© Dominik Surböck

Chronik Österreich
09/26/2021

Wofür die katholische Kirche Ritter braucht

Rund 550 Mitglieder zählt der Orden vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Österreich. Am Wochenende wurden neue Mitglieder in Krems aufgenommen.

von Martin Gebhart

Die Menschen in Krems staunten nicht schlecht, als am Samstagnachmittag ein Zug von rund 300 Personen, eingehüllt in Ordensmäntel, in die Stadtpfarrkirche, auch Dom der Wachau genannt, einzog. Das Bild vermittelte, dass es sich um eine besondere, verschworene Gemeinschaft handeln musste. Das markante Kreuz auf den Umhängen erinnerte an Ritterfilme.

Tatsächlich waren es auch Mitglieder eines Ritterordens, die aus ganz Europa zusammengekommen waren, um neue Mitglieder aufzunehmen. 16 Personen stellten sich dieser Investitur, dem Ritterschlag, um in Zukunft Teil des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem zu sein. In der Kurzversion werden sie auch Grabesritter genannt und sie unterstehen direkt dem Papst.

550 Mitglieder

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Statthalterei des Ritterordens in Österreich neu begründet worden. Im Sinne des päpstlichen Auftrags, die Christen im Heiligen Land zu unterstützen. Karl Lengheimer, ehemaliger Landtagsdirektor von NÖ, war für einige Zeit Statthalter gewesen und führt nun die Komturei St. Pölten für die Grabesritter. Den Sinn dieser Einrichtung hat er in einem Interview mit der St. Pöltner Kirchenzeitung Kirche bunt so beschrieben: „Anlass der Gründung war, dass man neben den Franziskanern, die noch heute eine wichtige Rolle im Heiligen Land spielen, auch ein Lateinisches Patriarchat in der Region verankern wollte. Zur Unterstützung des Patriarchats wurde der Ritterorden berufen.“

Seither wird versucht, die christlichen Einrichtungen im Heiligen Land finanziell und organisatorisch zu unterstützen. Wobei das Heilige Land nicht mit dem Staat Israel gleichgesetzt wird. Vielmehr zählen dazu auch Palästinensergebiete – etwa Bethlehem – und ein kleiner Teil von Syrien.

Den Grabesrittern geht es darum, dass in jenem Land, wo Jesus geboren wurde, weiterhin Christen leben und auch existieren können. Was keine leichte Aufgabe ist, da immer mehr wegen Perspektivenlosigkeit die Region verlassen.

Oder wie es Lengheimer formuliert: „Die palästinensischen Christen sind in einer sehr schwierigen Lage. Sie sind in einer Sandwich-Position einerseits zwischen den Juden und auf der anderen Seite den Muslimen.“

Spenden für Kindergarten

Auch bei der großen Feier am Wochenende in Krems und in St. Pölten wurden Spenden gesammelt. Diesmal für die Renovierung eines Kindergartens in Beit Jala, wofür insgesamt an die 35.000 Dollar benötigt werden.

Um im Ritterorden aufgenommen zu werden, bedarf es nur einer Voraussetzung: Man muss aktives Mitglied in der katholischen Kirche sein und ein Leben, privat und beruflich, gemäß den christlichen Werten führen. So ist es vorgesehen. Nicht notwendig ist es, eine hohe Position einzunehmen oder gar adelig zu sein. Seit 1883 sind auch Frauen dabei.

Kandidaten werden zuerst in den Komtureien aufgenommen, von denen es in Österreich zwölf gibt. In dieser Zeit tragen sie einen grauen Mantel. Ein Jahr später kommt es dann zur feierlichen Investitur, wie sie diesmal in Krems stattgefunden hat. Dann erhalten die neuen Mitglieder den weißen Rittermantel mit dem markanten roten Kreuz.

Rom setzt Großprior ein

Der Ritterorden hat in Österreich an der Spitze einen weltlichen und einen geistlichen Führer. Auf der einen Seite den Großprior, auf der anderen Seite den Statthalter. Letzterer wird in Österreich ernannt. Wer Großprior ist, wird in Rom entschieden. Derzeit ist es Raimund Schreier, der Abt von Wilten. Vor ihm hatte der Vatikan den ehemaligen Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser eingesetzt.

Der Ritterorden ist zwar auf das Heilige Land fokussiert, setzt sich aber natürlich auch mit dem Glauben in Österreich auseinander. Karl Lengheimer etwa beurteilt in der Kirche bunt die Stellung des christlichen Glaubens in Österreich so: „Ich denke, dass wir in Österreich eine Säkularisierung haben, mit der Auswirkung, dass gewisse Bräuche, vor allem in den Städten aber auch immer mehr am Land, wie etwa der sonntägliche Kirchenbesuch abgenommen haben. Das große Problem scheint aber zu sein, dass es nicht nur in der Kirche, sondern auch im Staat und in der Gesellschaft zentrifugale Bewegungen gibt.“ Überraschend ist, dass der Ritterorden dennoch einen Mitgliederzuwachs verzeichnet.

Die Wurzeln des Ordens

Entstanden ist der Ritterorden zum Heiligen Grab zu Jerusalem aus einer spätmittelalterlichen Pilgerbewegung. In seiner aktuellen Form wurde er im 19. Jahrhundert von Papst Pius IX. installiert. Anlass war, dass man im Heiligen Land ein Lateinisches Patriarchat für die Christen gegründet  hat. Der Orden soll dieses kräftig unterstützen. An der Spitze steht ein Kardinal als Großmeister, der vom Papst eingesetzt wird.

In Österreich

1954 wurde die Österreichische Statthalterei in Salzburg neu gegründet. Dieser katholischen Ordensgemeinschaft gehören derzeit rund 550 Frauen und Männer an, Laien als auch Geistliche. Die Statthalterei ist in zwölf Komtureien untergliedert.

Prominente Mitglieder

Unter den rund 550 Mitgliedern des päpstlichen Ritterordens in Österreich sind unter anderem der ehemalige Ex-Vizekanzler Michael Spindelegger, Kardinal Christoph Schönborn, der Generalsekretär der Industriellenvereinigung Christoph Neumayer, Gemeindebundpräsident Alfred Riedl, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, Dompfarrer Toni Faber, der Tiroler Ex-Landeshauptmann Herwig Van Staa oder die Salzburger Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf.

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