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Graz vor der Wahl: Ein Blick auf jüngste Umfragen und historische Trends

Fünf Jahre nach dem historischen Sieg von Elke Kahr steht Graz erneut vor einer Richtungsentscheidung. Die KPÖ geht als klare Favoritin in die Gemeinderatswahl. Spannend wird, welche Koalition sich ausgeht.
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Das Wahlverhalten der Grazerinnen und Grazer gilt als ein wenig unberechenbar. Kaum verwunderlich, wenn man sich die Ergebnisse der letzten Wahl in der steirischen Landeshauptstadt ansieht.

2021 wurde Elke Kahr überraschend zur ersten kommunistischen Bürgermeisterin von Graz gewählt – und das in einer mittlerweile von der FPÖ regierten Steiermark. Laut Umfragen wäre es am kommenden Sonntag diesmal eine Überraschung, wenn die KPÖ nicht als deutliche Wahlsiegerin aus der Gemeinderatswahl hervorgehen würde. 

Obwohl der Wahlsieg der KPÖ auf viele sehr überraschend wirkte, zeichnet sich in den Grazer Gemeinderatswahlergebnissen seit 1945 ein Trend ab. Seit den 2000er Jahren hat die KPÖ an Zuspruch gewonnen, während die SPÖ 1968 ihren Höhepunkt mit 52,2 Prozent der Stimmen hatte und bei der Wahl 2021 auf 9,5 Prozent sank.

Auch die ÖVP verlor zwischen 1945 und 1998 kontinuierlich Stimmen. Ab 2003 gelang jedoch die Trendwende. Erstmals überholte die Volkspartei die SPÖ und wurde stärkste Kraft. Kahrs Vorgänger, Siegfried Nagl, wurde insgesamt vier Mal hintereinander zum Bürgermeister gewählt. Bei der FPÖ zeigt sich ein Auf und Ab, zuletzt erreichten die Freiheitlichen 10,6 Prozent. 

Die Grünen konnten ihren Stimmenanteil langfristig ausbauen und stellen mit Judith Schwentner seit 2021 die Vizebürgermeisterin. Die Neos traten 1998 das erste Mal bei der Gemeinderatswahl als Liberales Forum an und dann erst wieder 2017 unter ihrem jetzigen Namen Neos. Bei der letzten Wahl erhielten sie 5,4 Prozent.

In Umfragen ist die KPÖ klar vorne

Am 28. Juni stehen in Graz 11 Parteien und Listen zur Wahl. 225.883 Grazerinnen und Grazer sind wahlberechtigt. Laut einer aktuellen Foresight-Befragung wollen zwei Drittel wählen gehen – das wäre um elf Prozent mehr Wahlbeteiligung als 2021. Dieser Umfrage nach sind mehr als die Hälfte der Grazerinnen und Grazer sehr oder ziemlich zufrieden mit der Koalition von KPÖ, Grünen und SPÖ, während 40 Prozent wenig oder gar nicht zufrieden sind.

In den vergangenen fünf Jahren legte die Koalition aus KPÖ, Grüne und SPÖ ihren Fokus auf die Bereiche Soziales, Wohnen, Verkehr und Stadtentwicklung. Während die Wahrnehmung der Stadtregierung in der Bevölkerung ziemlich auseinander geht, zieht die Bürgermeisterin ein eindeutige Bilanz. „Ich finde, dass wir sowohl mit den Grünen als auch der Sozialdemokratie in diesen fünf Jahren gut zusammengearbeitet haben. Und es würde ich, wenn das möglich ist, gerne fortsetzen“, so Kahr kürzlich in einem Interview mit dem ORF Steiermark.

Spannend wird, ob sich diese Koalition wieder ausgeht. Der KURIER-Koalitionsrechner (sehen Sie weiter unten), der mit den Daten der aktuellsten Umfrage von Peter Hajek von der Kleinen Zeitung gefüttert wurde, zeigt, dass diese Dreierkoalition wieder möglich wäre. 

Wer schafft es auf den dritten Platz in Graz?

Fünf Umfragen aus dem letzten Jahr zeigen, dass die KPÖ mit Elke Kahr als Spitzenkandidatin das Ergebnis der letzten Wahl von 28,8 Prozent der Stimmen halten oder sogar übertreffen könnte – wobei die Schwankungsbreite aller Stimmen in den Umfragen nicht außer Acht gelassen werden darf.

Die KPÖ liegt in den Befragungen zwischen 25,5 und 32 Prozent. Anders als die ÖVP, die mit Umfragewerten von 20 bis 25,5 Prozent mit Verlusten rechnen muss. Die FPÖ, die 2021 10,6 Prozent erreichte, kann ihren Stimmenanteil laut Befragungen auf bis zu 18 Prozent ausbauen.

Je nach Umfrage duellieren sich die Freiheitlichen mit den Grünen um Platz drei. Diese können ihr Ergebnis von 17,3 Prozent nur in zwei Umfragen knapp halten, in den anderen rutschen sie mit leichten Verlusten auf Platz vier ab. Die Grazer SPÖ erreichte schon 2021 mit 9,5 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis. In den Umfragen für die kommende Wahl sieht es mit Werten zwischen 7,5 und 9,5 Prozent nach einem ähnlichen Ergebnis aus. Die Neos dürften dagegen hoffen, mit 6,4 bis 8 Prozent ihr letztes Wahlergebnis zu verbessern. 

Keine Chance auf den Einzug hätte derzeit der Korruptionsfreie Gemeinderatsklub Graz (KFG), der sich im Zuge des Finanzskandals von den Blauen abgespalten hat. Sie würden aktuell 1 Prozent der Stimmen erhalten. Vieles spricht also derzeit für einen neuerlichen Wahlsieg der KPÖ. Die entscheidende Frage lautet daher weniger, wer gewinnt, sondern wie in Graz künftig die Regierung gebildet wird.

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