Omar Khir Alanam lebt mit seinem Sohn in Graz

© Privat

Chronik Österreich
09/07/2020

Warum ein Araber über "Bio“ herzlich lachen muss

"Sisi, Sex und Semmelknödel": Ein Syrer ergründete die österreichische Seele, die er nach seiner Flucht lieben gelernt hat.

von Elisabeth Holzer

Omar Khir Alanam hat sich an das Leben in Österreich angepasst: Er kauft Kichererbsen in der Dose. Und nicht mehr offene, die über Nacht eingeweicht werden müssten. „Ich passe mich dem rasenden Rhythmus des Alltags an“, sagt Khir Alanam und nimmt sich selbst auf den Arm. Skifahren kann der 29-Jährige längst und überhaupt sei er „eh schon mehr Steirer und ein waschechter Austro-Arab-Hybrid“ ein Österreicher nach Gefühl, wenn auch ohne Staatsbürgerschaft.

Khir Alanam wurde in der Nähe von Damaskus geboren. Ende 2014 kam der Syrer nach Österreich, auf dem für ihn einzig möglichen Weg, mit einem Schlepper. Seither lebt er in Graz. Als die sogenannte Flüchtlingswelle 2015 einsetzte, half er in Spielfeld und übersetzte. Mit jenen paar Deutschkenntnissen, die er sich durchs Lernen auf YouTube angeeignet hatte.

Helfen in Spielfeld

„Ich wollte helfen“, sagt Khir Alanam, auch wenn er mit dem steirischen Dialekt der Ehrenamtlichen an der Grenze so seine Probleme hatte. „Außer Jo hab’ ich nichts verstanden.“ Sein Sohn Naël wird sich da leichter tun: „Er wächst dreisprachig auf. Seine Mutter spricht mit ihm steirisch, ich arabisch und gemeinsam reden wir Deutsch.“

Feiner Humor zieht sich durch Gespräche mit Khir Alanam, ebenso wie durch seine Bücher. Sein jüngstes Werk heißt „Sisi, Sex und Semmelknödel“, sein drittes Buch, das er auf Deutsch verfasst hat. „Das war mir wichtig. Ich lebe hier, ich will auf Deutsch schreiben.“

Ein Dessert als Hauptgang?

Khir Alanam beschreibt die Eindrücke, die er vom Alltag in Österreich hat. Der Untertitel ist bezeichnend: „Ein Araber ergründet die österreichische Seele“. Dabei nimmt er die österreichischen Speisesitten („Kaiserschmarren? Seid ihr verrückt geworden? Ein Nachtisch als Hauptgericht?“) ebenso auf die Schaufel wie Bürokratie oder den Trend zu Bio-Produkten.

„Ein Araber beginnt bei ,bio’ zu lachen“, klärt der 29-Jährige auf. „Bio war und ist in Syrien ein Stück des täglichen Lebens.“ In Syrien verwendeten die Bauern kein chemisches Düngemittel oder Kraftfutter für „Monsterschafe oder Turboziegen“, beteuert Khir Alanam. Deshalb müsste man sich nicht erst extra nach einem Bio-Landwirt umschauen.

Ein Papier für jeden Job

Und von wegen Bürokratie: „In Österreich brauchst du ein Papier auch für fast jede Art von Job. Du machst den Job, weil man dir auf einem Blatt Papier gesagt hast, dass du ihn machen kannst“, schreibt Alanam und muss sich doch etwas wundern über Maturazeugnis, FH-Studienabschluss, Lehrabschlussbrief. „In Syrien läuft es so. Du machst etwas, weil du es kannst. Und aus. Ober du lässt es bleiben, weil du es nicht kannst.“

Khir Alanam ist ein fröhlicher Mensch. Daran haben auch Flucht und anfängliches Fremdsein in Österreich nichts geändert. Die Zeit im Flüchtlingsheim war nicht fein, erinnert er sich. „Aber ich kann jammern, bis ich 100 Jahre bin, das ändert nichts.“

Lernen und aktiv werden

Er habe die Blase „Österreicher da, Ausländer dort“ verlassen wollen und von sich aus Deutsch gelernt. „Dann bin ich hinaus und habe Menschen nach dem Weg gefragt.“ Das habe zwar Überwindung gekostet, aber: „Ich habe mir gesagt, mich kennt hier eh keiner. Und wenn mich jemand verarscht -  wurscht.“ Lernen und aktiv werden, rät er auch anderen. „Ich kann nicht erwarten, dass jemand einen ersten Schritt auf mich zumacht, wenn ich ihn nicht gehe.“

Das Buch ist im Verlag „edition a“ erschienen und seit Samstag  um 22  Euro im Handel erhältlich.

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