Weniger ist mehr? Neue Debatte um Spitalsschließungen

Emergency in the room patient hospital pulse monitor
Entscheidend sei nicht nur Erreichbarkeit sondern vor allem Versorgungsqualität, so ein Experte.

Peter McDonald ist nicht der Erste, der diese Forderung stellt – und er wird wohl auch nicht der Letzte sein: Im Rahmen der aktuell laufenden Debatten zur geplanten Gesundheitsreform spricht der Vorsitzende der ÖGK sich wie berichtet für die Schließung von Spitälern aus – auch im Sinne einer besseren Versorgungsqualität.

Abwegig ist der Vorschlag nicht, leistet sich doch Österreich nach wie vor 106 für die öffentliche Versorgung relevante Krankenhäuser – sogenannte Fondsspitäler – während etwa Dänemark mit 17 „Superspitälern“ auskommt.

Welche Spitäler er schließen würde, kann McDonald aber nicht verraten.

Für den Gesundheitsökonomen Ernest Pichlbauer werden in der Planung der Spitalslandschaft nach wie vor die falschen Prioritäten gesetzt. Zu sehr werde allein auf die Erreichbarkeit des Krankenhauses der Fokus gelegt, kritisiert er.

Viel stärker müsse die Qualität der Versorgung im Vordergrund stehen. Um einen gewissen Level an Qualität sicherzustellen, müsse an einer Abteilung eine bestimmte Mindestzahl an Behandlungen durchgeführt werden. Nur so könnten die Ärzte die nötige Routine erlangen.

Einzugsgebiet

Pichlbauer geht von einem Einzugsgebiet von rund 200.000 Personen aus, damit ein Krankenhaus auf die nötigen Fallzahlen kommt. „Von Österreichs Spitälern werden das aber wohl zwei Drittel nicht erreichen.“

Ein negatives Beispiel sei für ihn die Chirurgie in Bad Aussee (Steiermark): „Ein Facharzt kommt dort nur auf 35 Operationen pro Jahr“, rechnet Pichlbauer vor. Der Großteil davon könne obendrein tagesklinisch erledigt werden. Immerhin: Nun soll die Abteilung nach jahrelangen Debatten geschlossen werden.

Geschlossen bzw. zusammengelegt werden Spitäler aktuell auch in NÖ, um die Versorgung effizienter zu machen. Trotz des Widerstands der lokalen Bevölkerung begrüßt das der Experte. „Weil es keine populistische Opposition gibt, kann die Landesregierung das durchziehen.“

Neue Krankenhäuser

In eine andere Richtung geht das Burgenland, wo mit Gols ein neues Spital im Norden des Bundeslandes entstehen soll. Das Spital soll bis 2030 fertiggestellt werden und über bis zu 140 Betten verfügen. 6.000 bis 7.000 stationäre Patienten sollen hier jährlich versorgt werden, heißt es auf der Projekt-Homepage. Argumentiert wird der Bau mit dem Einwohnerzuwachs in der Region.

Für Pichlbauer der falsche Ansatz: „Man will wohl kein Geld für die Versorgung der Patienten an andere Bundesländer verlieren“, so der Experte. Dadurch, dass das Spital nur für die Burgenländer gedacht sei, werde aber auch hier das Einzugsgebiet zu gering sein, um Medizin in hoher Qualität anbieten zu können.

Wenig überraschend weist man im Burgenland McDonalds jüngste Vorschläge scharf zurück: „Was hier als Reform verkauft wird, läuft in Wirklichkeit auf einen Kahlschlag bei den Spitälern hinaus“, wettert SPÖ-Klubobmann Roland Fürst.

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