© Kurier/Christandl Jürg

Chronik Österreich
11/05/2021

Warum die Erde in Österreich heuer viel öfter bebte

Statt 50 spürbare Erdbeben waren es heuer wesentlich mehr. Woran dies liegt, erklärt Seismologe Wolfgang Lenhardt.

von Anja Kröll

Als ob ein Schwerlaster mitten durchs Wohnzimmer gefahren wäre. So habe es sich angefühlt, was Dienstagabend im kärntnerischen Mallnitz wahrzunehmen war. Mit einer Magnitude von 2,8 bebte die Erde – und das nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. Insgesamt 14 Erdbeben wurden in Kärnten alleine 2021 verzeichnet. Zum Vergleich: 2020 waren es zehn. Normalerweise bebt die Erde in Kärnten jährlich zwei bis drei Mal.

Österreichweite Häufung

Dass Erdbeben häufiger werden, gilt nicht nur für den Süden Österreichs. „Dieses Jahr haben wir österreichweit mehr Erdbeben verzeichnet als normalerweise“, erklärt Wolfgang Lenhardt, Leiter der Abteilung Geophysik der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Rund 2.000 Erdbeben werden in der Alpenrepublik jährlich registriert, gute 50 erreichen dabei eine solche Stärke, dass sie von der Bevölkerung wahrgenommen werden. Wie viele Erschütterungen mehr es heuer genau waren, wird Ende des Jahres feststehen, wenn die Zahlen der Statistik vorliegen.

Gründe für die Zunahme sieht Lenhardt vor allem in zwei Faktoren: „Einerseits ist die Bevölkerung sensibler und meldet mehr Erdbeben, andererseits werden seit 30 Jahren immer mehr Bebenstationen errichtet, die sogar extrem kleine Beben mit negativen Magnituden detektieren“, erzählt der Leiter. Als Magnitude bezeichnen Wissenschaftler jene Messgröße, mit der die Stärke von Erdbeben gemessen wird.

Vorreiter Tirol

50 der Bebenstationen gibt es in ganz Österreich. Vorreiter des Messnetzes war übrigens Tirol. Hier wurden zwischen 1989 und 1991 vier digitale Erdbebenstationen mit Hilfe der Tiroler Landesregierung errichtet. Daran schloss sich dann der landesweite Ausbau des Messnetzes an.

Generell gilt: Kommt es zu stärkeren Beben, führen diese zu Nachbeben, und „davon können einige dann auch stärker ausfallen“. Wie in Kärnten etwa: Hier erklären Seismologen die Zunahme der Beben im heurigen Jahr auch mit dem Umstand des schweren Erdbebens in Kroatien vom 29. Dezember 2020 mit einer Magnitude von 6,4. Seitdem stehe die Erde unter Spannung.

Instabile Bruchzonen

„Aber das hat nichts damit zu tun, dass die Alpen stärker komprimieren. Es gibt einige Bruchzonen, diese sind instabil, bewegen und passen sich an. Dann heben sich die Alpen wieder ein Stück, aber das passiert alles im unteren Millimeter-Bereich. Und dann ist wieder Ruhe“, schildert Lenhardt.

Das heftigste Beben, das in der Alpenrepublik jemals gemessen wurde, ereignete sich übrigens im Jahr 1590 vor der Haustüre von Wien in Ried am Riederberg – mit einer Magnitude von 5,9. Als Erdbebenhotspots in Österreich gelten übrigens das Wiener Becken, Schwadorf, Seebenstein, das Mürz- und das Inntal.

Klimawandel und Beben

„Wenn es zu einem heftigen Erdbeben kommt, sagen die Leute: Das hat es noch nie gegeben. Gemeint ist damit, in ihrem Leben“, sagt Lenhardt und erinnert sich an das Seebenstein-Beben 1972, das er selbst miterlebt hat, und das als letztes starkes Erdbeben in Wien und Niederösterreich gilt.

Ob es einen Trend gibt, den Seismologen beobachten? „Gegen alle Trumpschen Theorien: Nein. Erdbeben haben auch nichts mit dem Klimawandel zu tun.“

Eines hat Lenhardt, der seit zehn Jahren die Geophysik leitet, beobachtet: „An Dienstzeiten halten sich Erdbeben nicht. 75 Prozent finden außerhalb statt.“

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