Testkit

© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Österreich
11/05/2021

Vorbereitung auf Ausweitung des PCR-Systems läuft in den Ländern

Tiroler Kapazitäten nur zu einem Viertel ausgelastet. Oberösterreich baut massiv aus.

Mit Stufe zwei des Corona-Maßnahmenplans der Regierung gelten spätestens ab Montag selbst durchgeführte Antigentests ("Wohnzimmertests") nicht mehr als 3G-Nachweis. Und schon demnächst könnten auch gleich die Voraussetzungen für Stufe drei erfüllt sein, dann verlieren alle Antigentests ihre Gültigkeit und es gilt 2,5G (geimpft, genesen, PCR-getestet). Die Länder treffen Maßnahmen für ein großflächiges PCR-Testangebot, die APA hat den Status in einem Rundruf erhoben.

In Tirol ist man für eine höhere Nachfrage an PCR-Tests gewappnet, versicherte Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP) gegenüber der APA. Derzeit seien die möglichen Laborkapazitäten für die Auswertung nur zu 25 Prozent ausgelastet. Leja betonte, dass die bereits vorhandene PCR-Testinfrastruktur in Screeningstraßen und Apotheken aufgestockt werde. Dies geschehe durch die künftige Umstellung der Antigenteststraßen auf PCR-Tests und die zusätzliche Implementierung von Selbsttest-Systemen in Form von PCR-Gurgeltests. Noch im November sollen 200 PCR-Selbsttestboxen aufgestellt werden, hat es jüngst geheißen.

Start in Salzburg holprig

In Salzburg sind erst seit wenigen Tagen kostenlose PCR-Gurgeltests im großen Stil erhältlich. Seit 27. Oktober kümmert sich das Eugendorfer Labor Novogenia im Auftrag des Landes um die Abwicklung der Tests - von der Belieferung der Ausgabestellen über die Abholung bis hin zur Auswertung der Proben. Aufseiten des Landes wurde zuletzt stets betont, dass die Test- und Laborkapazitäten und das Netz der Aus- und Abgabestellen groß genug seien. Dennoch verlief der Start von "Salzburg Gurgelt" holprig. Immer wieder waren Test-Kits vergriffen, Probanden mussten mitunter deutlich länger auf das Ergebnis warten als die angekündigten 20 bis 24 Stunden.

Durch die Anlaufschwierigkeiten war die Landesregierung gezwungen, das erst am Dienstag angekündigte Maßnahmenpaket mit 2,5G-Pflicht in vielen Bereichen des Lebens und am Arbeitsplatz ab 8. November vorerst zu verschieben. Bei Novogenia sprach man von Einzelfällen, das System müsse sich erst einspielen. Zugleich habe es Engpässe bei Zulieferern gegeben - und Probleme beim Klebstoff für die QR-Codes, die an den Proberöhrchen gepickt werden. Das Land hatte auch mehrfach erklärt, dass offenbar "Hamsterer" viele Tests horten würden. Von den ersten rund 70.000 ausgegebenen 10er-Packungen ist im Schnitt bisher nur von jeder fünften eine Probe beim Labor angekommen.

Pilotprojekt

In Oberösterreich wird ab kommender Woche das Angebot an PCR-Tests massiv ausgebaut. 235.000 Gurgeltests pro Woche sollen zur Verfügung stehen. 100.000 davon kommen vom Land, 75.000 können an den 30 Teststationen des Landes durchgeführt werden sowie 60.000 im Rahmen des seit Sommer laufenden Pilotprojektes "Alles gurgelt" in Linz und den Bezirken Vöcklabruck und Gmunden.

Die Tests können laut Krisenstab des Landes im Endausbau in insgesamt 127 Spar- sowie in Linz und den beiden Bezirken auch in Bipa-Filialen gratis bezogen werden. Vorgesehen sind 267 Abgabestellen bei Spar und Billa (Linz und Bezirke Vöcklabruck und Gmunden). In einigen Wochen werde die Kooperation nur mehr mit Spar erfolgen.

Zugang für manche fast unmöglich

In einem Rundruf der APA beklagten Vorarlberger Apotheker ein großes Informationsdefizit in der Bevölkerung bezüglich des Ablaufs der nun auf PCR-Gurgeltests umgestellten Teststrategie. "Viele Leute wissen nicht, dass sie sich vorher online registrieren lassen müssen, bei der Abholung macht das nur 20 Minuten offene Zeitfenster großen Ärger. Da geht momentan viel Zeit mit Erklären drauf", hieß es etwa in einer Feldkircher Apotheke. Für viele Ältere oder Personen mit schlechten Deutschkenntnissen sei der Zugang zu Tests fast unmöglich geworden. Zudem gebe es keine Informationen des Landes zum Umgang mit Grenzgängern oder ausländischen Staatsbürgern.

