Während der IS-Verfahren gelten strenge Sicherheitsnaßmahmen im Grazer Gericht

© APA/ERWIN SCHERIAU

Graz
02/26/2016

Zeugin im Dschihadisten-Prozess erhielt Droh-SMS

Weil eine Frau angab, bedrohliche SMS bekommen zu haben, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Am Freitag ist im Grazer Straflandesgericht der Prozess gegen den islamischen Prediger Mirsad O. und Mucharbek T. mit der Befragung von Zeugen fortgesetzt worden. Eine Frau erklärte, sie habe Angst, weil sie bedrohliche SMS bekommen habe, daher wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Außerdem wurde jener Zeuge, der am Mittwoch wegen Falschaussage verhaftet worden war, erneut befragt.

Verschreckter Zeuge nochmal befragt

Zunächst wurde der äußerst verschreckt wirkende Zeuge gehört, der sich seit zwei Tagen in Untersuchungshaft befindet. Thema waren die Reden des islamischen Predigers, die mehrere junge Männer radikalisiert haben sollen. In der Folge gingen einige als Kämpfer zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) nach Syrien. Unter ihnen war auch der Bruder des Befragten, der plötzlich verschwunden war. Als der besorgte Zeuge zur Polizei ging, soll er gesagt haben, sein Bruder sei möglicherweise in Syrien, und „alles, was passiert sei, wurde durch dieses Umfeld verursacht“. Damit soll er damals die Moschee und ganz besonders die Predigten von Mirsad O. gemeint haben.

Mann relativierte seine Aussagen

Auch bei seiner zweiten Befragung vermied er es sorgfältig, jemanden zu belasten, und schon gar nicht Mirsad O. „Leute, die in diese Moschee gehen, werden ein bisschen radikal und gehen nach Syrien“, drückte er es vorsichtig aus. „Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass ich gesagt habe, dass Mirsad auffordert, zum Dschihad zu gehen“, blieb er bei seinen Angaben von Mittwoch. Er blieb vorerst in Haft.

Zeugin erhielt Droh-SMS

Dann kam eine Zeugin, die zu ihrem ersten Termin nicht erschienen war und daher von der Polizei vorgeführt wurde. Sie erklärte, sie habe SMS bekommen, in denen sie mit dem Umbringen bedroht worden sei. In ihrer Aussage schilderte sie, wie ihr Ex-Mann ihren Sohn so weit radikalisiert habe, dass dieser nach Syrien gehen und sich dem Islamischen Staat anschließen wollte. Mittlerweile wurde er aber in Wien verhaftet, worüber sie froh sei, meinte die Frau.

Baby mit Messer fotografiert

Auch am fünften Verhandlungstag ging es einmal mehr um jene Gespräche, die im Auto von Mirsad O. abgehört wurden. Es wurden Aufnahmen abgespielt, in denen O. seinen Kindern im Auto vorsang: „Mit Gewehren und mit Klingen, werden wir die Scharia bringen“ oder „Gib dem Schwert, was es verdient, schlag auf den Kopf, bis es sich biegt“. Das sei „nur ein Lied. Ist es verboten, im Auto zu singen?“, ereiferte sich Mirsad O. nach der Vorspielung des Bandes. „Nein, aber das passt zu den Fotos von ihren Kindern, die gefunden wurden“, meinte einer der beisitzenden Richter. Die Polizei hatte Bilder beschlagnahmt, die die Kinder des Angeklagten mit Waffen oder einer schwarzen Flagge zeigen. Besonders unverständlich erschien einem der Richter das Bild eines Babys, auf dessen Decke man ein großes Messer gelegt hat. „Das ist nicht verboten“, meinte O. dazu nur.

Fortsetzung am Montag

Der Prozess wird am Montag um 9.00 Uhr fortgesetzt. Zwei Zeugen müssen noch gehört werden, dann kommt es auf die Anträge von Verteidigung und Staatsanwaltschaft an, ob es ein Urteil geben wird.

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