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Die K(ahr)PÖ bleibt am ersten Platz: Graz hat es wieder getan

Elke Kahr hat das Double geschafft und ihren Wahlsieg aus 2021 wiederholt. Das zeigt: Auch Regierende können gewinnen. Woran das liegen könnte.
Eine Frau mit Brille auf dem Kopf verlässt ein Gebäude, an dessen Tür ein Schild mit der Aufschrift „Zum Wahllokal“ hängt.

Als Elke Kahrs KPÖ im Herbst 2021 die Bürgermeisterpartei ÖVP links überholte, brach das politische Selbstwahrnehmungsgefüge der etablierten Parteien außerhalb der Stadtgrenzen zusammen: Kommunisten an erster Stelle? Ja, sind die Menschen in Graz noch bei Sinnen?

„Die Menschen wollen das“

Und kann Kahr, vom politischen Mitbewerb despektierlich als „Sozialarbeiterin“ beschrieben, obwohl damals schon mehr als 15 Jahre Stadträtin, überhaupt Bürgermeisterin? Sie parierte lächelnd und ohne Häme: „Die Menschen wollen das.“

Fünf Jahre und eine weitere Gemeinderatswahl später zeigt sich: Jetzt ist es schon wieder passiert. Die KPÖ an der Spitze der zweitgrößten Stadt Österreichs ist keine Eintagsfliege, Graz schwimmt weiter gegen den (blauen) Strom. Die Grazerinnen und Grazer wählten die KPÖ - laut Hochrechnung - nicht nur erneut auf Platz eins, sondern statteten den Vorsprung der Kommunisten auch noch mit einem gehörigen Polster und mehr Abstand zur ÖVP aus als 2021.

Die Kahr'sche Politik des Kümmerns

Was heißt das also? Der Parteiname - egal. Es könnte auch „Kahr PÖ“ auf dem Wahlzettel stehen, es ist die Spitzenkandidatin, die zieht. Sie ist populär und hat Beliebtheitswerte wie kaum ein Politiker, die Kahr'sche Politik des Kümmerns im Kleinen kommt zudem offensichtlich an. Es braucht in einer so großen Stadt wie Graz mehr als großspurige Pläne (wer erinnert sich noch an die U-Bahn-Phantasien oder die Murgondel-Ideen ihres ÖVP-Vorgängers Siegfried Nagl?) - den Blick von unten,  an den Kahr wieder und wieder erinnert.

Den nimmt man der 65-Jährigen schon aus dem Grund ab, weil er nicht für ein paar Wahlkampfwochen inszeniert wird: Wenn es in einer Siedlung brennt und Dutzende Grazer nicht wissen, wohin, weil die Wohnungen verqualmt sind  - Kahr taucht mitten in der Nacht neben den Feuerwehrleuten auf und sorgt für Lösungen.

Wem das Geld für die Reparatur der Waschmaschine fehlt, weiß: Der KPÖ-Sozialfonds - auch heute noch mit handschriftlichen Listen geführt - springt ein. Das Geld dafür kommt aus den Gagen der KPÖ-Politiker, die einem Gehaltsverzicht unterliegen. Allein Kahr verschenkte in 20 Jahren 1,3 Millionen Euro und spricht das auch offen aus: „Ich wäre steinreich.“

2.300 Euro netto, mehr nimmt sich Kahr nicht von dem Gehalt, zustehen würde ihr mehr als das Dreifache. Populistisch? Mag sein. Aber dauerhaftes Prinzip und  kommt  - paradox, aber wahr - auch in den gutbürgerlichen Bezirken an, denn die hohen Lebenserhaltungskosten treffen längst nicht nur die Arbeiterbezirke, in denen der Aufstieg der Grazer KPÖ in den späten 1980er Jahren begann.

Politiker anderer Parteien rümpfen die Nase über die  kommunistische „Almosenpolitik“ und rüffeln, die KPÖ verwalte nur und gestalte nicht. Sie haben aber darüber hinaus kein eigenes Konzept, das sie entgegenhalten könnten, weil sie den Aufstieg der KPÖ am linken Rand verschlafen oder nicht ernst genommen haben. Das ist mittlerweile kein Grazer Phänomen mehr, das zeigt der Blick nach Salzburg oder Innsbruck, wo Kommunisten ebenfalls bei Kommunalwahlen zugelegt haben.

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