Windrad-Boom scheint vorbei zu sein

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Österreich
04/20/2021

„Sonst ersetzen Windräder die Gipfelkreuze“

Nach zehn Jahren könnte am Mittwoch der Windpark Bärofen bewilligt werden. Acht Windräder und ihre Geschichte.

von Anja Kröll

Es ist ein vermeintlicher Routinebeschluss, der am Mittwoch auf dem Tisch der Kärntner Landesregierung liegt. Der sogenannte Windpark Bärofen auf der Koralpe dürfte aller Voraussicht nach grünes Licht erhalten. Die Fakten des Projekts sind rasch erzählt: Acht Windräder sollen künftig Strom für 20.000 Haushalte liefern, bei einer Investitionssumme von rund 40 Millionen Euro und 28 Megawatt. Für die Details hinter den Zahlen braucht es etwas mehr Zeit.

Seit zehn Jahren wartet der Initiator des Windparks, Franz Dorner, auf die Genehmigung seines Projekts. Im Jahr 2011 stellte er das Vorhaben erstmals in der Kärntner Gemeinde Frantschach (Bezirk Wolfsberg) vor. "Meine Erwartung ist, dass wir nun ein Okay bei der Regierungssitzung bekommen. Das ist allein schon der Klimakrise geschuldet", erklärt der 61-Jährige.

Verbau der Berge befürchtet 

Doch die Geschichte des Windparks Bärofen ist eine lange. Als erstes Windkraftprojekt Kärntens hat der geplante Windpark auf der Koralpe eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchlaufen. Das war im Jahr 2017. "Ich war sicher bei 70 Begehungen dabei", erinnert sich Dorner. Gutachten zu Insekten, Flora, Fauna und forstwirtschaftlichen Belangen wurden eingeholt. "Wir haben sogar einen Uni-Professor engagiert, der drei Tage lang nach seltenen Schmetterlingen gesucht hat", erzählt der Initiator. Im vergangenen Oktober fand schließlich im Festsaal der Gemeinde Frantschach die UVP-Verhandlung statt – mit Einwänden von 590 Bürgern und Organisationen.

Und auch jetzt weht dem Projekt im Lavanttal, unmittelbar an der Grenze zur Steiermark, kräftiger Gegenwind entgegen. Die Arge der Alpinen Vereine Kärntens, unterstützt von der "Bürgerbewegung Kärnten ohne Windräder" und Birdlife Kärnten, macht sich gegen das Projekt stark.

"Wir haben nicht generell etwas gegen Windparks. Aber der ländliche Raum soll nicht für die Stromversorgung der Städte herhalten müssen. Gerade als alpine Organisationen ist uns das wichtig. Sonst ersetzen Windräder die Gipfelkreuze auf unseren Bergen", erklärt Klaus Bayer, Landesgeschäftsführer der Naturfreunde Kärnten und Sprecher der Arge. Laut dem Zusammenschluss verstößt der Windpark gegen den Schutz der Schönheit der Landschaft bzw. die Identität der Region.

Ökostrom ja oder nein

"Ich kann die Bedenken einerseits durchaus verstehen, aber man muss nachdenken, was die Alternative ist: Atom- bzw. Kohlestrom, oder Windenergie. Die Regierung muss sich entscheiden, was sie will. Wenn wir Strom aus Ökoenergie wollen, dann muss dieses Projekt bewilligt werden", sagt Dorner.

Der Landesgeschäftsführer der Naturfreunde hält dagegen: "Ökostrom ist gut und schön, aber nicht um jeden Preis. Stellen sie sich vor, wenn tonnenweise Material auf die Berge transportiert werden muss, welche Schäden dies in der Landschaft verursacht. Außerdem haben wir genug Wasserkraft in Kärnten, die genutzt werden kann. Da braucht es keine Windräder."

Sollte es am Mittwoch ein Go für den Windpark geben – und damit ist zu rechnen, da der Bergbogen von der Kuchalm im Metnitztal bis zur Soboth bereits als Zone für Windkraftnutzung festgelegt wurde – will die Arge alpine Vereine Beschwerde einlegen und das Bundesverwaltungsgericht einschalten. Franz Dorner nimmt das nicht den Mut: "Ich habe Geduld und glaube an das, was ich tue."

Schleusenöffner für weitere Projekte

Die Gegenseite befürchtet hingegen, dass eine Bewilligung für Bärofen weiteren Projekten als Schleusenöffner dienen könnte: "Damit ist es nicht ausgestanden. In den Nockbergen oder dem oberen Drautal zeichnen sich schon Nachfolgeprojekte ab. Wollen wir das für unsere schöne Berglandschaft wirklich?", fragt Bayer.

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