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Chronik Österreich
03/08/2020

Politiker im Visier: Tote Mäuse und giftige Pralinen

Aufgrund ihrer Nähe zur Bevölkerung sind Bürgermeister immer häufiger Gewalt ausgesetzt

von Marlene Penz

Beschimpfungen und Drohungen stehen für heimische Politiker auf der Tagesordnung. Vor allem die Anonymität im Netz lässt manche Personen Grenzen überschreiten und ihren Hass unkontrolliert absondern.

Dieser trifft aber nicht nur Bundespolitiker, wie etwa jüngst die grüne Justizministerin Alma Zadic, die einen Tag nach ihrer Angelobung wegen Anfeindungen und Hasspostings unter Polizeischutz gestellt werden musste. Auch Politiker auf kommunaler Ebene sehen sich zunehmend mit Hass konfrontiert.

Das geht unter anderem aus der vom Österreichischen Gemeindebund durchgeführten Bürgermeister-Studie 2019 hervor. Rund 60 Prozent der Teilnehmer sagen, dass sie sich stärker rechtfertigen müssten. Für über ein Drittel sind dafür Drohungen, Beschimpfungen und Verleumdungen ausschlaggebend. Bei einer vom Magazin Kommunal durchgeführten Umfrage geben rund 42 Prozent der Gemeinden an, dass sie Erfahrungen mit Einschüchterungsversuchen, Übergriffen, Drohbriefen und Hass-eMails haben. Dabei reicht das Spektrum von Beschmierungen des Gartenzauns bis hin zu tätlichen Angriffen, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Fohnsdorf, Stmk.

Im November 2003 wurde auf Bürgermeister Johann Straner geschossen. Er wurde dabei lebensgefährlich verletzt, überlebte das Attentat aber.

Spitz/Donau, NÖ

Im Februar 2008 erhielt Bürgermeister Hannes Hirtzberger eine Schachtel Pralinen mit einer Grußkarte, auf der stand; „Du bist für mich etwas ganz Besonderes“. Die Süßigkeiten waren mit Strychnin vergiftet. Hirzberger überlebte, ist aber seither ein schwerer Pflegefall.

Weißkirchen/Traun, OÖ

Im März 2008 wurden Säureattentate in Weißkirchen an der Traun verübt. Diesmal richtete sich die Gewalt nicht gegen den Bürgermeister, sondern gegen drei Gemeindemandatare. Sie erhielten per Post Pakete mit einer ätzenden Flüssigkeit.

Ansfelden, OÖ

Im Februar 2010 fand Bürgermeister Walter Erhard zwei tote Mäuse samt Beschimpfungsschreiben in seiner Post. Zwei Monate danach beging Erhard Suizid – ob in Zusammenhang mit der Sendung, ist nicht bekannt.

Hainburg, NÖ

Im August 2010 wurde bekannt, dass der Bürgermeister von Hainburg jahrelang mit Vandalismus und Beschimpfungen zu kämpfen hatte. Unter anderem wurden die Reifen seines Autos 25 Mal aufgestochen.

Albrechtsberg, NÖ

Im September 2010 wurden die Autoreifen des Ortschefs gelockert.

Rüstorf, OÖ

Zwei Jahre lang erhielt Bürgermeisterin Pauline Sterrer Morddrohungen. Im September 2010 fand sie vor ihrer Bürotür eine Praline, als sie das Gemeindeamt verlassen wollte.

Eidenberg, OÖ

Im Jänner 2011, rund ein Jahr, nachdem der Bürgermeister von Ansfelden die toten Mäuse in seiner Post vorfand, erhielt der Ortschef von Eidenberg, Adolf Hinterhölzl, einen toten Nager in einer Beileidskarte.

Müllendorf, Bgld.

2011 fand Bürgermeister Werner Huf eine Praline im Postkasten. Verunsichert durch den Fall Hirzberger alarmierte er die Polizei. Die Praline war aber nicht vergiftet.

Randegg, NÖ

Im Dezember 2014 erhielt Bürgermeisterin Claudia Fuchslugger nach der ORF-Gerichtssendung „Am Schauplatz“ Morddrohungen.

Wiener Neustadt, NÖ

2016 drohte ein Mann Bürgermeisterstellvertreter Michael Schnedlitz damit, sein Haus niederzubrennen.

Dimbach, OÖ

2017 wurde der Bürgermeister von einem Mann angegriffen. Der zu Hilfe eilende Amtsleiter wurde mit einem Messer schwer verletzt.

Zellerndorf, NÖ

Im Jänner 2019 ließ der Bürgermeister das Gemeindeamt schließen. Er erhielt Drohungen gegen seine Person und Mitarbeiter.

Harmannsdorf, NÖ

2019 erhielt Bürgermeister Norbert Hendler zwei Morddrohungen per Post.

Arnoldstein, Ktn.

2019 wurde das Gemeindeamt fünf Mal wegen Bombendrohungen geräumt. Ein Mann forderte den Rücktritt von Bürgermeister Erich Kessler und seinen Stellvertretern. Außerdem wurden Kessler und seine Familie mit dem Tod bedroht.

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