Sturmschäden in Wiener Neustadt

© /FF Wiener Neustadt

Windspitzen bis zu 161 km/h: Stürmischer Wochenbeginn
11/30/2015

Windspitzen bis zu 161 km/h: Stürmischer Wochenbeginn

Abgedeckte Häuser, umgestürzte Lkw: Besonders im Osten Österreichs sind Sturmschäden zu beklagen.

Mit Böen von über 160 km/h ist ein Sturm vor allem in der Nacht auf Montag über Österreich hinweggebraust. Verantwortlich dafür waren ein Hoch in der spanischen Biskaya sowie ein Tief über Finnland, die in Mitteleuropa aufeinander trafen. Betroffen hierzulande waren vor allem der Alpennordrand, der Donauraum, Wien und das südliche Wiener Becken. Die Feuerwehren standen regional im Dauereinsatz.

161,6 km/h wurden von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik am Feuerkogel gemessen, dennoch mussten die Feuerwehren inOberösterreich nur 20 mal ausrücken. Ganz anders die Situation inNiederösterreich wo am Montag 56 Feuerwehren mit 700 Mann ausrückten. 270 Sturmeinsätze waren bis in die Mittagsstunden zu bewältigen, teilte Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos, mit. Die Hotspots im Bundesland lagen im Süden.

Die FF Wiener Neustadt meldete 45 Einsätze in der Stadt selbst und insgesamt 69 im Bezirk. Der Sturm habe einigen Schaden hinterlassen. So wurde auf dem Flugfeld Ost ein Kleinflugzeug von der Parkposition in die Luft gewirbelt. Es touchierte das Dach des Verwaltungsgebäudes und kam verkehrt in der Zufahrt zu liegen. Die Maschine wurde von der Feuerwehr niedergezurrt, weil ein Aufstellen wegen des Sturms zunächst nicht möglich gewesen wäre. Zudem musste die FF Wiener Neustadt auch einer Mutter zu Hilfe eilen, die von ihrem Kind auf dem Balkon ausgesperrt worden war. Die Einsatzkräfte rückten an und öffneten von außen die gekippte Balkontür.

Von mehreren Häusern wurden lose Dachteile gemeldet. Aufgrund der hohen Windspitzen (fast 130 km/h) war der Feuerwehr zufolge an einen Einsatz mit Hubrettungsgeräten nicht zu denken. Die betroffenen Bereiche - etwa bei einer Tankstelle im Stadtgebiet - wurden großräumig abgesperrt. 75 Haushalte in der Stadt blieben vorübergehend ohne Strom, weil ein Baum in eine Leitung gestürzt war.

In Mödling wurde nach Angaben des Bezirksfeuerwehrkommandos ein sechsstöckiges Wohnhaus "zur Hälfte" abgedeckt. Das etwa 300 Quadratmeter große Blechdach wurde vom Dachstuhl gerissen. Dadurch wurde ein Kindergarten beschädigt. Teile landeten zudem in einem nahen Park und auf der Straße. Verletzt wurde niemand, bis zum Vormittag wurden im Bezirk Mödling etwa 50 sturmbedingte Einsätze gezählt.

Der Asfinag zufolge sorgten die Witterungsverhältnisse auch für erhebliche Probleme im Montag-Frühverkehr rund um Wien. Auf der Südautobahn (A2) seien drei Lkw umgekippt. In Richtung Süden war zwischen dem Industriezentrum Süd und dem Knoten Guntramsdorf vorübergehend nur eine Fahrspur frei. Im Großraum Wien wurde Tempo 80 für die Strecke verfügt. Die elektronischen Überkopfanzeiger warnten vor starkem Seitenwind.

Gumpoldskirchen (Bezirk Mödling) war laut Resperger vorübergehend ohne Strom. Zudem war die Pottendorfer Linie zwischen Achau und Münchendorf unterbrochen. Umgestürzte Bäume hatten die Oberleitung beschädigt. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet, teilten die ÖBB mit.

Von Sonntag früh bis Montagmittag rückte die Feuerwehr inWien zu rund 450 Einsätzen aus, von denen zwei Drittel bis drei Viertel auf das Wetter zurückzuführen waren, berichtete Sprecher Christian Feiler. Kritisch war jener an der Adresse Triester Straße-Hardtmuthgasse, wo sich die Verankerungen eines Baugerüsts teilweise gelöst hatten, wodurch es sich gefährlich in Richtung Straße geneigt hatte. "Wir kamen gerade noch rechtzeitig." Das Gerüst wurde mit einem sogenannten Greifzug wieder in Position gebracht und gesichert. In der Metternichgasse in Landstraße hatte sich ein ca. 200 Quadratmeter hohes Blechdach gelöst und musste wieder befestigt werden.

