Fedor Holz

© Casinos Austria/Philipp Radon

Interview
10/06/2019

Wie ein Wahl-Wiener beim Kartenspiel 30 Millionen Euro gewann

Fedor Holz wurde mit Pokern so reich, dass er nie wieder arbeiten muss. Ein Gespräch über gewinnen - und viel verlieren.

von Dominik Schreiber

Wer gewinnen will, muss verlieren können. Niemand weiß das so wie Fedor Holz. Der 26-Jährige gewann bei Live-Pokerturnieren von Wien bis Las Vegas 30 Millionen Euro. Das "Poker-Wunderkind" hat einen IQ von 155 und begann bereits im Alter von 16 Jahren mit dem Kartenspiel.

Heute hat Holz, der seit Jahren in Wien lebt, soviel Geld gewonnen, dass er nie wieder arbeiten gehen muss. Interviews gibt der smarte Geschäftsmann nur sehr selten und wenn dann für Fachmedien, die ihn gerne als "Pokergott" bezeichnen.

Für den KURIER machte er - am Rande der Eröffnung einer neuen Poker-Lounge in der Wiener Kärntner Straße - eine Ausnahme. Ein Gespräch über Glück, Geld und wie man mir Kartenspielen zum Multimillionär werden kann. Erstmals berichtet der gebürtige Saarbrückner auch darüber, dass er lange Zeit Geld verloren hat.

KURIER: Sie haben Pokerturniere gespielt, die für viele Menschen unvorstellbar sind. Man zahlt eine Million Dollar Eintritt und das Geld kann in einer Sekunde weg sein. Hat man da noch irgendeinen Bezug zu Geld?

Fedor Holz: Klar, die Perspektive verändert sich.  Aber ich habe das Gefühl, dass sie viel gesünder wird. Ich habe durch Poker gelernt, dass Geld keine so große Relevanz hat. Das hat auch dazu geführt, dass es mir nicht mehr so viel Spaß macht. Ich bin jetzt nicht mehr superheiß drauf, Millionen zu machen. Mir ist wichtiger geworden, dass ich etwas mache, das mich erfüllt. Etwas wo ich andere Menschen weiterbringen kann.

Also Geld war nie die Motivation zu pokern?
Das würde ich so nicht sagen. Am Anfang umso mehr. Wobei ich glaube, dass ich so gut geworden bin, weil das nie meine erste Motivation haben. Zuerst war da vor allem ein Freiheitsgedanke da, weil dadurch hatte ich auch Unabhängigkeit. Aber irgendwann war auch der Punkt, wo klar war, dass  ist nicht das, was ich machen will.

Poker ist in Österreich als Glücksspiel eingestuft. Aber Sie sind ja ein Beweis, dass das nicht stimmt. Wie viel Zeit muss man investieren, um auf so einem Level spielen zu können?
Ich würde nicht sagen, dass es kein Glücksspiel ist. Auch die besten Spieler der Welt verlieren über einen langen Zeitraum.  Mein längstes war über zwölf Monate, wo ich noch einer der besten war. Das ist schon sehr belastend teilweise. Weil man dann alles in Frage stellt: Bin ich wirklich so gut wie ich denke? Aber es ist so, dass sich über lange Zeit die Glückskomponente reduziert und sich das ausgleicht. Aber das ist die Herausforderung an dem Spiel, die mich immer gereizt hat.

Wie viel Zeit muss man aufwänden. Das ist ja kein 40-Stunden-Job?
Nein, eher 80 Stunden. Aber ich würde da unterscheiden: Ich habe vielleicht 30 bis 40 Stunden die Woche aktiv gespielt. Aber mein ganzes Leben war Poker. Ich habe mit allen Leuten um mich herum über Poker geredet. Wenn ich aufgestanden bin, war das die erste Sache, an die ich gedacht habe. Und bevor ich ins Bett gegangen bin, war das die letzte Sache, mit der ich mich beschäftigt habe. Es gab kaum etwas in meinem Leben, das nichts mit Poker zu tun hatte.

