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Chronik Österreich
09/18/2012

Volksschüler in der Holzbaracke

Der erste Eindruck ist nicht gut. Die Volksschule in der Pirquetgasse 6B in Wien-Donaustadt erinnert an einen Barackenbau der Nachkriegszeit.

Und wenn man sie betritt, schlägt einem ein wenig appetitliches Gemisch aus uraltem Moder und totem Tier entgegen.

Eine Lehrerin, die nicht genannt werden möchte, findet dafür drastische Worte: "Wenn ich nach der Schule heimkomme, werfe ich mein Gewand sofort in die Waschmaschine." Ihre Kollegin fügt hinzu: "Mir graust vor den Mäusen und Ratten, die da unten in den Holzlöchern verenden."

Die Schule wurde in den 1970er-Jahren aus alten Holzbaracken schnell aufgezogen – und ist bis heute ein Provisorium geblieben. Das Bauholz ist seit vielen Jahren feucht, moderne Wärmedämmung dadurch so gut wie unmöglich.

Der Vater einer Schülerin zuckt mit den Schultern: "Was soll ich machen, auch mich hat es geschreckt, als ich das erste Mal zum Einschreiben meiner Tochter hier hergekommen bin."

Man hat ihm erklärt, dass in zwei Jahren eine neue Schule gebaut werden soll. "Aber was zwei Jahre in Wien bedeuten, weiß man eh. Für meine Tochter wird sich das nicht ausgehen."

So sieht das auch ein leitender Mitarbeiter der für die Wiener Schulen zuständigen Magistratsabteilung 56: "Wir sind bereits dran, aber es gilt in Wien das Prinzip der Solidarität."

Noch schlechter

Auf die Frage, was dieses Prinzip in der Praxis bedeutet, erklärt er: "Es gibt in Wien Schulen, die sind in einem noch viel schlechteren Zustand." Seit 2006 habe man 40 solcher Gebäude saniert. Alles nicht so einfach. Fix sei nur: "Spätestens 2017 wird auch in der Pirquetgasse eine neue Schule stehen."

Der besorgte Vater übt sich indes im Positiv-Denken: "Immerhin bin ich mit den Lehrern sehr zufrieden." Was bleibt ihm auch anderes übrig? Das Schulangebot am Stadtrand, in einer Trabantensiedlung in Hirschstetten, ist mit jenem der Wiener Bürgerbezirke nicht vergleichbar.

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