Chronik
01.01.2013

"Superhund" rettet Leben in Japan

Ein japanischer Rettungshundeverband schwört auf Spürnasen von der Wiener Feuerwehr.

Kaum in Japan angekommen, war die einjährige Hundedame Sido aus dem Burgenland bereits ein kleiner Star. Es gibt Fotoausstellungen, es wurde ein Buch geschrieben. Denn Sido soll als österreichischer „Superhund“ in Japan Leben retten – und außerdem geeignete Nachkommen in die Welt setzen.

Die japanische Rettungshundeorganisation (Rescue Dog Trainer’s Association RDTA) genießt höchstes gesellschaftliches Ansehen. Jeder Japaner könnte einmal auf die Hilfe der Retter mit vier Pfoten angewiesen sein. Daher sind die japanische Rettungshunde-Chefs weltweit auf der Suche nach den geeignetsten Tieren.

Schäfer aus Wien

Bei einem Erdbeben in Sumatra beobachtete Rettungshunde-Chef Hidehiro Murase das Team der Feuerwehr Wien bei der Arbeit und wusste sofort: Es muss ein Belgischer Schäfer aus Wien sein. Und zwar die kurzhaarige Malinois-Version. Hunde-Trainerin Magdalena Koczera beschaffte beim burgenländischen Züchter Heinrich Weizdörfer zwei Welpen.

Wegen der Quarantänebestimmungen hätten die Hunde dort monatelang in den Käfig müssen. Das blieb Sido und Sen erspart. Sie dürfen die Zeit bei den Wiener Feuerwehr-Hunden „absitzen“ und hier bereits den Trainingsbetrieb bei Trainer Peter Schüler mitmachen.

Sido hat inzwischen ihre Impfbestimmungen erfüllt, und wurde von Koczera und Schüler sozusagen „frei Haus“ zugestellt. Die Ankunft in Japan gestaltete sich als Fest samt angeschlossenem Seminar mit Vertretern von Feuerwehr und Polizei. Die wollten von den Österreichern wissen, wie hierzulande die privaten Rettungshunde in den Behördenapparat integriert werden (siehe Bericht unten).

Fotostar

In Tokio läuft derzeit in einer Galerie eine Fotoausstellung über die Arbeit mit Rettungshunden. Am Werbeposter prangen stolz Sen und Sido – ein Bild, das die Japaner in Österreich aufgenommen haben, als sie hier mit einer Delegation auf Hunde-Einkaufstour waren. RDTA-Präsident Hidehiro Murase präsentierte auch ein Buch über die Ausbildung von Rettungshunden, in dem Sen und Sido eine zentrale Rolle spielen. Beim burgenländischen Züchter wurde nun auch ein Malinois-Rüde bestellt. Er soll später mit Sen wertvolle Nachkommen zeugen.

Idealisten arbeiten für Behörden

Sie sind keine Berufsfeuerwehrleute. Die Hundeführer der Feuerwehr Wien sind Freiwillige und ehrenamtliche Helfer – Angestellte sind unter ihnen, ein Lkw-Fahrer und ein pensionierter Feuerwehrmann. Ihre etwa 15 Mann/Frau starke Truppe ist beim Landesfeuerwehrverband Wien eingegliedert. Die Stadt Wien stellt ein Trainingsgelände im Prater zur Verfügung. Dazu gibt es auch noch ein Feuerwehrauto und einiges an Überlebensausrüstung zur Unterstützung.

Weltmeister

Für den Rest kommen die Freiwilligen selbst auf. Etwa die Reisen quer durch Europa zu den internationalen Prüfungen. Vier Weltmeistertitel und drei Vizeweltmeistertitel haben sie schon geholt. Wenn die Republik Hilfe braucht, werden sie angefordert. Dann fahren sie etwa als Teil der AFDRU-Bundesheereinheit ins Katastrophengebiet. Das war bereits im Iran, in der Türkei oder in Algerien der Fall. Oder sie gehen über Vermittlung des Innenministeriums für die UNO in den Einsatz – etwa in Sumatra.

Sie kommen natürlich auch, wenn die Kollegen der Berufsfeuerwehr Hilfe brauchen. Zuletzt etwa bei einem Gebäudeeinsturz am Nordbahnhof in Wien.

Wenn sie nicht im Einsatz sind oder zu Prüfungen fahren, trainieren sie mit den Tieren. Denn wenn man derartige Leistungen erbringen will, bleibt neben dem Hund nicht für viel anderes Platz im Leben.