Privatpatienten bevorzugt? Operationen im LKH Bad Aussee gestoppt

Das Landeskrankenhaus Bad Aussee mit großem Vordach und Bergkulisse im Abendlicht.
Es dürfen keine planbaren orthopädischen Eingriffe durchgeführt werden. Anweisung kommt geplantem Aus für Chirurgie und Innere Abteilung zuvor.

Zusammenfassung

  • Planbare orthopädische Operationen im LKH Bad Aussee sind per Dienstanweisung ausgesetzt, nur noch akute Fälle werden behandelt.
  • Hintergrund ist ein Vorfall, bei dem eine Akutpatientin wegen geplanter Privatoperationen in ein anderes Spital verlegt wurde.
  • Die Maßnahme führt zu längeren Wartezeiten und betrifft rund 35 Patienten, während die Schließung der Abteilungen bereits angekündigt ist.

Das LKH Bad Aussee ist eines jener drei Spitäler, das durch das Leitspital Liezen ersetzt und geschlossen werden hätte sollen. Doch der Neubau in Stainach-Pürgg kommt bekanntlich nicht, die blau-schwarze Landesregierung forciert "Plan B" mit Aufwertung des LKH Rottenmann - und Reduktion des Spitals im Ausseerland auf Akutgeriatrie  und notfallmedizinische Versorgung.

Akutfall in anderes Spital gebracht

Derzeit ist das LKH dort aber wie bisher in Betrieb und macht auch chirurgische Eingriffe, die nun aber zum Teil mittels Dienstanweisung der Krankenanstaltengesellschaft (KAGES) ausgesetzt werden: In dem Spital dürfen keine planbaren orthopädischen Operationen mehr erfolgen.

Hintergrund ist laut KAGES ein Vorfall vergangene Woche: Eine Patientin mit Beinbruch soll nicht in Bad Aussee operiert und in das LKH Rottenmann überstellt worden sein - es habe aufgrund geplanter Eingriffe keine Kapazitäten gegeben.

Private Fälle vor Akutpatientin

Was KAGES-Vorstand Gerhard Stark dabei laut Medienberichten besonders aufstößt: Die planbaren Operationen wurden vor dem Akutfall gereiht - und kamen aus Privatordinationen aus Salzburg und Oberösterreich. Die Konsequenz war eine Dienstanweisung, wonach nur noch akute Fälle operiert werden dürfen.

Diese Maßnahme gilt seit Mittwoch, die KPÖ machte das publik: "Das würde bedeuten, dass geplante Operationen von heute auf morgen abgesagt und Patientinnen und Patienten an andere Standorte verwiesen werden", kritisiert Landtagsabgeordneter Alexander Melinz. "Sollte es nun tatsächlich zu einem sofortigen Stopp orthopädischer Eingriffe kommen, wäre das ein Schlag ins Gesicht für die Menschen, die den Versprechen der Landesregierung geglaubt haben."

Was wurde bisher versprochen?

In der Spitalsdebatte um "Plan B" und die Reduzierung auf Akutgeriatrie statt eines Spitals am Standort habe die FPÖ-ÖVP-Koalition bisher versprochen, dass es derartige Einschnitte erst nach fixen Kooperationen mit dem LKH Bad Ischl geben werde, erinnert Melinz.

Dass überhaupt Patienten aus Privatordinationen in dem öffentlichen Spital operiert werden, liegt laut Stark an den geringen Fallzahlen in der Chirurgie. Deshalb wurde mit planbaren Operationen aufgefüllt. 

"Dulde ich nicht"

Sie aber vor Akutfällen zu behandeln, sei nicht vorgesehen. "So eine Situation dulde ich nicht", ließ der KAGES-Vorstand gegenüber der Kleinen Zeitung wissen.

Derzeit stehen rund 35 Menschen auf Wartelisten für planbare orthopädische Eingriffe aus Privatordinationen, die in Bad Aussee stattfinden hätten sollen. Sie sollen nun auf andere Spitäler verteilt werden. Freilich nicht ohne weitere Wartezeiten von bis zu 30 Wochen.

Die aktuelle Situation nimmt aber im Grunde nur bereits von der Landesregierung geplante Maßnahmen vorweg: ÖVP-Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl kündigte bereits Mitte Jänner an, dass die Abteilungen für Chirurgie und Innere Medizin im ersten Halbjahr dieses Jahres schließen werden.

Um welche Kapazitäten geht es? 

Derzeit verfügt die Innere Medizin über 20 Betten, die Chirurgie über 16 Betten. Dazu kommen noch drei Betten für Intensiv- und Notfallmedizin.

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