Wie Regionen in der Krise auf lokalen Online-Einkauf setzen

Für einige Wochen waren Städte wie Innsbruck fast menschenleer. Seit 14. April dürfen nun Geschäfte bis 400 Quadratmeter wieder öffnen
Menschenleer waren die Innenstädte in den vergangenen Wochen. Plattformen sollen helfen, das Geschäft im Ort zu behalten

Etwa fünf Wochen lang herrschte fast komplette Leere in Österreichs Innenstädten. Keine Spur von Menschen, die mit Einkaufstaschen von Geschäft zu Geschäft eilen. Wie auch, hatten die Handelsbetriebe doch geschlossen. Viele suchten deshalb Abhilfe im Internet: Die Online-Giganten freut das. Die Krise befeuert nun aber die Debatte um regionalen Online-Handel, um Umsatzeinbußen zu vermindern.

Die Stadt Linz hat etwa neuerdings ihre Nahversorgungsförderung von 50.000 auf 150.000 Euro angehoben. Vieles davon soll laut Vizebürgermeister Bernhard Baier (ÖVP) in die Digitalisierung der Geschäfte fließen. „Die Stärke der Innenstadt ist analoges Einkaufen.

Die Realität zeigt uns aber, dass der Wunsch nach digitalem Einkaufen immer größer wird“, sagt Baier. Zudem würde sich zeigen, dass Betriebe, die beides erfolgreich durchführen, krisenresistenter seien.

Einen regionalen Online-Handel hochzufahren – sprich die verschiedenen Geschäfte einer Stadt oder einer Region schließen sich zusammen und verkaufen ihre Produkte zusätzlich über eine gemeinsame Plattform – bedarf aber einer ordentlichen Organisation. „Um Kräfte zu bündeln, würde es eine Innenstadtagentur benötigen, die für die Verbreitung sorgt. Es muss ja im Netz auch gefunden werden“, sagt Baier.

Oberösterreich
Auf www.linzlabyrinth.at bieten Betriebe ihre kreativen Produkte online an. Auch die kleinen Geschäfte am Linzer Südbahnhofmarkt haben unter www.suedbahnhofmarkt.com einen gemeinsamen Online-Auftritt.

Steiermark
Wie in vielen anderen Bundesländern hat in der Steiermark die Wirtschaftskammer eine Initiative unter www.wko.at/steirischeinkaufen ins Leben gerufen.

Tirol
Erst seit ein paar Wochen gibt es die Plattform www.wirkaufenin.tirol. „Ja zu Tirol“ sagen statt beim internationalen Online-Riesen zu bestellen, ist das Ziel der Wirtschaftskammer.

Salzburg
In Salzburg ist die größte Plattform jene der Wirtschaftskammer: www.kaufen-in-salzburg.at Landwirtschaftliche Produkte sind auf www.kauf-jetzt-daheim.at zu finden,
Bauernläden und Ab-Hof-Verkäufer unter www.salzburg-schmeckt.at abrufbar. Der allgemeine Handel ist auf www.kauftregional.at/salzburg vertreten.

Kärnten
Auf der Seite www.daspackma.at kann man zumindest nach dem regionalen Händler in der Nähe suchen und Informationen einholen.

Vorarlberg
Ein Start-up hat mit dem Online-Handel www.allezemm.at viele heimische Betriebe vereint.

 

Grundlagen einhalten

Auch für Christoph Teller, Institutsvorstand für Handel, Absatz und Marketing an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz, ist die Organisation das ausschlaggebende Moment, ob eine solche Plattform funktioniert.

„Es kommt immer darauf an, wie professionell man es macht. Wichtig ist, dass die Grundlagen der Handelsbetriebslehre vorhanden sind.“ Das heißt: Design, Lieferservice, Qualität und die Information an den Kunden müssen stimmen.

Laut Baier gibt es in Linz bereits kleinere Zusammenschlüsse, die als Vorbild dienen. So etwa die Plattform „Linzlabyrinth“, bei welcher mehrere kreativ-wirtschaftliche Betriebe zusammen online auftreten (alle Einkaufslinks sind rechts zu finden).

In der Steiermark hat im März die Wirtschaftskammer alle Unternehmen aufgerufen, ihre Online-Shops bekannt zu geben. Diese wurden dann auf einer Seite der WK-Homepage gebündelt und mit Suchfunktion nach Branchen und Regionen ausgestattet.

Mittlerweile sind 2.800 steirische Unternehmen dabei: „Das Angebot läuft sehr gut“, hieß es seitens der Wirtschaftskammer. Wie gut, zeigen die Aufrufe: Allein in der ersten Woche gab es 60.000 Zugriffe.

Wie Regionen in der Krise auf lokalen Online-Einkauf setzen

Beim regionalen Online-Handel müssen Lieferservice, Design und Qualität stimmen

Richtiger Zeitpunkt

In Tirol wurde neulich ebenfalls von der Wirtschaftskammer eine Plattform installiert. Bereits 1.600 Unternehmen haben sich registriert. Rund 10.000 Besucher verzeichnet sie täglich.

In Salzburg herrscht mittlerweile hingegen fast ein Wildwuchs: Die breiteste Unterstützung hat wiederum die Plattform der Wirtschaftskammer Salzburg. Für landwirtschaftliche Produkte hat die Landwirtschaftskammer noch eine eigene Plattform.

Dazu gibt es ein weiteres Angebot von der Salzburger Agrarmarketing, das Bauernläden und Ab-Hof-Verkäufer auflistet. Zusätzlich ist der allgemeine Handel separat auf einer Plattform zu finden.

Egal wie, für Teller zählt auf alle Fälle der Versuch: „Es ist sehr wichtig, einen gemeinsamen Marktplatz zu schaffen, um dem starken Wettbewerb gemeinsam besser standhalten zu können“, sagt der Wissenschafter. Zudem sei „Nähe“ derzeit die wichtigste Währung im Handel. „Für regionalen Online-Handel ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt.“

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