Chronik | Österreich
11.01.2019

Wer die Gewinner und Verlierer des Schneechaos sind

Für den Tourismus hat das Winterwetter positive wie negative Folgen. Thermen profitieren, Wildtiere leiden.

„Wir freuen uns über den vielen Schnee“, sagt Veronika Scheffer, Geschäftsführerin der Bergbahnen Zauchensee und Obfrau der Salzburger Seilbahnwirtschaft. Andere leiden allerdings inzwischen unter dem nicht enden wollenden Schneefall. Der KURIER hat sich angesehen, wer die Gewinner und wer die Verlierer der aktuellen Wetterlage sind.

Plus: Skigebiete „Wir haben gute Bedingungen“, sagt Scheffer. Viele Bergbahnen können ihren Gästen traumhafte Bilder und beste Bedingungen bieten. Der Betrieb bis in die Osterferien ist für viele Skigebiete – auch in mittleren Lagen – gesichert. Dazu sparen sich die Wintersport-Zentren für die restliche Saison die Beschneiungskosten. Gewinner sind auch die kleinen Skigebiete im lawinensicheren Flachland in Niederösterreich. Die Liftbetreiber im Waldviertler Skidorf Kirchbach berichten von vielen Tagesgästen und ausgebuchten Skikursen. Auch in Karlstift und Harmanschlag spricht man von den besten Pistenbedingungen seit Langem.
 

Plus: Skischulen „Der viele Schnee ist positiv“, sagt Peter Walchhofer von der Weltmeister-Skischule in Altenmarkt-Zauchensee. Gerade jetzt sei es aufgrund der Bedingungen auch für geübte Skifahrer sinnvoll, einen Skilehrer mitzunehmen, erklärt Walchhofer.

Plus: Skiurlauber „Es ist ein Traumwetter“, sagt Herbert Buchmann aus Wien, aktuell in Zauchensee auf Urlaub, zum KURIER. „Der Schnee stört mich auch in diesen Mengen nicht.“

Plus: Online-Shops Das unfreundliche Wetter beschert dem Einkauf von der Wohnzimmercouch aus einen kleinen Boom. „Wir bemerken, dass unsere Kunden bei Schnee, Regen oder großer Hitze mehr auf unseren Online-Shop zugreifen und wir ein höheres Bestellaufkommen in gewissen Gebieten haben“, sagt Paul Pöttinger, Sprecher des Rewe-Konzerns.

Plus: Thermen „Wir haben gerade unter der Woche sehr viele kurzfristige Buchungen dazu bekommen“, sagt Melanie Frank, Direktorin der Therme Rogner in Bad Blumau. Sie schätzt den Zuwachs aufgrund von kurzfristig vom Ski- auf Thermenurlaub umdisponierenden Gästen auf fünf Prozent.

Minus: Skigebiete Mehrere Skigebiete haben geschlossen, in vielen sind zumindest einzelne Pisten nicht geöffnet. Dazu bleiben aufgrund der Verkehrssituation auch in geöffneten Wintersport-Zentren viele Tagesgäste aus. Im abgeschnittenen Obertauern sind aktuell nur knapp die Hälfte der Skilifte in Betrieb. „Die Liftbetreiber und Skihütten haben heuer sicher einen Verlust“, sagt Petra Nocker-Schwarzenbacher, Tourismussprecherin der Wirtschaftskammer.

Minus: Pistenpersonal „Es heißt nur fahren, fahren, fahren“, sagt Josef Tuschek, Pistenraupenfahrer in Zauchensee. Für ihn und seine Kollegen bedeutet die aktuelle Wetterlage eine Sisyphusarbeit. Frühmorgens müssen die bereits am Vorabend präparierten Pisten neuerlich bearbeitet werden.

Minus: Bauwirtschaft Auf zahlreichen Baustellen heißt es aufgrund des Schnees aktuell: Nichts geht mehr. Die Baufirmen und Bauarbeiter sind in weiten Teilen des Landes auf den Außenbaustellen zum Nichtstun verurteilt.

Minus: Wildtiere Die Tiere erreichen in den tief verschneiten Gebieten die Futterplätze nicht mehr. Roman Huber, Jäger aus Göstling, sorgt sich wegen der außergewöhnlichen Situation sehr um die Tiere: „Die großen Schneemengen sind innerhalb so kurzer Zeit gekommen, dass sich das Wild nicht darauf einstellen konnte.“