Chronik | Österreich
01.08.2017

Zoll-Kontrollen: "Joint light" darf nicht über die Grenze

In der Schweiz gibt es ein Griss um dort legale Hanfzigaretten. In Vorarlberg ist der Zoll alarmiert.

Roger Koch hat ein Luxus-Problem. Die Nachfrage nach seinem Produkt, das in einer kleinen Manufaktur in Steinach am Bodensee gefertigt wird, ist zu groß. "Wir haben keine Ware mehr", sagt der Unternehmer. Vor einem Jahr hat er Zigaretten mit Schweizer Tabak auf den Markt gebracht. Seit Anfang Juli gibt es Kochs "Heimat"-Zigaretten auch mit Hanf. "In den letzten zehn Tagen haben wir 40.000 Packungen verkauft", erzählt der Schweizer.

Er hat eine Gesetzesnovelle in seiner Heimat als Chance erkannt. Die sieht vor, dass Hanf-Produkte legal – zu welchem Zweck auch immer – verkauft werden dürfen, solange der THC-Gehalt nicht die Ein-Prozent-Marke überschreitet. Die "Heimat"-Glimmstängel sind ein "Joint light", den es sogar in Supermärkten der Coop-Kette gibt.

Für österreichische Verhältnisse wiegt der THC-Gehalt immer noch schwer genug. Für den rauschbewirkenden Stoff in der Cannabis-Pflanze gibt es hierzulande nämlich keine so hohe Toleranz-Schwelle. "Die in der Schweiz im Handel erhältlichen Hanfzigaretten enthalten THC und fallen somit in Österreich unter den Begriff Suchtgift und das Suchtmittelgesetz", erklärt Andrea Doczy vom Finanzministerium.

Das ist für den Zoll zuständig. Und der ist in Vorarlberg aufgrund der geografischen Nähe zu den Läden mit den Hanfzigaretten alarmiert. Denn dass es auch in Österreich Nachfrage geben würde, liegt auf der Hand. "Wir haben auch zahlreiche Bestellungen bekommen, können die aber aufgrund der gesetzlichen Regelungen natürlich nicht erfüllen", bestätigt Koch.

Die Zollverwaltung ist sich der Problematik bewusst und "führt risikoorientierte Kontrollen durch", wie das im Behördensprech heißt. "Weiters sind Schwerpunktaktionen an der Grenze zur Schweiz und Liechtenstein geplant", sagt Doczy.

Die Grenze zum Nachbarn ist durch den Marktstart der Zigaretten gewissermaßen zur "grünen Grenze" geworden. "Heimat"-Chef Koch hofft aber bereits, dass die Schranken irgendwann fallen werden. "Wir würden mittelfristig gesehen sehr gerne exportieren." Den Schmuggel seiner Zigaretten goutiert er freilich nicht. "Aber wir können das nicht verhindern."

Haft für Einfuhr

Der Schweizer zieht mit Augenzwinkern einen Vergleich zu einem Produkt, das anfänglich in manchen Ländern verboten war und dann doch den Siegeszug angetreten hat: "Früher haben die Schweizer Red Bull über die Grenze geholt. Jetzt kehren sich die Einkaufstouristen-Ströme vielleicht um." Der Schmuggel kann teuer zu stehen kommen. Auf die Einfuhr von Suchtmitteln zum persönlichen Gebrauch steht in Österreich bis zu einem halben Jahr Haft.

Roger Koch rüstet indes weiter auf und hat bereits eine neue Maschine für die Zigarettenproduktion bestellt, um der großen Nachfrage gerecht zu werden. Die wird nicht einmal durch den gesalzenen Preis von 19,90 Franken (17,50 Euro) gebremst. Koch erklärt sich den Hype durch das "Pseudo-Grenzgebiet zwischen legal und illegal", in dem seine Tabak-Hanf-Zigaretten verortet werden. "Die Leute fühlen sich damit vielleicht ein bisschen rebellisch. Außerdem ist es auch ein Lifestyle-Produkt, mit dem man signalisiert, sich etwas zu leisten", sag der ehemalige Lehrer, der nicht "aus der Joint-Ecke" kommt, wie er meint.

"Uns geht es um den Hanfgeschmack. Wir haben die Polizei eingeladen und alles offengelegt", erzählt der Schweizer über den Start. Die Idee für seine Zigaretten hätten auch andere bereits gehabt, gesteht Koch freimütig ein. Doch er habe bereits seine Manufaktur und dadurch einen entscheidenden Startvorteil gehabt. Nun brummt das Geschäft - vorerst aber nur in der Schweiz.