Salzburg: Haft für Drogen-Geschenke an zehn Mädchen
Ein 44-Jähriger war angeklagt, weil er Minderjährigen Kokain geschenkt haben soll.
Ein 44-Jähriger hat sich am Mittwoch bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg zu dem Vorwurf, er habe zehn Mädchen im Alter zwischen zwölf und 20 Jahren von März 2023 bis März 2026 mehrfach Kokain überlassen, reumütig geständig gezeigt.
Der laut seinem Verteidiger drogenabhängige Türke wurde wegen unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften nicht rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, davon zwei Monate unbedingt, verurteilt.
Angeklagter ist bereits vorbestraft
Die unentgeltliche Übergabe der Drogen soll in der Wohnung des Angeklagten stattgefunden haben, die sich im Tatzeitraum in der Nähe des Salzburger Hauptbahnhofs befunden hat. Der in Verdacht geratene 44-Jährige wurde Ende März festgenommen. Bei den betroffenen Abnehmerinnen handelt es sich um neun Minderjährige und eine junge Erwachsene.
Der Beschuldigte ist bereits einschlägig vorbestraft. Sein Verteidiger erklärte, dass der Mann Fehler gemacht habe und nun seine drogenbelastete Vergangenheit hinter sich lassen wolle. Dem Urteil zufolge muss der Vater von zwei Kindern im Alter von 16 und 18 Jahren eine Bewährungshilfe absolvieren, um aus dem Drogenmilieu herauszukommen.
Die Richterin verpflichtete ihn auch zu einem Wertekurs, "für einen respektvollen und gleichberechtigten Umgang mit Frauen und Mädchen". Und es solle ihm auch vor Augen geführt werden, was die Funktion eines Erwachsenen ist, nämlich Kinder und Jugendliche zu schützen und ihnen keine Drogen zu geben. "Sie haben ja selbst eine Tochter", redete die Richterin dem Beschuldigten ins Gewissen.
Ermittlungen wegen möglicher Sexualdelikte
Das Urteil ist deshalb nicht rechtskräftig, weil die Staatsanwältin keine Erklärung dazu abgegeben hat. Der Verteidiger verzichtete auf Rechtsmittel. Gegen den Angeklagten wird noch wegen möglicher Sexualdelikte ermittelt. Im Herbst 2025 tauchten Vorwürfe auf, wonach Mädchen in Salzburg von Männern sexuell missbraucht worden seien, sie müssten für den Erhalt von Suchtgift sexuelle Dienste erbringen. Die Ermittlungen gestalten sich offenbar deshalb als schwierig, weil Betroffene nicht in Lage sind, auszusagen oder nicht auffindbar sind.
Ein 14-jähriges Mädchen hatte im April gegenüber den "Salzburger Nachrichten" geschildert, sie sei als Zwölf- bzw. Dreizehnjährige in die Drogenszene gerutscht. Sie sei in mehreren Wohnungen nahe des Hauptbahnhofs gewesen, wo als Gegenleistung für Drogen sexuelle Gefälligkeiten gefordert worden seien.
Drogen gegen sexuelle Dienste
Ihren Schilderungen zufolge habe die 14-Jährige im Laufe etlicher Monate ein knappes Dutzend Wohnungen kennengelernt, in denen man Kokain oder Heroin bekomme und dafür mit sexuellen Diensten bezahlen müsse. Die Gruppe an Männern, die die Mädchen angeblich ausbeuteten, sei groß. Die meisten seien arabisch- oder türkischstämmig, von ihnen kenne sie - wenn überhaupt - nur Vor- oder Spitznamen.
Über die Drogenszene fand im Februar ein runder Tisch in der Stadt Salzburg mit Politik, Polizei und Kinder- und Jugendhilfe statt. Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) forderte eine bessere Abstimmung zwischen Polizei, Streetwork und ÖBB-Security. Soziallandesrat Wolfgang Fürweger (FPÖ) kündigte eine Aufstockung des Streetworks an und forderte ein bundesweites Vorgehen der Polizei.
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