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Chronik Österreich
05/27/2021

Wem gehören Österreichs Seen?

Kärntens Seen sind nun offiziell per Verfassung geschützt. Doch wie frei ist der Sprung ins kühle Nass überhaupt noch möglich?

von Anja Kröll

Ein Sieg, oder eine Alibi-Aktion? Am Kärntner Seenvolksbegehren scheiden sich die Geister. Am Donnerstag hat der Kärntner Landtag in Form einer Staatszielbestimmung den Schutz der Kärntner Seen einstimmig in der Landesverfassung verankert. Damit werden, verkürzt ausgedrückt, die letzten freien Plätze am Wasser der Kärntner Seen vor der Verbauung durch Betonburgen und Privatverkäufen geschützt. Die Frage, die sich nun viele stellen: Welche freien Plätze?

Wie die Rechercheplattform Addendum bereits im Jahr 2019 aufzeigte, sind die Uferflächen an Kärntens Seen so gut wie komplett verbaut.

Neun Prozent des Wörthersees sind öffentlich zugänglich

Beispiel Wörthersee: Hier sind gerade noch neun Prozent der Fläche öffentlich zugänglich, 82 Prozent befinden sich in Privatbesitz, neun Prozent fallen unter das Stichwort Natur. „Die Kritik, die wir immer hören, ist, dass wir 50 Jahre zu spät dran sind mit unseren Forderungen“, sagt der 47-jährige Gerhard Godescha, der gemeinsam mit Walter Polesnik das Seenvolksbegehren ins Leben gerufen hat. Für die beiden Kärntner ist das, was am Donnerstag im Landtag entschieden wurde, zweifelsohne ein Erfolg: Zwei Privatpersonen haben es geschafft, dass zum ersten Mal seit 32 Jahren ein Volksbegehren in Kärnten ins Leben gerufen wurde. Fünf Jahre kämpften die Männer

Gemeindeautonomie

Ein Wermutstropfen bleibt. Auch mit dem Schutz der Seen in der Landesverfassung dürfen die Gemeinden nach wie vor selbst über den Verkauf von Seegrundstücken entscheiden. Der Kompromiss: Sollte eine Gemeinde einen Verkauf beabsichtigen, ist das Land der erste Ansprechpartner. Geld für etwaige Käufe soll durch die Motorbootabgabe zur Verfügung stehen (2,3 Millionen Euro jährlich), die dafür zweckgebunden wird.

Doch wem gehören Österreichs Seen überhaupt? Von den 24 Seen, die größer als 100 Hektar sind, befinden sich elf im Besitz der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), darunter die drei größten (rein österreichischen) Seen: Attersee, Traunsee und – seit 2001 – auch der Wörthersee. Die flächenmäßig größten Seen, Bodensee und Neusiedler See (nicht nur auf österreichischem Staatsgebiet), sind in privater Hand. Damit gehören dem Bund 73 Prozent der heimischen Gesamt-Seefläche im Land.

Besitzer Bundesforste

„Aber Seeufergrundstücke befinden sich nur sehr wenige in Besitz der Bundesforste“, erklärt Sprecherin Andrea Kaltenegger. Den Bundesforsten würde die sogenannte Seewanne gehören, also der Grund des Sees und um bildlich zu sprechen, der Badewannenrand. Also einige Meter Rund um den See. „Die meisten der Seeufergrundstücke sind an Gemeinden verpachtet“, erklärt Kaltenegger. In Zahlen liest sich dies wie folgt: Insgesamt gibt es 42 öffentliche, frei und kostenlos zugängliche Badeplätze an den Bundesforsteseen. Der wohl berühmteste See Österreichs in Privatbesitz ist der Mondsee. Seine Besitzerin Nicolette Waechter erbte das Gewässer, das Kaiser Napoleon einst ihren Vorfahren im 18. Jahrhundert geschenkt hatte. Irgendwann hatte Waechter genug von der Vergabe von Fischereilizenzen, von der Besichtigung jedes einzelnen neuen Steges und von dem Ärger mit Lokalpolitikern. Sie wollte verkaufen, daraus wurde aber nichts.

Ob ein See öffentlich oder privat ist, macht für den Besucher übrigens einen gewaltigen Unterschied: Bei öffentlichen Gewässern umfasst die Benutzung den sogenannten „großen Gemeingebrauch“, der das „Tränken, Schöpfen, Waschen, Baden, Tauchen und die Benutzung der Eisdecke“ einschließt. So geht es aus dem Wasserrecht des 19. Jahrhunderts hervor.

Bei den privaten Seen beschränkt sich der „kleine Gemeingebrauch„ auf das Tränken und Schöpfen. Heißt konkret: Einzäunen und somit die Bevölkerung komplett aussperren darf also auch ein privater Besitzer seinen See nicht.

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