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Experiment
05/29/2021

29 Tage mit 29 Dingen: Wenn weniger mehr bringt

Mario Neuwirth hat im Mai minimalistisch gelebt

von Marlene Penz

Nach 29 Tagen mit nur 29 Dingen freut sich Mario Neuwirth aus Petzenkirchen (Bezirk Melk, NÖ) auf eines am Meisten: „Laut Musik hören in meinen eigenen vier Wänden“, sagt der 29-Jährige nach seinem Selbstversuch. Deshalb ist das 30. Stück, das seit heute seine Besitztümer ergänzt, eine Musikbox, die er mit seinem Smartphone verbinden kann. Jeden Tag kommt nun ein weiteres Ding hinzu, bis es 100 sind. „Damit möchte ich die nächsten paar Jahre leben“, erzählt er. Obwohl er auch mit 29 Dingen auskommen würde, um die „Grundbedürfnisse zu decken“, wie er im Mai festgestellt hat.

Ein paar mehr sind aber schon praktisch – zum Beispiel Unterhosen und Socken. „Wenn ich spät von der Arbeit nach Hause gekommen bin, dann noch die Wäsche auszuwaschen, das war schon mühsam“, so Neuwirth, der als Tierpfleger in einer tiergestützten Pädagogikeinrichtung für Jugendliche arbeitet. Derzeit macht er eine Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater und möchte Entschleunigungs- und Ausmist-Coachings anbieten. Vor drei Jahren hat er schon einmal stark ausgemistet und ist von einer 130 Quadratmeter Wohnung in einen 27 Quadratmeter großen Container gezogen. Dazwischen hat der Niederösterreicher ein paar Monate in einem „Zimmer gelebt, das so groß war, wie jetzt mein Schlafzimmer“, als er dann in sein Container-„Tinyhouse“ mit 60 Quadratmetern Garten gezogen ist, wurde er „größenwahnsinnig“. Er hat wieder Besitz angehäuft – knapp 700 Dinge, wie er nun festgestellt hat.

Geburtagsvorsatz

Zu seinem 29. Geburtstag im Februar hat er beschlossen, dass er in seinem Leben etwas ändern muss, da er nicht zufrieden war.

„Ich habe den deutschen Film ,100 Dinge’ gesehen und der hat mich inspiriert“, erläutert Neuwirth. Dann hat er begonnen eine Liste zu machen und sie immer weiter reduziert, „von 100 auf 50, dann auf 30 “ und weil er 29 Jahre alt geworden ist bei seinem Beschluss, hat er dann noch eines gestrichen. „Jetzt geht es mir wieder gut“, zieht er Bilanz. Durch die neugewonnene Zeit habe er zur Ruhe gefunden, viele Bücher angehört, eine Morgenroutine entwickelt und meditiert.

Seine ursprüngliche Liste würde er aber dennoch ändern: „Ein Notizbuch würde ich nicht mehr brauchen, das geht auch am Smartphone.“ Ersetzen würde er es zum Beispiel durch einen Sessel. Dafür hat er aber die Multifunktionalität vieler Sachen erkannt – seine Tasse ist etwa Trinkbecher und Müslischüssel zugleich und: „Das beste ist Kernseife. Damit wasche ich mich, den Boden und das Geschirr“, so Neuwirth. Extra Spülmittel steht jetzt nicht mehr auf seiner Liste mit den 100 Dingen. „Die steht schon fest, alles andere habe ich verschenkt“, sagt der Tierfreund.

Die Tiere hätten ihn bei seinem Projekt bestärkt: „Sie brauchen nichts, um zufrieden zu sein, sind im Hier und Jetzt.“ Ein Hund etwa suche sich einen Unterschlupf und gehe auf die Jagd – theoretisch. Alle Dinge rundherum, wie Leine, Futternapf und Co. seien menschengemacht. „Und bei uns selbst ist es genauso. Wir glauben, immer mehr Dinge für ein gutes Leben zu brauchen“, dass aber weniger oft mehr ist, hat Neuwirth nun für sich entdeckt. Eine eigene Liste hat auch sein Hund Corso – zwar nicht mit 29, aber mit fünf Dingen.

Die 29 Dinge


Staubsauger
Badetuch
Je zwei T-Shirts, Unterhosen und Paar Socken
Je eine Hose und Jacke
Topf
Waschmittel
Handy und Ladekabel (zählt als eins)
Bett
Bettzeug  und Überzug (zählt als eins)
Notizbuch und Stift (zählt als eins)
Schuhe
Rucksack
Zahnbürste und Zahnpasta (zählt als eins)
Spültuch
Kernseife
Gürtel
Auto
Tasse
Zigaretten
Feuerzeug
Messer
Löffel
Geldbörse

 

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