© Kurier / Franz Gruber

Reportage
08/18/2021

Was hält die Bevölkerung vom neuen "Klimaticket Now"?

Der KURIER hat sich auf stark frequentierten Bahnhöfen umgehört, wie das Klimaticket bei jenen ankommt, die es kaufen und nutzen sollen.

Von Edgar Subak und Veronika Ebner

Nun liegen sie endlich auf dem Tisch. Konkrete Pläne für das Klimaticket Now (vormals 1-2-3-Klimaticket) von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne). Das Ticket soll für die Bundesländer Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Tirol und Vorarlberg sowie österreichweiten Bahnverkehr ab 26.Oktober gelten. Die öffentlichen Verkehrsmittel der Ostregion (Wien, Niederösterreich und Burgenland) werden zum jetzigen Stand nicht im Klimaticket einbezogen.

Der KURIER besuchte stark frequentierte Bahnhöfe Wiens und fragte Passanten nach ihrer Meinung zum Ticket.

"Macht derzeit wenig Sinn"

Um die Mittagszeit strömten etliche Menschen die Treppen der Heiligenstädter U-Bahn-Stationen hinunter und den Ausgängen entgegen. Vor dem Karl-Marx-Hof sitzen verstreut Jung und Alt, warten auf den Bus, zünden sich eine Zigarette an oder telefonieren. Und was ist jetzt mit diesem neuen Klimaticket, mit dem man für einen Pauschalbetrag ein Jahr lang mit allen Zügen und öffentlichen Verkehrsmittel in Österreich (die Ostregion exklusive) nutzen kann?

Eine Pensionistin aus Wien sagt: "Ich halte es für eine gute Idee und hoffe, dass sehr viele darauf umsteigen. Für mich macht das derzeit aber wenig Sinn. Ich fahre oft nach Niederösterreich raus, weil ich dort, wo ich hinfahre, keinen öffentlichen Verkehrsanschluss habe. Darum hat es für mich leider keinen Sinn." Sie stellt aber klar: "Das Auto verwende ich in Wien nicht. Die Öffis passen hier."

Eine jüngere Perspektive gibt eine Studentin, die zwischen Wien und Niederösterreich pendelt. "Für Studierende, die in Niederösterreich leben, ist das Klimaticket eine Option. Es wäre echt cool, wenn Wien und alle Bundesländer mitmachen würden, weil die Semesterkarte so schon extrem teuer ist. Zwischen Klosterneuburg und Wien kann man etwa nur mit der ÖBB fahren. Es wäre schön, wenn es kostengünstige Lösungen gäbe, die uns da helfen können und uns unter die Arme greifen". Ob sie sich das Klimaticket kaufen wird? "Ich müsste mich genauer informieren. Wenn das Angebot gut ist, auf jeden Fall schon."

Am Bahnhof Handelskai herrscht wie in Heiligenstadt reges Treiben. Ein Herr im mittleren Alter begrüßt einheitlichere Lösungen für öffentliche Verkehrsmittel. "Ich finde das gut. Dann muss man nicht mit den Tickets herumhantieren. Für den Preis (knapp 1.000 Euro, Anm. Red.) ist das natürlich sehr angenehm. Man versucht ja auch manchmal einfach hinauskommen aus Wien. Für ein paar Tage oder Stunden. Da könnte man sich schon vorstellen, öfters hinauszufahren."

In Wien Landstraße ist ein junger Mann mit dem Preis nicht ganz einverstanden. "Grundsätzlich finde ich die Idee super gut. Ich fahr sehr gerne Öffis. Ich hab Verwandtschaft in Innsbruck und in Kärnten. Das heißt ich bin das ganze Jahr mit dem Zug unterwegs. Dass ich jährlich auf über Tausend Euro komme, ist sehr selten. Für mich wäre die dritte Variante weniger interessant. Aber das 1- oder 2-Ticket jedenfalls."

"Nur für Vorarlberger interessant"

Eine Mutter zweier Kinder, die in Heiligenstadt auf einen Bus wartet, hält das Ticket eher für Vorarlberger interessant. "Die Umsetzung finde ich problematisch. Die Zonenregelung ist gar nicht so schlecht, wie sie jetzt gestaltet ist. Die Vorarlberger haben vielleicht etwas vom neuen Ticket. Wenn ich hauptsächlich zwischen Wien und Niederösterreich hin- und herfahre, habe ich mit dem Klimaticket eventuell einen Nachteil. Das weiß ich nicht. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien sind ja noch nicht dabei."

Die Resonanz des Klimatickets war grundsätzlich gut. Einige wissen aber auch noch nicht so genau, wie das Klimaticket funktionieren wird und wer dann zum Start wirklich dabei ist.

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