Weg von Drasenhofen: „Endlich nicht mehr eingesperrt“

Weg von Drasenhofen: „Endlich nicht mehr eingesperrt“
Die Jugendlichen aus dem „Straflager“ haben neues Quartier in St. Gabriel bezogen

Freitag am späten Abend haben die acht Afghanen und ein irakischer Jugendlicher ihre Zimmer im Flüchtlingsheim St. Gabriel in Maria Enzersdorf (NÖ) bezogen. „Endlich sind wir nicht mehr eingesperrt, hat einer der Burschen zur Begrüßung zu mir gesagt“, erklärt der Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien, Klaus Schwertner. Der Satz sei auf Deutsch gefallen.

Weg von Drasenhofen: „Endlich nicht mehr eingesperrt“

Raum für Jugendliche in St. Gabriel

Eine Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge steht derzeit im Fokus der Asylpolitik. Um etwa 25 „auffällige und straffällig gewordene“ Jugendliche von den anderen zu isolieren, hat der zuständige nö. Landesrat Gottfried Waldhäusl ( FPÖ) vor wenigen Tagen ein Sonderquartier in Drasenhofen an der tschechischen Grenze aufgesperrt – mit Stacheldraht und Wachhunden gesichert. Damit hat er nicht nur eine Welle der Empörung ausgelöst, sondern auch die Kinder- und Jugendanwaltschaft auf den Plan gerufen. Nachdem das Quartier als gänzlich ungeeignet bewertet wurde, hat Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ein Machtwort gesprochen und die Räumung angeordnet.

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Erster Tag in der Flüchtlingsunterkunft St. Gabriel

Rückendeckung

Von den ursprünglich 18 minderjährigen Asylwerbern waren allerdings nur noch neun in Drasenhofen. Dass der Rest untergetaucht ist, ist für die schwer kritisierte FPÖ – die sich geschlossen hinter ihren Landesrat stellt – eine Bestätigung ihres Kurses. „Wäre das Quartier, das in den sozialen Medien bereits zynisch als ‚Alcatrazenhofen‘ bezeichnet wird, wie behauptet ein Gefängnis, dann wäre das Untertauchen wohl ein Anlass zu höchster Besorgnis“, sagt FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker. Laut FPÖ wurden die Jugendlichen nicht ohne Grund von den anderen 250 getrennt. „Während andere versuchen, sich zu integrieren, haben diese 25 entschieden, sich mit Suchtgifthandel, Gewalt und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit die Zeit zu vertreiben“, sagt Hafenecker.

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Eine Betreuerin und Klaus Schwertner von der Caritas mit einem neuen Bewohner

Diese angebliche Gefährlichkeit können Klaus und das Betreuerteam in St. Gabriel nicht erkennen. „Das Bild, welches hier gezeichnet wird, ist einfach falsch. Das sind keine Schwerverbrecher“, sagt Schwertner. Waldhäusls Aussagen, wonach einer der Jugendlichen sogar eine Krankenschwester „halb tot geprügelt“ haben soll, bezeichnet Schwertner als lächerlich. „Der Jugendliche war schwer alkoholisiert und beim Gerangel mit einer Krankenschwester hat sich diese den Finger gebrochen. Der Vorfall tut ihm extrem leid. Er entschuldigt sich dafür“, erklärt Schwertner.

Bis spät in die Nacht habe man mit den Jugendlichen Pizza gegessen und vor allem diskutiert. „Wir haben ihnen erklärt, dass es klare Regeln und eine Hausordnung gibt, an die sie sich zu halten haben. Aber sie sind nicht eingesperrt“, sagt der Caritas-Sprecher. Ausgestellt wurde ein Bescheid zur Betreuung von 18 Jugendlichen. Man gehe davon aus, dass die Untergetauchten bald zurückkommen.

Indes wächst auch der politische Druck auf Waldhäusl. Am Dienstag wird sich der nö. Landtag mit der Affäre befassen. Die Sozialistische Jugend hat davor zu einer Demo aufgerufen und eine Online-Petition gegen den Landesrat hat bereits Tausende Unterstützer.

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