In Schönberg schlingt sich die Brennerautobahn regelrecht um das Dorf

© EXPA/ Johann Groder

Chronik Österreich
08/26/2021

Verkehrsbelastung: Widerstandsgeist am Brenner erwacht

Die Gemeinde Gries wehrt sich weiter gegen den Neubau der Luegbrücke auf der Brennerautobahn. 17 Orte fordern ein Gesamtkonzept.

von Christian Willim

Als die Brennerautobahn in den 1960er-Jahren gebaut wurde, galt sie als Beton gewordenes Zeichen der Modernisierung Tirols. Dass die Trasse der A13 durch das Wipptal rund um das Bergdorf Schönberg zur dortigen Hauptmautstelle am Eingang zum Stubaital geführt wurde, ist längst symbolischer Inbegriff der Verkehrshölle, als die sich das Projekt letztlich für die Menschen entlang der Strecke entpuppt hat.

Aus Protest gegen die Verkehrslawine wurde die Autobahn in der Vergangenheit mehrfach blockiert. Dem Transitverkehr konnten weder diese Aktionen noch die Bemühungen der Landespolitik, die Zahl der Lkw auf der Route zu reduzieren, etwas anhaben. Selbst im Coronajahr 2020 rollten 2,3 Millionen Lkw über den Brenner.

Eine Zumutung

Am Mittwoch traten wieder einmal Vertreter der Anwohnergemeinden vor die Presse, um sich Gehör zu verschaffen. „Die Verkehrsentwicklung ist für die Bevölkerung nicht mehr tragbar“, erklärte Alfons Rastner, Obmann des Planungsverbands Wipptal und Bürgermeister von Mühlbachl.

Dieses Fazit ist freilich nichts Neues. Der Widerstandsgeist in der Region scheint dennoch ein Stück weit wieder zum Leben zu erwachen. In einer gemeinsamen Resolution fordern 17 Bürgermeister des Wipp- und Stubaitals eine nachhaltige Verkehrslösung für die gesamte Brennerautobahn.

„Wir dürfen in unserem Tal gerade noch wohnen, zu sagen haben wir nichts mehr“, zitierte Robert Renzler, Sprecher der Gemeinde Gries am Brenner, am Mittwoch einen Bauern. Im Heimatort des ehemaligen Generalsekretärs des Alpenvereins läuft man, wie berichtet, seit Monaten Sturm gegen den Neubau der Luegbrücke – dem mit 1,8 Kilometern längsten Brückenbauwerk in Österreichs Autobahnnetz. Das ist baufällig.

Dass die Asfinag jedoch die Brücke neu bauen will, statt die Strecke in einen Tunnel zu verlegen, ist für die Anwohner ein Affront und für die zwei Talschaften Zündfunke, um nun auf eine Gesamtlösung zu drängen. Dass die Fahrbahnen breiter ausfallen sollen, nährt zudem Befürchtungen, dass sie künftig noch mehr Verkehr schlucken sollen.

„Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten“, steht für Renzler fest. Das ist freilich ein Motto, das in der Regel gerne von Grünen ins Feld geführt wird. Deren Verkehrsministerin Leonore Gewessler vertrat bislang jedoch stets die Position der Asfinag.

Keine Hilfe von oben

Die nun polternden Bürgermeister gehören durchwegs der ÖVP an. Die Frage, wo denn die Unterstützung ihres Bundeskanzlers bleibt, der sich zuletzt etwa für den Bau der S18 in Vorarlberg in die Bresche geworfen hat, hören sie nicht so gerne.

Und auch der beim Protest mit federführende Tiroler VP-Nationalrat Hermann Gahr wusste dazu lediglich zu sagen: „Die akute Verantwortung liegt im Infrastrukturministerium.“ Den Vergleich mit der S18 oder dem Lobautunnel in Wien nahm er dennoch gerne auf: „Wenn solche Projekte evaluiert werden, frage ich mich, warum dieses Projekt nicht evaluiert wird.“

Die nun im Verbund auftretenden Bürgermeister wollen aber keineswegs nur über die Luegbrücke reden. Wenn sie gemeinsam auf ein Verkehrskonzept drängen, so wollen sie über Lärmschutzwände oder auch Tunnel an anderen Stellen der Trasse sprechen. Für Hermann Steixner, Bürgermeister von Schönberg und Obmann des Stubaier Planungsverbands, muss auch über die Hauptmautstelle diskutiert werden.

14 Millionen Fahrzeuge

Die Digitalisierung der Maut müsse an Österreichs größter Mautstelle vorangetrieben werden, um das belastende „stop and go“ zu beenden. Jedes Fahrzeug, das die Strecke passiert, muss durch diesen Kontrollpunkt. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren das fast 14 Millionen Pkw und Lkw.

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