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Chronik Österreich
04/15/2021

Eigene GTI-Polizei soll illegale Tuner-Treffen ausbremsen

Das GTI-Treffen ist offiziell abgesagt. Die Tuner kommen dennoch – und die Polizei erwartet sie mit neuen Methoden

von Anja Kröll

Ab heute, Freitag, werden sie wieder das Wochenende über im Einsatz stehen. Speziell dafür abgestellte Polizisten, die auf Meldungen und Einsätze zu einem Thema warten: illegale GTI-Treffen.

Denn obwohl das GTI-Treffen, das in Kärnten traditionell am Christi-Himmelfahrts-Wochenende im Mai stattgefunden hätte, heuer Corona-bedingt erneut abgesagt wurde, rechnet die Polizei mit einem Ansturm der vor allem heimischen Tuning-Szene. Denn in einschlägigen Internetforen gibt es zur Zeit nur ein Thema: Wie und wann sehen wir uns in Kärnten für „Gib Gummi“?

Streifen kontrollieren Tuner-Hotspots

„Wir haben seit Anfang April Zusatzstreifen im Einsatz, die Hotspots der Szene kontrollieren“, erklärt Rainer Dionisio, Pressesprecher der Kärntner Polizei. Bisher sei es vor allem wegen des schlechten Wetters an den beliebten Treffpunkten der Tuner wie dem Pyramidenkogel, in Reifnitz, bei in der Szene bekannten Tankstellen, in Faak am See oder im Ortszentrum von Velden relativ ruhig geblieben. Doch die Exekutive traut dem vermeintlichen Frieden nicht. „Wir rechnen damit, dass es früher oder später zu illegalen Treffen kommen wird“, sagt Dionisio.

So wie im vergangenen Jahr, als das GTI-Treffen zum ersten Mal seit der Gründung im Jahr 1982, abgesagt werden musste. Über Wochen hinweg, hatte sich die Szene daraufhin immer wieder verbotenerweise in Kärnten getroffen und mit wilden Drift-Aktionen, durchdrehenden Reifen und absichtlich ausgelösten Fehlzündungen für Unmut bei den Anrainern gesorgt.

Ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei war die Folge. Wurden Polizeistreifen bemerkt, verlagerten die Autofans blitzartig ihre Treffpunkte. Gerade im Herbst spielten sich zum Teil chaotische Szenen bei inoffiziellen Treffen ab. Mehrer Straßen mussten wegen Überlastung gesperrt werden, 100 Kennzeichen wurden wegen technischer Verstöße abgenommen. Die Beschwerden von Anrainern wegen Lärmbelästigung bis in die Morgenstunden häuften sich.

Eigenes GTI-Beschwerdemanagement

In Corona-Jahr Zwei ist man gegen solche Eskapaden der PS-Junkies besser gerüstet. Erstmals werden nun Polizisten eigens für das Beschwerdemanagement an den kommenden Wochenenden abgestellt. „Wenn sich etwa Anrainer melden, nehmen diese Kollegen die Beschwerden auf, stellen telefonisch oder persönlich fest, was wirklich anliegt. So können wir die Lage einschätzen und Streifen besser koordinieren“, erklärt Dionisio. Die GTI-Polizisten stammen aus allen Teilen Kärntens.

Doch auch auf Unterstützung aus der Bundeshauptstadt Wien wird gesetzt. Wie aus einem internen Papier der Polizei hervorgeht, werden ab Anfang Mai je zehn Spezialisten der Landesverkehrsabteilungen Wien und Oberösterreich nach Kärnten zugeteilt. Ihre Aufgaben sind vor allem technische Kontrollen. Bei Bedarf stehen aber zusätzlich Diensthundeführer und auch der Hubschrauber des Innenministeriums zur Verfügung.

Videoüberwachung

Dass die Exekutive mögliche illegale Treffen nicht auf die leichte Schulter nimmt, zeigt auch folgende Maßnahme: Bereits in den kommenden Tagen tritt an neuralgischen Punkten in den Bezirken Klagenfurt-Land und Villach-Land eine Kontrolle per Videoüberwachung in Kraft. Ein Vorgehen, das normalerweise auch bei den Treffen umgesetzt wird. Wie vorgeschrieben, wird auch dieses Mal mit entsprechenden Ankündigungen und Hinweisschildern auf die Videoüberwachung hingewiesen.

„Und schließlich gilt es noch die Einhaltung der Corona-Regeln zu überwachen“, erklärt Sprecher Dionisio.

Empfindliche Strafen

Wer dennoch „Gummi geben“ will, dem sei ein Fall aus dem Vorjahr in Erinnerung gerufen. Im September gaben zwei Wiener am Dobratsch unter tosendem Beifall des Tuning-Publikums mit ihren Fahrzeugen ordentlich Gas und ließen die Räder durchdrehen. Um einer Strafverfolgung zu entgehen, hatten die beiden vorsorglich ihre Kennzeichen abmontiert. Der Villacher Polizei gelang es trotzdem, die Verantwortlichen auszuforschen und anzuzeigen. Die Strafe: Mehrere Tausend Euro – pro Person.

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