Der Sturm in der Nacht auf Montag hat nach EVN-Angaben dafür gesorgt, dass die Leistungsspitze der Windenergie in Niederösterreich erstmals bei über einem Gigawatt (1.000 Megawatt) lag. Bei einer durchschnittlichen Netzlast von 1.200 Megawatt könne in solchen Zeiten beinahe der gesamte Stromverbrauch des Bundeslandes allein durch Windkraft abgedeckt werden.

Windspitzen der vergangenen Nacht:

Spitzenböen

Ort (Bundesland, Seehöhe)

161 km/h

Feuerkogel (OÖ)

130 km/h

Wiener Neustadt (NÖ, 285 m)

126 km/h

Wien/Unterlaa (W, 201 m)

122 km/h

Jauerling (NÖ, 952 m)

111 km/h

Wien/Jubiläumswarte (W, 449 m)

104 km/h

Wien/Hohe Warte (W, 198 m)

101 km/h

Wien/Innere Stadt (W, 171 m)

101 km/h

Retz (NÖ, 320 m)

97 km/h

Gumpoldskirchen (NÖ, 218 m)

94 km/h

Feldkirchen/Mattighofen (OÖ, 462 m)

Weitere Bilder der Sturmschäden:

Verantwortlich für die derzeitige Wettersituation sind laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ein Hoch in der spanischen Biskaya sowie ein Tief über Finnland. Beide drehen sich gegengleich, treffen in Mitteleuropa aufeinander und bescheren uns hier die hohen Windgeschwindigkeiten. Besonders betroffen von dieser Entwicklung ist der Alpennordrand, der Donaubereich, Wien und das südliche Wiener Becken. Verschont werden hingegen großteils bereits der Seewinkel im Süden und das nördliche Wein- und Waldviertel. Der Wienerwald hat übrigens einen verstärkenden Effekt, was die Bundeshauptstadt zu spüren bekommt.

Sturm dauert an

Noch kann keine Entwarnung gegeben werden, denn die heftigen Stürme werden sich erst Dienstagnachmittag beruhigen. "Der Wind lässt zwar tagsüber ein wenig nach, mit Böen zwischen 70 und 80 km/h muss man aber weiterhin rechnen“, sagt Lukas. So werde der Wind in der Nacht auf Dienstag neuerlich zulegen und speziell in der zweiten Nachthälfte sowie am Dienstagvormittag muss man speziell in Wien und Teilen Niederösterreichs wieder mit schweren Sturmböen von bis zu 100 km/h rechnen. Im südlichen Wiener Becken sind sogar wieder Orkanböen zu befürchten“, warnt der Meteorologe. Eine nachhaltige Wetterberuhigung stellt sich erst in der Nacht auf Mittwoch bzw. am Mittwoch tagsüber ein. Die Temperaturen heute: 5 bis 15 Grad.

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Lawinengefahr wieder gestiegen

Die milde Witterung, Regen und ein anhaltend starker bis stürmischer Wind haben die Lawinengefahr in Vorarlberg wieder ansteigen lassen. Am Montag bestand in höheren Lagen erhebliche Lawinengefahr der Stufe 3 auf der fünfstufigen Gefahrenskala. Laut Prognose der Landeswarnzentrale dürfte sich daran vorerst nichts ändern.

Als Gefahrenstellen nannte Andreas Pecl vom Lawinenwarndienst kammnahe Steilgelände sowie mit Schnee eingewehte Rinnen und Mulden. Vor allem in Regionen oberhalb von 1.800 Metern müsse man auf Triebschnee achten. Mit weiterem Wind würden die Triebschneeansammlungen im Tagesverlauf an Größe und Umfang zunehmen. Bereits ein einzelner Wintersportler könnte dort eine Lawine auslösen, warnte Pecl.

Weitere Gefahrenstellen befinden sich laut Lawinenwarndienst in nordexponiertem Gelände oberhalb von 2.000 Metern, wo zuvor bereits eine zusammenhängende Schneedecke war. Vor allem an den Übergängen von wenig zu viel Schnee könnten dort mit einer großen Zusatzbelastung Schneebrettlawinen abgehen.

Wie soll man sich bei starken Böen verhalten?

Laut ARBÖ ist es wichtig, das Lenkrad mit beiden Händen festzuhalten. Nicht unterschätzen dürfe man die Kraft des Sturms bei Überholmanövern, auf Brücken oder am Ende von Lärmschutzwänden, da hierbei das Fahrzeug plötzlich vom Seitenwind erfasst wird und leicht verrissen werden kann.

Deshalb wäre ausreichender Abstand zum Vordermann und zum überholenden Fahrzeug einrechnen. Die zu transportierende Ladung auf Anhängern sei richtig zu sichern, sowie auf Hindernisse auf der Straße zu achten.

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