Chronik | Österreich
22.10.2017

Wenn Uncle Sam ins Gasthaus geht

Die Brüder Klaus und Albert Rainer bieten altösterreichisches Flair mitten in Kalifornien.

Es könnte gut und gerne ein Alt-Wiener Vorstadtgasthaus sein. Mit einem Wirt, der ein Faible für Franz Joseph und alpenländische Folklore hat. Doch vor dem " Leopold’s" klappern keine Fiaker vorbei. Auf der Straße rattern die Cable Cars und in der Ferne spiegelt sich das Rot der Golden Gate Bridge in den glitzernden Ausläufern des Pazifischen Ozeans.

Der Hausherr besteht jedoch darauf, dass wir uns hier in einem waschechten "Gasthaus" befinden. Klaus Rainer hat sein "Leopold’s" 2010 eröffnet – mitten im kalifornischen San Francisco serviert er seitdem Wiener Schnitzel, Schweinsbraten, Käsespätzle und Linzer Torte.

Gemeinsam mit seinem Bruder Albert hat Klaus Rainer in den 1980er-Jahren den drittgrößten Bundesstaat der USA zu seiner Wahlheimat gemacht. Die Geschwister stammen ursprünglich aus Tamsweg im Salzburger Lungau. Heute sind sie erfolgreiche Gastronomen in einer der faszinierendsten Städte der Welt. "Nachdem wir mehrere Jahre in San Francisco Restaurants betrieben hatten, wurde uns immer wieder die Frage gestellt, weshalb es keine österreichischen Restaurants in San Francisco gibt", erzählt Klaus Rainer dem KURIER. "Also haben wir uns 2010 entschieden, ein nach unseren Vorstellungen und Erinnerungen geschaffenes, uriges und gemütliches Gasthaus zu eröffnen." Entgegen aller Ratschläge, wie er betont: "Das Essen sei zu deftig, junge Leute hier würden kein Bier trinken, deutsch-österreichische Küche sei aus der Mode wurde uns gesagt."

Durchgezogen haben es die Brüder trotzdem. Mit Erfolg: Große Gruppen junger Menschen aus aller Welt, die sich stolz mit ihren Stiegl-Bierkrügen und Schnitzeltellern für Instagram und Facebook ablichten lassen, strafen alle Zweifler Lügen.

Flohmärkte

Aber wie kam Klaus Rainer in den USA zu den unzähligen österreichischen Deko-Objekten, die dem Lokal ein charmant-überladenes Flair verleihen? "Wir haben in Österreich auf Flohmärkten nach alten Bildern aus der K.u.K-Zeit gesucht, nahmen Bilder unserer Großeltern, Rehgeweihe, Gamskopf, alte Bierschilder, und anderes als Wanddekoration. Außerdem fanden wir einen Tischler aus München, der für uns die Bänke und Tische gezaubert hat." So sei es gelungen, der Bevölkerung von San Francisco ein gemütliches Wirtshaus zu präsentieren. "Die größte Überraschung war, dass es vor allem von jungen Leuten mit Begeisterung aufgenommen wurde, da sie keine " Gasthaus"-Erfahrung hatten. Für diese Generation ist unser Gasthaus wirklich etwas Besonderes." Leute mit österreichischer oder deutscher Abstammung kommen gern, und auch viele Österreicher auf USA-Reise finden ins Leopold’s.

"Bei der Speisekarte sind wir dementsprechend sehr traditionell geblieben: das Schnitzel mit Butterschmalz, Gulasch – eine gut bürgerliche Küche, wie man in Österreich sagt, die auch von den Einwohnern von San Francisco sehr geschätzt wird."

Dass die Gäste von den Kellnerinnen im Dirndl bewirtet werden, kommt ebenfalls sehr gut an. Dass die dazu mitunter Cowboy-Stiefel kombinieren, sorgt für den richtigen Mix. Genau wie der Moment, wenn man aus dem gemütlichen Lokal auf die Straße tritt und plötzlich auf der Polk Street in der Gegend des berühmten Russian Hill steht und schlagartig merkt, wie weit weg man eigentlich von daheim ist. Mitunter läuft man genau dann auch in ganze Menschentrauben, die auf einen Tisch im " Leopold’s" warten.

Das Motto „treffen, trinken, essen“ prangt groß auf den Speisekarten im Leopold’s. Statt bloß mit Burgern und Hotdogs können die Gäste ihren Hunger mit Roasted Chicken Breast „Jäger Art“ oder Paprika Beef Goulash (jeweils $ 21,95, ca. 18,50 €), außerdem Käsespätzle („Austrian Mac&Cheese“) um $ 19.25 (ca. 16,30 €) und Wiener Schnitzel um $21.75 (ca. 18,40 €) stillen. Zum Nachtisch locken Apfelstrudel mit Vanillesoße oder Linzer Torte (je $ 7,95, ca. 6,70 €). Weine und Biere kommen aus Österreich. Öffnungszeiten: Mo bis Sa 17.30 bis 22 h, So 17.30 bis 21.30 h. Kontakt: www.leopoldssf.com