Gespielt wird von Profis vor allem nachts und an Wochenenden – das sind die großen Turniere, da spielen die Betrunkenen. Hat man da noch ein Privatleben und geht mal ins Kino?
Also jetzt merke ich, dass mein Leben strukturierter ist. Das tut mir in vielerlei Hinsicht gut. Jetzt habe ich einen Kalender, wo zwei drei Wochen im voraus geplant sind. Bei Poker habe ich jeden Tag entschieden, was ich ich jetzt mache. Ich habe zum Beispiel heute entschieden, ich fliege in drei Tagen nach Macau (dort spielen die High-Roller um Millionensummen, Anm.). Und wenn ich Lust auf Kino hatte bin ich ins Kino gegangen. Aber oft hatte ich die Lust, zu spielen. So hat sich der Tag ergeben. Das war schon cool: Ich kann jeden Tag das machen, worauf ich gerade Lust habe.

Sie haben kürzlich in einem Video gesagt, Emotion hat Ihnen das meiste Geld gekostet...
Habe ich das so gesagt? Also wenn, dann habe ich das so gemeint: In den meisten Fällen sind die schlechten Entscheidungen signifikant schlechter als gute Entscheidungen gut sind. Wenn Leute betrunken spielen oder wütend sind, verlieren sie zehnmals so viel – das kostet sie einen ganzen Monat. Wir Deutschen nehmen uns schon die kleinen Fehler so zu Herzen, dass uns die großen erst gar nicht passieren. Bei anderen Spielern habe ich anderes gesehen. Ich würde nicht sagen, dass Emotion nicht gut ist. Ich glaube, Intuition ist eine der wichtigsten Elemente bei Poker. Weil sehr viele Informationen auch unterbewusst verarbeitet werden. Aber Emotion rund um Geld aufzuholen oder sich ungerecht behandelt zu fühlen: Ja, das hat mir am meisten Geld gekostet.

Sie spielen aktuell kaum Poker. Machen Sie eine Pause oder sind Sie schon quasi in Pension?
Nein, ich habe vor drei Jahren entschieden, nicht mehr Vollzeit zu spielen. Ich bin damals von hundert auf fünf Prozent hinunter. Ich spiele nur mehr die größten Turniere (zuletzt eines mit über einer Million Pfund buy-in, Anm.), aber ich habe vor, ganz aufzuhören. Momentan bin ich eher dabei Leute zu coachen und ich habe auch eine Internetseite aufgebaut. Ansonsten habe ich vor drei Jahren begonnen, in Unternehmen zu investieren und ich habe auch selber eines.

Ist der Spaß verlorengegangen?
Ich würde nicht nur sagen, der Spaß. Es ist auch das Gefühl verloren gegangen, das Gefühl des Problemlösens. Ich kann das schwer beschreiben, aber es ist so ein Gefühl von ,Ich entwickle mich weiter’. Spaß ist auch etwas, das dazugehört. Aber es ist dieses Gefühl des Wachsens, das ich gemocht habe. Und irgendwo war ich an dem Punkt, wo ich gesagt habe, ich entwickle mich nicht mehr weiter. Ich kann zwar jetzt aus dem, was ich mache, Geld machen – aber es erfüllt mich nicht mehr in dem Maße wie ich mir das vorgestellt habe.

Sie trinken keinen Alkohol? Beim Spielen nicht und hier bei der Eröffnungsfeier der neuen Wiener Pokerlounge der Casinos Austria trinken Sie auch nur Wasser...
Ich trinke wenig, nur ab und zu. Vielleicht in einer Phase, wo ich nicht ganz zufrieden bin. Ansonsten habe ich eigentlich gar nicht so das große Bedürfnis.

Wenn Sie heute den 16-jährigen Fedor treffen würde. Welche Tipps würden Sie ihm geben und würden Sie ihm raten, professionell Poker zu spielen?
Also jetzt generell nicht. Ich bin dankbar, dass es diese Umgebung für mich gab,wo ich viele Sachen lernen konnte. Aber ich würde niemandem raten, sich in diese Umgebung zu begeben. Man kann alle diese Dinge woanders auch nachhaltiger und gesünder lernen. Es ist nicht sinnvoll in eine Umgebung, die nicht langfristig existieren sollte, viel Energie zu investieren.  Ich glaube nicht, dass Poker so viel länger existieren wird in dieser Form. Das ist auch durch die technische Weiterentwicklung so, dass das Spiel einfach irgendwann gelöst sein wird.

