Tod von Stefanie P.: Wie die Polizei dem Ex-Freund auf die Schliche kam
Von links: Der interemistische Amtsleiter des Landeskriminalamts, Oberst Markus Haas, Landespolizeidirektor Gerald Ortner, Kriminaldienstleiter von Maribor, Stanko Vidovic und Staatsanwalt Christian Kroschl während einer Pressekonferenz zum Ermittlungsstand
Fast eine Woche galt die Grazerin Stefanie P. als vermisst. Samstagmittag hatten die Ermittler, die längst ein Gewaltverbrechen vermutet hatten, traurige Gewissheit.
Man habe "in der Nähe Majšperk im Wald einen vergrabenen Koffer gefunden, in dem sich die Leiche einer Frau befand", berichtete der Kriminaldienstleiter im slowenischen Maribor, Stanko Vidovic, am Sonntag bei einer Pressekonferenz mit Vertretern der österreichischen Behörden. Die Tote wird als Stefanie P. identifiziert.
Sie sei "eines gewaltsamen Todes gestorben", so Vidovic. Es sind intensive und grenzüberschreitende Ermittlungen, die zur Klärung dieses Falls geführt haben. Der 31-jährige Ex-Freund der Frau steht unter Mordverdacht und hat die Tat am Samstag gestanden.
Markus Haas, Leiter des Landeskriminalamtes Steiermark, gab die Details der Erhebungen bekannt. Daraus und aus dem bisher Bekannten zeichnet sich folgendes Bild:
Chronologie des Falles
Vergangenen Sonntag steigt Stefanie P. nach einer Feier an ihrer Wohnadresse im Grazer Stadtteil Geidorf aus einem Taxi. Es ist der 23. November, 7 Uhr früh. "Gut heimgekommen", schreibt die 31-jährige Visagistin, die als Influencerin Zehntausende Fans auf Instagram hat, einer Freundin.
Doch bald darauf dürfte die Frau in ihrer Wohnung gewaltsam aus dem Leben gerissen worden sein. Wie Ermittlungen zeigen, hatte eine Nachbarin Sonntagfrüh gegen 8 Uhr einen lautstarken Streit in der Wohnung der Frau wahrgenommen.
Mit "Plane oder Teppich auf der Schulter"
Eine andere Zeugin wird zwei Stunde später gegen 10 Uhr beobachten, wie der Ex-Freund „mit einer Art Plane oder Teppich auf der Schulter“ das Wohnhaus verlässt. Der Mann wird später gestehen, dass er den Leichnam der Frau "in einem Koffer am Rücksitz seines Autos nach Slowenien gebracht hat".
Die Ermittler konnten in weiterer Folge nachweisen, dass der seit Jahren in Graz lebende Slowene noch am Sonntag in seine Heimat und wieder zurück nach Österreich fährt. Doch da weiß noch niemand, dass Stefanie P. nicht mehr lebt. Sie wird zunächst um 14 Uhr zu einem Fototermin in der Innenstadt erwartet, doch die als zuverlässig geltende Frau kommt nicht.
Gegen 18.30 Uhr verständigte eine Arbeitskollegin die Polizei und erstattet Abgängigkeitsanzeige. Kurz hält eine Streife bei der Wohnung der 31-Jährigen Nachschau. Und trifft dort deren Ex-Freund, mit dem sie eine On-off-Beziehung gehabt haben soll. Der gibt an, dass er auf den Hund von Stefanie P. aufpasst.
Zunächst noch kein Verdacht
Abgesehen von "geringfügigen Blutabriebspuren an einem Türstock", habe es zunächst für die Beamten keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gegeben, so Haas. Doch als das Handy der Frau nach einer Ortung im Grazer Stadtteil Eggenberg gefunden wird, wird die Sache verdächtig. Der 31-Jährige gerät in den Fokus, ist aber nicht mehr erreichbar.
Am Montag übernimmt das Landeskriminalamt den Fall, nach dem Mann und seinem Auto wird gefahndet. Noch am Abend wird er von der slowenischen Polizei im Bereich eines Casinos nahe des Grenzübergangs Spielfeld/Šentilj festgenommen. Der 31-Jährige steht neben seinem brennenden Fahrzeug, dass er selbst in Brand gesetzt hat.
Das Feuer dient "offensichtlich zur Vernichtung von Spuren und Beweismitteln", ist Haas überzeugt. Ein europäischer Haftbefehl gegen den Mann wird erlassen. In Slowenien wird tagelang nach der Frau gesucht. Zunächst ohne Erfolg. In Graz werden am Mittwoch der Stiefvater und der Bruder des Slowenen festgenommen.
Zwei Verwandte in Haft
Für die Ermittler gibt es Hinweise, dass sie am Verschwinden von Stefanie P. beteiligt sein könnten. Am Samstag wird wegen Verdunkelungsgefahr die Untersuchungshaft über beide verhängt. Aus der wurden sie am Sonntag wieder entlassen. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die beiden an der Tat selbst nicht beteiligt waren.
Aber offenkundig bestand die Sorge, dass die Männer Beweise vernichten könnten. Als am Freitag schließlich der Hauptverdächtige von Slowenien nach Österreich ausgeliefert wird, starten intensive Befragungen des Mannes durch das LKA Steiermark, die sich über Stunden ziehen.
Dabei habe sich der 31-Jährige "nach anfänglichem Leugnen und Vorliegen der erdrückenden Beweislast zur Tat geständig" gezeigt, so Haas. Am Samstag zeigte der gebürtige Slowene den Beamten schließlich auf einer digitalen Landkarte den Ort, wo er die Leiche vergraben hat. Und dort wurden die slowenischen Ermittler Samstagmittag auch fündig.
Offene Fragen
Was noch fehlt: Ein Motiv. Zum Zeitpunkt des Todes der Grazerin waren die beiden getrennt, bestätigte die Polizei entsprechende Nachfragen der Medien. Unklar ist vorerst auch, wie die Frau gestorben ist. Das muss durch eine Obduktion geklärt werden.
Landespolizeidirektor Christian Ortner zeigte sich am Sonntag bei der Pressekonferenz betroffen: "Eine solche Tat macht uns alle fassungslos." Dass die Tat genau in die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ falle, sei besonders erschütternd.
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