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Chronik Österreich
03/08/2020

Wenn Politiker um ihr Leben fürchten

Zwei Bürgermeister berichten über ihre traumatischen Erfahrungen mit Morddrohungen

von Marlene Penz

Norbert Hendler, Bürgermeister im Niederösterreichischen Harmannsdorf, sagte erst im Februar vor Gericht aus. Der Grund: Er erhielt im vergangenen Herbst Morddrohungen von einer 78-jährigen Bürgerin seiner Gemeinde.

„In den vergangenen zehn Jahren bekam ich immer wieder Briefe mit Beschimpfungen von dieser Familie. Sie wanderten in eine eigene Schublade im Gemeindeamt. Aber als dann ein Brief mit dem Inhalt ,Wenn Sie nicht zurücktreten, erleben Sie die Pension nicht mehr‘ gekommen ist, bin ich zur Polizei gegangen“, erzählt er gegenüber dem KURIER.

Warum er nicht schon davor Anzeige erstattet hat? – „Als Bürgermeister ist man ständig mit Beschimpfungen konfrontiert – mündlich oder schriftlich – das ist eben so. Aber eine Morddrohung ist etwas anderes.“ Zurückzutreten, wie von der Drohschreiberin gefordert, kam für ihn nicht in Frage. Aber „natürlich ist einem da unwohl und man ist besorgt“.

Obwohl Drohungen nach wie vor Ausnahmen seien, stellt Bürgermeister Hendler fest, dass das politische Klima rauer geworden sei in den vergangenen dreißig Jahren. „Scheinbar darf man einen Bürgermeister pausenlos beschimpfen“, sagt er und ortet einen moralischen und ethischen Verfall in der politischen Kultur, auch zwischen Politikern.

Evakuierung

Dass man als Bürgermeister mit Anfeindungen leben muss, bestätigt auch Erich Kessler, Ortschef von Arnoldstein (Bezirk Villach-Land). „Das kann jeder Bürgermeister in ganz Österreich bestätigen, das weiß man, wenn man so ein Amt angeht.“

Mit dem, was ihm im Vorjahr als Ortschef widerfahren ist, konnte er allerdings nicht rechnen. Sieben Bombendrohungen gegen das Gemeindeamt gingen bei ihm ein. Ein damals Unbekannter forderte den Rücktritt Kesslers und seiner beiden Vizebürgermeister. Fünfmal musste das Amt evakuiert werden. „Dabei ging es nicht nur um uns drei, rund 100 Personen im und um das Gebäude waren gefährdet“, erzählt er.

Damit aber nicht genug: Der Bombendroher, der im Jänner zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, hatte dem Bürgermeister auch gedroht, ihn auf offener Straße zu töten und seiner Familie etwas anzutun. „Das war wirklich sehr dramatisch. Plötzlich wurden da meine Frau, meine Kinder und Enkelkinder hineingezogen. Es wäre schrecklich gewesen, wenn ihnen etwas passiert wäre.“ Die Lebensqualität sei in diesen Monaten enorm eingeschränkt gewesen, erzählt er über die Zeit damals. „Jedes Paket, jeder Brief hat Unwohlsein ausgelöst.“

Nahe am Menschen

Am allerschlimmsten findet er aber, dass er alledem scheinbar zufällig ausgesetzt war, es gab keine Verbindung zum Täter: „Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen, der Mann ist nicht einmal aus der Gemeinde. Er ist ein fanatischer ÖVP-Anhänger und nur weil wir SPÖ-Politiker sind, waren wir seinem Hass ausgesetzt.“

Zum Leben eines Bürgermeisters gehöre es, dass es immer jemanden gebe, egal wie gewissenhaft man Entscheidungen treffe und wie beliebt man sei, der unzufrieden ist. In seiner Amtszeit erhielt Kessler immer wieder einmal anonyme Beschimpfungen oder Briefe. In den Schreiben hätten sich Bürgerinnen und Bürger über Entscheidungen, die in der Gemeinde getroffen wurden, empört.

Das sei noch schlimmer, als wenn man den Absender kennt, schildert der Bürgermeister. Denn dann könne man sich nicht mit der betreffenden Person „darüber unterhalten, was nicht passt“.

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