Hitzewelle rollt an: Wie groß ist jetzt die Waldbrandgefahr in Österreich?
Der Waldbrand in Hirschwang an der Rax (Bezirk Neunkirchen) im Oktober 2021 bleibt unvergessen. Damals standen mehr als 100 Hektar Wald in Flammen.
Europa ächzt unter der Hitze – besonders verheerend ist die Lage im Südwesten Frankreichs. Im Département Gironde brannte bislang eine Fläche von der vierfachen Größe der Hauptstadt Paris ab. 167.000 Menschen mussten sich in Sicherheit bringen. Innenminister Laurent Nuñez erklärte, das Land habe noch nie zuvor Brände in diesem Ausmaß erlebt. Auch in Spanien mussten rund 70.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. In den beiden EU-Ländern mussten aufgrund der Feuer insgesamt rund 270.000 Menschen ihre Häuser verlassen.
Doch wie sieht es hierzulande mit der Waldbrandgefahr aus?
„Es ist alles trocken, in vielen Regionen fehlt der Niederschlag. Bedingt durch die Hitzewelle steigt die Gefahr, am Wochenende besonders im Osten, im Weinviertel und im Burgenland. Da braucht es nicht viel, damit es brennt“, sagt Peter Wölflingseder vom österreichischen Wetterdienst Ubimet gegenüber dem KURIER. „Solange kein Regen fällt, bleibt die Lage angespannt.“
Wie entstehen Waldbrände?
Die Voraussetzungen für Waldbrände seien derzeit gegeben, sagt der Experte. Die Kombination aus Trockenheit und Hitze sei nahezu ideal. Es reiche bereits eine unachtsam weggeworfene Zigarette aus, um Brände in Wäldern und Landschaften auszulösen.
Vorsätzliche Brandstiftung sei eine häufige Ursache. Trockenes Gras entzünde sich selbst bei extremer Sonneneinstrahlung nicht von selbst. Natürliche Waldbrände durch Blitzeinschläge seien in Österreich hingegen selten.
Rund 80 Prozent aller Brände in Österreich gehen direkt oder indirekt auf menschlichen Einfluss zurück. Weltweit sind es rund 95 Prozent.
Die Waldbrandverordnung vom 21. Mai 2026 bleibt daher weiterhin aufrecht. Verboten sind das Rauchen, das Hantieren mit offenem Feuer und Licht sowie das Entzünden von Feuer im Wald und dessen Gefährdungsbereich. Dabei handelt es sich um jenen Bereich, in dem ein Übergreifen eines Bodenfeuers oder Funkenflugs auf den benachbarten Wald nicht ausgeschlossen werden kann.
Seit 8. Mai gilt in Wien außerdem ein Grillverbot auf öffentlichen Grillplätzen. Das Grillen im privaten Bereich ist weiterhin erlaubt. Laut einer Aussendung von Anfang Mai gilt die Bestimmung bis auf Weiteres und wird erst nach einer nachhaltigen Entspannung der Wettersituation wieder aufgehoben.
Hitzewelle steht bevor
Zu Beginn der Woche zeigt sich das Wetter noch unbeständig. Ab der Wochenmitte steigen die Temperaturen auf 28 bis 36 Grad, am Freitag werden bis zu 39 Grad erwartet. Da Regen derzeit nicht in Sicht ist, erhöht sich die Waldbrandgefahr vor allem im Osten, im Weinviertel, im Burgenland, im Donauraum und in der Oststeiermark.
„Am Wochenende soll es noch heißer werden. Ob es nächste Woche Entspannung geben wird, ist noch unklar, da derzeit zwei Wettermodelle unterschiedliche Entwicklungen zeigen“, sagt Wölflingseder.
Aktuell - Stand 27. Juli - gebe es in Österreich keine aktiven Waldbrände.
Droht Gefahr in Österreich durch Rauch aus Spanien und Frankreich?
Von Waldbränden betroffen ist Österreich aktuell dennoch, wenn auch indirekt. Der Rauch der Waldbrände in Spanien und Frankreich hat am Sonntag auch Österreich erreicht. Derzeit bestehe dadurch jedoch keine Gefahr für die österreichische Bevölkerung.
„Die Belastung müsste in tiefere Luftschichten durchdringen“, erklärt der Ubimet-Experte. Waldbrände müssten sich in der Nähe Österreichs ereignen, um eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung darzustellen.
Wo gab es in Österreich in den letzten fünf Jahren Waldbrände?
In Österreich besteht fast die Hälfte der Staatsfläche aus Wald. Das entspricht einer Fläche von rund vier Millionen Hektar. In den vergangenen Jahren kam es in allen Bundesländern zu Waldbränden, besonders häufig in der Steiermark, in Niederösterreich, Kärnten und Tirol.
Unvergessen bleibt der Waldbrand in Hirschwang an der Rax (Bezirk Neunkirchen) im Oktober 2021. Mehr als 100 Hektar Wald standen damals in Flammen. Erst nach 13 Tagen konnte der Brand gelöscht werden. Rund 9.000 Einsatzkräfte waren vor Ort, der entstandene Schaden belief sich auf knapp 30 Millionen Euro. Der Verursacher des Brandes konnte bislang nicht ausgeforscht werden.
Die Zahl der Brandereignisse in Österreich schwankt pro Jahr zwischen 150 und 300. Die meisten dokumentierten Waldbrände der vergangenen Jahre waren eher klein, Großbrände blieben vereinzelt.
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