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Chronik Österreich
03/27/2022

Dieses Wetter wirbelt Staub auf

Der März ist viel zu trocken. Schon in den Frühlingen zuvor gab es zu wenig Niederschlag. Ist das ein Ausblick auf das künftige Klima?

von Katharina Salzer

Wer durch die Wiese geht, sieht es. Die Schuhe werden staubig und nicht feucht. Es ist zu trocken, viel zu trocken. Nicht erst in diesem März. Bereits in den vergangenen Jahren blieb im März und auch im April einiges an Niederschlag aus (siehe Grafik unten). „Wir befinden uns in einer Trockendekade“, erklärt Klimaforscher Klaus Haslinger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Aber warum?

Der Grund ist noch nicht ganz klar. Auf der einen Seite stehen langfristige Schwankungen. Dürreperioden gab es immer wieder einmal: Zum Beispiel in den 1940er-Jahren. Auf der anderen steht der Klimawandel. Die Änderung falle mit der markanten Erwärmung in Österreich und Europa zusammen, sagt Haslinger. Es zeige sich ein Zusammenhang zwischen der Intensivierung von Dürreperioden und dem Klimawandel. Höhere Temperaturen bedeuten eine höherer Verdunstung. Höhere Temperaturen führen auch dazu, dass sich die Vegetationsperiode ausdehnt. Die Pflanzen entziehen dem Boden über einem längeren Zeitraum Wasser.

Starkwind

Bei den Erklärungsmodellen, warum die Wetterlagen extremer werden, taucht immer wieder das Wort „Jetstream“ auf. Wenn sich dieses Starkwindband rund um die Erde abschwächt, bleiben Hitze, Regen oder Kälte längere Zeit an einem Ort, weil das Band zu mäandern beginnt. Ob der Jetstream durch den Klimawandel schwächer wird? Das lässt sich (noch) nicht sagen. Denn wie sich höhere Temperaturen auf Luft- und Meeresströmungen auswirken, ist unsicher. Der Beobachtungszeitraum ist zu kurz.

Fest steht für Österreich: Durchschnittlich regnete es im März in den vergangenen 40 Jahre 70 Millimeter, bis Freitag waren es nur 4 Millimeter. Der März könnte der trockenste Monat in Österreich der vergangenen 60 Jahre werden.

Die sogenannte Omega-Lage hat zuletzt die Trockenheit begünstigt. So nennt man ein nahezu ortsfestes Hochdruckgebiet (siehe Grafik). Solch eine Wetterlage sei äußerst stabil und kann daher über mehrere Tage oder sogar Wochen anhalten. erklärt Nikolas Zimmermann von der Ubimet. „Wenn das Hoch über Europa liegt, unterbricht diese Konstellation die Zufuhr an feuchter, gemäßigter Atlantik-Luft und sorgt oft für lang anhaltende Dürreperioden.“ Was aber passiert im Bereich der beiden Tiefs? Hier herrsche durchgehend unbeständiges Wetter wie etwa in Teilen Spaniens sowie in der Türkei/Ägäis. Vor allem in der Türkei war der März bisher deutlich kühler als üblich.

Prognose

Damit sich die Lage in Österreich normalisiert, brauche es einen nassen April – im Idealfall mit 100 bis 130 Liter pro m² Regen im Flachland und 130 bis 200 Liter in den Nordalpen. „Natürlich nicht alles auf einmal, sondern aufgeteilt auf mehrere Niederschlagsereignisse“, sagt Zimmermann. In der kommenden Woche wird es in Österreich den ersehnten Regen geben. Er könnte den März-Trockenheitsrekord noch verhindern.

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