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Chronik Österreich
02/11/2021

Wie der Zahlenkrieg um die Südafrika-Mutation entstanden ist

Die Zahl der Verdachtsfälle in Tirol wächst weiter. Bund und Land haben mit Zahlen Verwirrung gestiftet.

von Christian Willim

Der nachträglich erste nachgewiesene Fall der südafrikanischen Virusmutation in Tirol geht, wie berichtet, auf einen Abstrich vom 23. Dezember zurück. Die Covid-Variante geht also schon seit gut acht Wochen um.

Mitten in dieser brenzligen Gemengelage sind Bundesregierung und Land Tirol derart aneinandergeraten, dass sie sich nicht einmal mehr auf Zahlen einigen konnten. Und auch wenn beide Seiten nun um Kalmierung bemüht sind: Das Datenchaos geht weiter und stiftet Verwirrung.

Einzigartiger Cluster

Dabei geht es um Details, die alle nichts daran ändern, dass es in und um den Bezirk Schwaz einen in seiner Dimension vorerst in Europa einzigartigen Cluster der südafrikanischen Corona-Mutation B.1.351 gibt.

Wie nachträgliche Auswertungen von PCR-Tests ergeben haben, datiert der erste Fall auf den 23. Dezember zurück. Am Mittwoch gab das Land Tirol bekannt, dass sich die Zahl der seither erkannten Verdachtsfälle – und die bestätigen sich in der Regel – auf 430 erhöht hat.

Was diese letztlich entscheidende Größe betrifft, sind sich Bund und Land einig. Das massive Hickhack am Wochenende zwischen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf der einen Seite und Günther Platter (ÖVP) auf der anderen, drehte sich aber vor allem um die Zahl der bestätigten Fälle.

Mehr oder weniger aktive Fälle

Mit jedem in Sequenzierungen nachgewiesenen Fall, der nach einem PCR-Screening auf Mutationen im Bundesland von den Partnerlaboren der AGES abgeklärt wird, erhöht sich die Zahl der bestätigten und – so die Betroffenen noch in Quarantäne sind – der aktiven Fälle.

Die Bundesregierung kommunizierte am Montag und Dienstag 293 belegte Fälle – „nach Einschätzung der Fachexperten“, wie es hieß. Wie informell bestätigt wird, sind die Quelle dafür die Partner-Labore der AGES, die für diese die Sequenzierungen der Verdachtsfälle machen.

Datenbereinigung bei AGES

Dabei handelt es sich allerdings um anonymisierte Proben. Erst in der AGES werden sie wieder Personen zugeordnet und die Daten epidemiologisch bereinigt – also etwa Mehrfachtestungen eines Infizierten wieder zu einem Fall zusammengeführt.

Von der AGES geht anschließend die Fall-Bestätigung an das Land. Und wird dann dort als nachgewiesener Fall einer südafrikanischen Virusmutation behandelt.

Ein dem KURIER vorliegender Bundesländer-Mutationen-Report der AGES vom Montag – also nach dem Zahlenstreit vom Wochenende – weist für die ersten fünf Kalenderwochen 163 sequenzierte und somit bestätigte B.1.351-Fälle auf.

Nicht öffentlicher Bericht

Die AGES will diesen Bericht, in dem es auch um die Verbreitung der britischen Mutation in Österreich geht, nicht kommentieren, da er „nicht öffentlich“ sei. Das Land Tirol hatte am Wochenende von 165 bestätigten Südafrika-Variationen und 230 Verdachtsfällen – also in Summe 395 – gesprochen.

48 neue Fälle

Den Zahlenstreit will man nicht mehr kommentieren. Fest steht, dass der Südafrika-Cluster, wegen dem Tirol ab Freitag nur noch mit negativem Testergebnis verlassen werden darf, noch nicht im Griff ist.

Laut dem Land gibt es seit 4. Februar 48 neue Verdachtsfälle. Was es vorerst noch nicht gibt, ist eine gemeinsame Zahlenbasis von Bund und Land.

Aber die AGES hat am Mittwochabend nun erstmals einen für die Öffentlichkeit bestimmten und aktualisierten Überblick über die Varianten-Verbreitung in Österreich veröffentlicht. Und der bestätigt die Tiroler Darstellung.

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