeheimen mindestens 5.100 Corona-Todesfälle, das ist mehr als ein Drittel aller Todesfälle in dem Land. Den Behörden zufolge sind 24 Prozent der Patienten auf Intensivstationen jünger als 60 Jahre alt. 

Die Eindämmungsmaßnahmen zeigen erste Wirkungen. Am Montag hatte Macron die strengen Ausgangsbeschränkungen nochmal bis zum 11. Mai verlängert. 

Ein erster Lichtblick: Am fünften Tag in Folge ist die Zahl der Menschen, die auf der Intensivstation behandelt werden, leicht rückläufig. Jedoch gibt es noch lange keine Entwarnung.

Spanien: Krankenhäuser sind am Limit 

Im besonders schwer betroffenen Spanien hatten rückläufige Todeszahlen zuletzt die Hoffnung aufleben lassen, man habe das Schlimmste hinter sich. Doch die Zahl der Todesfälle steigt trotzdem weiter stark an, mittlerweile steht die Zahl bei mehr als 18.000. Spanien liegt damit weltweit auf Platz 3, der meisten Corona-Todesfälle. 

Kein anderes Land in Europa hat so viele Infizierte wie Spanien, die Zahl steht derzeit bei mehr als 170.000 bestätigten Fällen (Stand 14. April). Ein Lichtblick: In Spanien wurden binnen 24 Stunden 3.045 Neuinfektionen bestätigt. Das ist der niedrigste Zuwachs seit fast vier Wochen.

Die Horrorszenen aus Krankenhäusern erschüttern ganz Spanien. Die Corona-Pandemie richtet Chaos in den Spitälern an. Betroffene und Beobachter betonen, schuld an den verheerenden Zuständen sei nicht nur das Virus. "Nach jahrelangen Einsparungen ist das spanische Gesundheitssystem am Abgrund", schreibt die Zeitung El Periodico.

Die jüngsten Zahlen machen in Spanien und anderen europäischen Corona-Hotspots zwar etwas Hoffnung. Die Gefahr, dass Gesundheitssysteme kollabieren, bleibt aber. Und mit jedem Tag schwinden die Kräfte des Personals. 

Das spanische Gesundheitswesen ist im Zuge der Eurokrise schwachgespart worden. Das Land hat seitdem knapp elf Prozent seiner Spitalsbetten verloren. 2017 gab Spanien 2.371 Euro pro Kopf für die Gesundheitsversorgung aus - 15 Prozent weniger als der EU-Durchschnitt. Das Virus zeigt nun schonungslos Missstände auf.

Italien: Erste Hoffnungsschimmer

Zumindest in ein paar Ländern gibt es langsam Hoffnung. Der Anstieg der Corona-Todesfälle in den am schwersten von der Corona-Pandemie getroffenen Ländern Europas schwächt sich spürbar ab. In Italien beginnt die Epidemiekurve zu sinken. 

Italien meldete am Sonntag die niedrigste Zunahme seit mehr als zwei Wochen. Am Dienstag wuchs die Zahl der Infizierten um 880 Personen auf 94.067 - der niedrigste Anstieg neuer Fälle seit Beginn der Pandemie am 20. Februar.

Am vierten Tag in Folge war die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen rückgängig, was eine wichtige Entlastung für die Krankenhäuser bedeute, sagte Zivilschutzchef Angelo Borrelli. Die Zahl der Genesenen kletterte auf 24.392.

Österreich: Mehr Genesene als Neuinfektionen 

Auch in Österreich gibt es Grund zur Freude: Es gibt deutlich mehr Genesene als Neuinfektionen. Den fünften Tag in Folge sind die aktiven Erkrankungen in Österreich zurückgegangen.