Kürzlich hat ein Computer erstmals mehrere Profis geschlagen...
Das wird noch etwas dauern, bis das in der Form funktioniert. Und es wird auch noch Livespiele geben. Es wird nicht auf einmal verschwinden, aber es wird graduell weniger interessant werden.

Sie haben kürzlich die Seite „Pokercode“ gegründet. Was bekommt man dort für die 1349 Dollar, die man zahlen muss dafür?
Also ich habe früher privates Coaching gegeben, da habe ich so zwischen 2000 und 10.000 Dollar pro Stunde genommen. Die Hauptfrage war immer von den Leuten: Was soll ich lernen? Was soll ich mir anschauen? Wie werde ich besser? Und jetzt haben wir, so glaube ich, den besten Poker-Content geschaffen, wo alle diese grundlegenden Sachen erklärt werden – vom Amateur bis hin zum besten Spieler der Welt kann jeder etwas lernen. Ich habe das gemeinsam mit Matthias Eibinger gemacht, der ist derzeit einer der besten Spieler der Welt.

Man liest bei Ihnen offiziell 32 Millionen Dollar Turniergewinne. Aber es ist ein offenes Geheimnis, das Spieler auch Anteile an sich selbst verkaufen und nicht alles selbst bekommen. Haben Sie mit Poker so viel verdient, das Sie nicht mehr arbeiten müssen?
Ja. Ich muss tatsächlich nicht mehr arbeiten gehen. Aber diese Redewendung ist mir nie durch den Kopf gegangen. Ich habe mir nie gedacht, ich muss das machen, um nicht mehr arbeiten zu gehen. Aber ich finde es spannend, offenbar ist das etwas, das eine große Rolle spielt. Aber ich finde es grauenvoll, nichts mehr zu tun. Ich finde es viel spannender zu sagen: Ich kann mir aussuchen, wo ich meine Energie investiere. Und das habe ich schnell erreicht. Seit ich 50.000 Euroauf dem Konto habe,kann ich mir aussuchen, wo ich lebe, was ich tue, wo ich hinfliege. Deswegen habe ich auch mit Poker aufgehört. Ja, ich kann mehr Geld machen, aber ich habe nicht mehr Freiheit.

Sie haben in Wien eine Firma gegründet und eine Dachterrassenwohnung gekauft. Wollen Sie für immer in Wien bleiben?
Ich würde mich nicht fix festlegen, aber es ist sehr wahrscheinlich. Mir gefällt es hier sehr gut. Ich kann mir aber zwei Dinge vorstellen: Ich kann mir vorstellen, kurzfristig woanders hinzugehen. Weder mit dem Gedanken, ich muss hier weg, noch ich muss woanders hin.  Ich mag den Gedanken noch einmal komplett „Reset“ zu machen und zu gucken, wie ist das,  wenn ich jetzt mal in Buenos Aires bin und vier Monate dort verbringe. Was würde ich dann morgen machen? Würde ich tanzen gehen? Würde ich etwas lernen oder irgendein Projekt aufbauen?  Ich stelle mir oft die Frage: Würde ich die Dinge, die ich jetzt tue, auch tun, wenn ich noch einmal auf Null gehe. Das möchte ich bald machen. Und langfristig sehe ich mich in der Natur, weil es mich jedes Jahr mehr dort hinzieht. Ich möchte mir einen Ort aufbauen, wo ich eine Art Rückzugsort habe.

Natur bedeutet Berge?
Also ich liebe die österreichische Natur. So Richtung Semmering ist einer meiner Lieblingsorte, um Zeit zu verbringen. Oder in den Westen rüber. Ich habe den Ort noch nicht gefunden. Ich suche etwas, am liebsten viele, viele Hektar Erde. Ein bisschen ländlicher und auch um etwas anzubauen. Am besten so ein Bauernhof mit Tieren.

Das ist ein schönes Schlusswort. Danke, für das Gespräch.

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