Mirsad O. oder Ebu Tejma befindet sich in U-Haft.

© screenshot youtube

Wien/Graz
02/22/2016

Prozess gegen "Dschihad-Ikone"

Experte: "Bislang gibt es keinen Prediger, der vergleichbaren populären Erfolg hat wie Mirsad O."

Deutlich schmaler als in den Youtube-Videos, in kariertem Hemd und beiger Hose sitzt Mirsad O. vor den Geschworenen und doziert. "Wenn Schüler zu Neonazis werden, ist ja auch nicht der Geschichtslehrer schuld, der über den Zweiten Weltkrieg gesprochen hat." Die Strategie des 34-Jährigen ist damit klar: Hassprediger? Unterstützung des IS? Aufrufe zum Kampf in Syrien? Aber er doch nicht. "Falls Sie mich damit meinen: Ich habe nie zu Gewalt aufgerufen."

Es ist der größte Dschihadisten-Prozess, den das Grazer Straflandesgericht je gesehen hat: Polizisten vor und im Gericht, zwei Mal müssen Zuschauer durch Kontrollschleusen. Es darf weder gefilmt noch fotografiert werden, als Mirsad O. und Mucharbek T., 28, in den Saal geführt werden: O., den der Staatsanwalt "Medienstar des islamistischen Bewegung" nennt und Schlüsselfigur der IS-Propaganda in Österreich sein soll. Und T., der vom Prediger so radikalisiert worden sein soll, dass er nach Syrien ging und Menschen erschossen haben soll. "Das ist der Dschihad, von dem O. immer gesprochen hat", schildert der Ankläger. "Ein Mord an Menschen, deren Identität wir nicht kennen."

Auftragsmorde?

Mirsad O. alias Ebu Tejma soll seit 2009 seine radikal-islamistische Glaubenshaltung verfechten und damit mehrere junge Männer als Kämpfer für die Terror-Miliz IS angeworben haben. Außerdem wird er beschuldigt, als Auftraggeber mehrere Morde sowie schwere Nötigungen zu verantworten. Die Taten wurden angeblich vom zweiten Beschuldigten, einem Russen ausgeführt.

"Bislang gibt es keinen Prediger, der vergleichbaren populären Erfolg hat wie Mirsad O."

O. galt als besonders charismatischer Rekrutierer: "Bislang gibt es keinen Prediger, der vergleichbaren populären Erfolg hat wie Mirsad O.", sagt Dschihadismus-Experte und Politikwissenschafter Thomas Schmidinger.

"Bin nicht Mitglied der Propaganda"

Bei seiner Befragung am Montag gab der Angeklagte Mirsad O. an, nie Männer als Kämpfer für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeworben zu haben. "Ich bin nicht Mitglied der Propaganda, in keiner Weise" beteuerte er. Die Ausschnitte aus seinen Reden, mit denen er konfrontiert wurde, seien aus dem Zusammenhang gerissen oder zusammengeschnitten worden, rechtfertigte er sich.

"Nie versucht, jemanden zu überreden"

Mirsad O. wird unter anderem das Verbrechen der terroristischen Organisation und der kriminellen Vereinigung vorgeworfen. In diesem Zusammenhang soll er mehrere junge Männer als Kämpfer für den IS begeistert und nach Syrien vermittelt haben. Der Angeklagte fühlt sich in dieser Sache nicht schuldig. "Sie sollen Leute aufgestachelt haben, nach Syrien zu gehen", konfrontierte ihn der Richter mit dem Vorwurf. "Ich weiß, aber das ist nicht richtig, ich habe nie versucht, jemanden zu überreden", betonte der 34-Jährige.

Er habe auch keine Kontakte zu Extremisten gehabt: "Ich habe nie einen Prediger gehört, der die Leute aufgefordert hat, nach Syrien zu gehen." Er selbst habe in einem Vortrag gesagt "wir mischen uns in den Krieg in Syrien nicht ein". "Das war offenbar nur ein Mal, wenn Sie sich so genau daran erinnern", warf der Richter ein. "Ich hätte alle meine Vorträge selbst aufnehmen sollen", meinte der Angeklagte schon etwas ungehalten. "Ich habe nie gesagt, die Leute sollen nach Syrien gehen. Ich bin nicht Mitglied der Propaganda in Syrien, in keiner Weise", betonte er mehrmals. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

>> Islamismus: Wenn das Gefängnis zur Gefahr wird

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