© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Österreich
05/11/2020

Trotz Corona: In den Öffis ist Abstand halten keine Pflicht

In den Öffis müssen Fahrgäste „ausnahmsweise“ keine Distanz wahren. Die Betreiber setzen auf Masken und Eigenverantwortung.

von Teresa Sturm, Birgit Seiser

Mittlerweile ist er zum alltäglichen Begleiter geworden – in Geschäften, im Lokal, sogar beim Spazierengehen im Park: der Sicherheitsabstand von einem Meter. Nur in den öffentlichen Verkehrsmitteln gilt er nicht. Das sorgt bei immer mehr Menschen für Verunsicherung.

Noch ist fehlender Sicherheitsabstand kaum ein Problem. Die Zahl der Fahrgäste in den Öffis ist – verglichen mit normalen Tagen – Corona-bedingt gering. In Wien etwa zählen die Wiener Linien derzeit nur halb so viele Passagiere wie üblich. Spätestens nächste Woche, wenn mehr Kinder und Jugendliche wieder in die Schule fahren, werden sich die Öffis aber schlagartig füllen. Und dann ist es mit dem Sicherheitsabstand, den viele Menschen derzeit fast wie selbstverständlich einhalten, vorbei.

Die Öffi-Betreiber selbst sind nicht dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass nicht zu viele Fahrgäste zusteigen: „Ein Bus, der im Linienverkehr eingesetzt wird, ist ein „Massenbeförderungsmittel“, heißt es vonseiten der Wirtschaftskammer. „Aus diesem Grund gilt die 1-Meter-Abstandsregel im Bus daher nur dann, wenn es die Anzahl der beförderten Fahrgäste zulässt. Wenn es aufgrund der Anzahl der beförderten Fahrgäste sowie beim Ein- und Aussteigen nicht möglich ist, die Abstandsregel einzuhalten, kann davon ausnahmsweise abgewichen werden.“

Fast alle tragen Maske

Klar ist: Überfüllte Busse, Züge, U-Bahnen und Straßenbahnen werden nicht die Ausnahme sein, sondern die Regel. Das weiß man bei den Betreibern – der KURIER hat berichtet: Einen Meter Distanz zu wahren, werde sich dauerhaft „nicht ausgehen“, hieß es zuletzt etwa seitens der Wiener Linien. Sie setzen – ebenso wie ÖBB und VOR – auf die Maskenpflicht. Alle Bediensteten und Passagiere müssen Mund-Nasen-Schutz tragen, so sieht es eine Verordnung der Regierung vor.

Die Disziplin der Fahrgäste ist hoch, wie ein KURIER-Rundruf ergab: In Bahnhöfen gebe es nur vereinzelt Menschen, die gegen die Maskenpflicht verstoßen, sagt ÖBB-Sprecher Daniel Pinka. Nach einem Hinweis der Security-Mitarbeiter sei „fast immer Einsicht da und die Maske schnell übers Gesicht gezogen“. Wer keinen Abstand hält, wird hingegen nicht belehrt: Die Zugbegleiter sind nicht dazu angehalten, Passagiere quasi „auseinander zu setzen“. Ähnliches berichten die Wiener Linien, wo mehr als 100 Mitarbeiter im Einsatz sind, um die Maskenpflicht zu kontrollieren. Bisher fast ohne Zwischenfälle.

Normalbetrieb läuft an

Um den steigenden Fahrgastzahlen zu begegnen, stellen die Öffi-Betreiber wieder auf den Vollbetrieb um: Der VOR fährt (mit Ausnahme spezieller Angebote für Internatsschüler) das volle Programm im Nah- und Regionalverkehr. Auch bei den ÖBB läuft seit gestern, Montag, der Vollbetrieb. Vor allem in Wien ist das spürbar, wo die S-Bahnen im Takt von wenigen Minuten fahren. Die U-Bahnen sind ebenfalls wieder in kurzen Intervallen unterwegs – zumeist in einem Takt von zwei bis drei Minuten. Nächsten Montag stellen die Wiener Linien auch Busse und Straßenbahnen auf Normalbetrieb.

Die Möglichkeiten, noch mehr Öffis zur Verfügung zu stellen, sind eingeschränkt. So ist in Wien eine Taktverdichtung der U-Bahn schlicht nicht machbar; auch die ÖBB können nur bedingt weitere Garnituren an ihre Loks hängen.

Man appelliere an die Eigenverantwortung der Menschen, heißt es bei den Betreibern gleichlautend: Wenn in einem Öffi zu viel los sei, solle man auf das nächste warten. Und: Die Stoßzeiten solle man generell meiden.

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