Chronik | Österreich
13.04.2017

Verlorene Railjet-Tür: Geldstrafen für ÖBB-Manager

Auf den Railjets fehlten die voregschriebenen Prüfprotokolle für die Türen.

Seit der Eröffnung der Höchstgeschwindigkeitsstrecke zwischen Wien und St. Pölten im Jahr 2012 gibt es eine mysteriöse Serie von verlorenen Bauteilen, die seinesgleichen in Europa sucht. Zumindest neun derartige Vorfälle in dem Bereich, auf dem 230 km/h erreicht werden, sind bekannt. Erst kürzlich richtete Neos-Abgeordneter Rainer Hable deshalb eine Anfrage an Verkehrsminister Jörg Leichtfried.

Nun gibt es erstmals eine Geldstrafe. Zwei Ex-Vorstände der ÖBB-Technische-Services GesmbH müssen nun jeweils drei Geldstrafen zu je 210 Euro bezahlen. Es geht dabei um einen Vorfall aus dem Februar 2013. Ein defekter Railjet-Waggon wurde zwei Tage kreuz und quer durch Österreich geschleppt. Mit offener Tür fuhr der Zug über die Neubaustrecke. Zwar fiel dies einem ÖBB-Mann im Bahnhof Hütteldorf auf, allerdings wollte man den Zug nicht wegen einer defekten Tür bei einem unbemannten Waggon stoppen. Wenige Minuten später wurde die Tür durch einen Signalkasten weggerissen. 15 Minuten später prallte ein Regionalzug gegen die Tür – die zehn Insassen blieben unverletzt, der Schaden betrug mehr als 100.000 Euro.

Arbeitsinspektorat

Im März 2013 prüfte das Arbeitsinspektorat die Türen mehrerer Railjetzüge, fand aber die vorgeschriebenen Prüfprotokolle dort nicht an Bord. Diese wurden erst nach einigen Tagen von den ÖBB übermittelt. "Minderes Verschulden könne nicht angenommen werden, weil durch das (...) Verhalten die Aufsichtstätigkeit der Aufsichtsorgane (...) wesentlich erschwert worden sei", hieß es im Strafbescheid.

Doch die Vorstände gingen in die Berufung – im diese Woche veröffentlichten Urteil des Verwaltungsgerichtshofes wurde dies abgeschmettert. Pikantes Details dabei: Die beiden Manager sind laut KURIER-Informationen jene beiden, die wegen der Railjet-Achsen-Affäre den Hut nehmen mussten. Sie wurden im Dezember 2014 abgelöst, weil unter ihrer Aufsicht in 34 Railjets insgesamt 124 nicht für 230 km/h zugelassene Achsen eingebaut worden waren. So fiel erst einem Arbeiter bei der Montage auf, dass die Radscheiben eigentlich gewölbt statt gerade waren.

"Privileg der Sorglosigkeit"

Erst im März hatte der oberste ÖBB-Gewerkschafter Roman Hebenstreit Konsequenzen bei derartigen Vorfällen für die Manager gefordert. In Österreich gebe es ein "Privileg der Sorglosigkeit". Er verwies auf das Zugsunglück in Viareggio (Italien), bei dem zwei österreichische Bahnmanager nicht rechtskräftig zu neun Jahren Haft verurteilt wurden, weil sie ein Problem am Rad bei der Wartung übersehen hatten.

Die ÖBB haben nun eigene Prüfplaketten entworfen. Diese werden bei den Railjettüren montiert, um die Prüfintervalle so zu dokumentieren.