"Man hat das mit null Vorlaufzeit umgestellt. Der Ärger bei vielen Kunden ist enorm, niemand kennt sich mehr aus", berichtete ein Bregenzer Apotheker. Er hoffe, dass die Lieferkette bezüglich der Testkits aufrecht bleibe, denn die Nachfrage sei groß. Derzeit herrschte in allen befragten Apotheken kein Mangel an PCR-Tests, auch seitens des Landes hieß es, es gebe "momentan genügend Testkits". Diese könnten bald auch über den stationären Handel abgegeben werden, die Vorbereitungen für eine Kooperation liefen. Die Laborkapazitäten seien darauf abgestimmt, dass sämtliche Antigen-Wohnzimmertests (ca. 60.000 pro Woche) über PCR abgewickelt werden könnten. Nach drei Tagen könne man noch kein Fazit ziehen, die Abläufe funktionierten aber generell, so das Land, auf die Kritik angesprochen. Es brauche einige Zeit, bis das System bekannter sei. "Wir sind zuversichtlich, dass sich das rasch herumspricht und gut angenommen wird", so ein Sprecher.

Auswertung zweimal am Tag

Im Burgenland sind seit 1. Oktober PCR-Gurgeltests für zuhause in Spar-Märkten erhältlich und vor wenigen Tagen wurden auch Apotheken und Krankenhäuser in das "Gurgeln daheim"-Konzept integriert. Die Tests werden zweimal täglich zur Auswertung im Labor abgeholt. In den Spitälern wurden im Eingangsbereich Boxen abgestellt, womit die Tests rund um die Uhr abgegeben werden können. Die Abholung erfolgt Montag bis Samstag.

In Niederösterreich werden PCR-Tests in rund 170 Apotheken, davon in 70 bis 100 auch samstags, bei etwa 180 Ärzten und seit Anfang November in mehreren Spar-Filialen angeboten. Verfügbarkeit in den Supermärkten besteht laut Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ), "solange der Vorrat reicht". Außer Betrieb genommen werden hingegen die PCR-Testautomaten, die im September gestartet sind. Nur rund 30 Prozent der entnommenen Gurgeltests wurden nach Angaben des Landes abgegeben, 170.000 bis 180.000 müssten noch im Umlauf sein. Diese können bis 15. November an den Automatenstandorten und danach in teilnehmenden Spar-Filialen abgegeben werden.

Acht Stück im Monat

In der Steiermark wird das Angebot zum PCR-Test über die Teststraßen des Landes, die Apotheken und die Supermarktkette Spar aufrechterhalten. Mit der Einführung der PCR-Gurgeltests für zuhause werden entsprechend der Verordnung zur Verschärfung der Corona-Maßnahmen die Antigen-Wohnzimmertests mit Montag, 8. November, eingestellt. PCR-Gurgeltests können in den Apotheken abgeholt werden, pro Person stehen für einen Zeitraum von 30 Tagen acht Stück zur Verfügung, ausgegeben in einer Stückelung von zwei mal vier Tests. Die Proben können dann in allen Bezirken bei Sparmärkten in davor aufgestellte Boxen eingeworfen werden. Diese werden zwei Mal am Tag entleert und zur Analyse gebracht.

Ab Montag werden dann auch in Kärnten kostenlose PCR-Gurgeltests verfügbar sein. In 101 Filialen der Supermarktkette Spar sowie in den 102 Apotheken im Land können pro Person und Woche bis zu drei Gurgeltests abgeholt und auch wieder abgegeben werden, die Proben werden jeweils ab 15.00 Uhr abgeholt und ausgewertet. Das Rote Kreuz hat in allen Bezirkshauptstädten eigene Teststraßen eingerichtet, in denen von Montag bis Freitag auch PCR-Tests durchgeführt werden. Und über ganz Kärnten verteilt gibt es 70 Apotheken, die kostenlose PCR-Tests durchführen.

Via Handy-App

Wien führt im Rahmen der Aktion "Alles gurgelt" PCR-Testungen durch. Das Anfang des Jahres gestartete Projekt setzt auf Testkits, die daheim via Handy-App und Videofunktion angewendet werden können. Abholung und Abgabe erfolgt in Filialen des Rewe-Konzerns. Auch in den Schulen ist die Gurgel-Initiative Teil der Teststrategie. Von den Dimensionen her handelt es sich um das bundesweit größte derartige Konzept: Zuletzt wurden im Schnitt pro Woche 550.000 Untersuchungen durchgeführt, wie ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) der APA berichtete.

In den vergangenen 24 Stunden wurden 639.137 PCR- und Antigenschnell-Tests eingemeldet, hieß es am Freitagvormittag. Davon waren 240.202 aussagekräftige PCR-Tests.

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