© APA/HELMUT FOHRINGER

Chronik Österreich
04/24/2020

Vorwurf an Behörden: Schwachstellen bei der Verfolgung des Virus

Tests und Informationen landen oftmals nicht bei Infizierten oder Kontaktpersonen. Dadurch bleiben Infektionsherde bestehen.

von Kevin Kada, Birgit Seiser

Die Zahlen der Corona-Infizierten sinken in Österreich stetig. Maßnahmen, wie die Verfolgung der Überträger, tragen dazu bei. Dennoch gibt es weiterhin täglich mindestens 50 Neuinfektionen. Doch wie ist das möglich, wenn die Infizierten in Quarantäne sind und ihre Kontaktpersonen informiert werden? Die Antwort auf diese Frage ist relativ simpel: Die Kapazitäten der Mediziner scheinen am Limit zu sein.

Fragebogen für positive Fälle

Schon als die ersten Covid-19-Fälle in Tirol bekannt wurden, lief die Suche nach den Kontaktpersonen an. Mittlerweile haben Epidemiologen der AGES einen Fragebogen entwickelt. Er wird an positiv Getestete ausgegeben und soll den Weg des Virus verfolgen. Das funktioniert aber nur bedingt, wie ein Beispiel, das dem KURIER bekannt wurde, zeigt.

Der Mitbewohner einer jungen Frau, die in Wien im Sozialbereich arbeitet, zeigte Symptome. Eine Woche später kam sein positives Testergebnis. Zu diesem Zeitpunkt hatte auch die Frau bereits Erkältungssymptome.

Während ihr die zuständige MA 15 sagte, dass sie sich testen lassen solle, meinte man am 1450-Telefon, dass sie noch kein Fieber habe und ein Test nicht notwendig sei. Nur durch vehementes Nachfragen wurde auch sie getestet – positiv. Obwohl sie also schon seit einer Woche Kontaktperson ersten Grades war und Symptome gezeigt hatte, wurde die Frau eine Woche lang weder dazu aufgefordert zu Hause zu bleiben, noch wurden ihre Kontaktpersonen informiert. Das hatte nur deshalb keine Folgen, weil sie sich freiwillig isoliert hatte.

Keine Informationen

Fakt ist, dass alle Kontaktpersonen ersten Grades (also unmittelbar Betroffene) eines Patienten informiert werden und sich dann in Selbstisolation begeben müssen. Diese Kontaktpersonen müssen den Fragebogen der AGES aber nicht ausfüllen. Haben sie trotz asymptomatischer Krankheitsverläufe also andere angesteckt, erfahren diese Personen also gar nichts davon – das Virus wandert also von Wirt zu Wirt. Und so kommen dann auch die Fälle der Infizierten zustande, die tagtäglich in den Statistiken neu hinzukommen.

Hilfe der Polizei

Dass es aber sehr wohl die Möglichkeit gäbe, Kontaktpersonen schnell und vor allem effizient ausfindig zu machen, zeigt die Arbeit der Polizei. In Oberösterreich wurden die Beamten als Unterstützung von der Landessanitätsdirektion hinzugezogen.

In den Bezirkshauptmannschaften Perg und Urfahr-Umgebung, zwei der größten Corona-Hotspots in Oberösterreich, verrichtete je ein Beamter seinen Dienst und übernahm die Ausforschung der Kontaktpersonen. 29 positive Fälle wurden bearbeitet und daraus ergaben sich 850 Kontakte. Diese Personen wurden von weiteren 30 Polizisten des oberösterreichischen Landeskriminalamtes (LKA) im Schichtdienst kontaktiert. Wie das LKA betont, hat die Polizei allerdings keinerlei Daten der Personen behalten, sondern lediglich die Ergebnisse zurück an die Bezirkshauptmannschaften geliefert.

Diese Möglichkeit der Unterstützung der Polizei hat allerdings nicht jedes Bundesland genutzt.B. Seiser, K. Kada

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.