Prozess um Lopatka am Straflandesgericht Graz im Jänner 2017.

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Chronik Österreich
02/06/2019

Vergewaltigungsvorwürfe gegen steirischen Arzt

"Er hat ihr weh getan": Ex-Freundin und ihre Mutter erheben schwere Vorwürfe gegen Eduard Lopatka.

von Michaela Reibenwein

Die Frau hatte vor Gericht gelogen. „Der Mensch hat mir so viel Angst gemacht. Ich habe einfach nicht gewusst, was ich tun soll.“ Dieser Mensch soll der oststeirische Hausarzt Eduard Lopatka gewesen sein. Gegen den 57-Jährigen waren unter anderem Ermittlungen wegen angeblicher Vergewaltigung an seiner Lebensgefährtin M. anhängig. Doch eine Frau entlastete ihn – und zwar ausgerechnet die Mutter des mutmaßlichen Opfers.

Sie wurde wegen der Falschaussage bereits zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Verfahren gegen den damaligen beschuldigten Arzt könnte jetzt neu aufgenommen werden.

Panische Angst

„Das Verfahren wegen Vergewaltigung ist zu einem großen Teil wegen Ihrer Angaben eingestellt worden“, konfrontierte damals auch der Staatsanwalt die Mutter. „Ich habe nach wie vor Angst vor ihm. Panische Angst, weil er meiner Meinung nach unberechenbar ist“, erklärte die Frau. Er habe unter anderem damit gedroht, die Frau finanziell ruinieren zu wollen.

Wie es damals tatsächlich gewesen sein soll, erklärte die Mutter im Zuge der Verhandlung auch: „Sie (die Tochter, Anm.) ist unmittelbar danach zu mir gekommen und hat geweint. Ich habe sie gefragt, was los ist. Sie hat dann gefragt, ob sie bei mir übernachten kann und hat erzählt, dass er ihr weh getan hat. Aber ich habe auch nicht gewusst, was passiert ist. Sie hat auch nicht geredet in diesem Moment.“ Lopatka bestritt die Vorwürfe seit jeher. Er habe die Beziehung zur jungen Frau gar nicht gewollt. Bei der Polizei gab er an: „Ich habe nichts gemacht, was die M. nicht wollte. Ich möchte an dieser Stelle angeben, ohne dass es irgendwie überheblich klingt, dass ich immer auf die Frau beim Sex schaue, deshalb kommen die Frauen nicht von mir los.“ Und: „Ich bin eine Maschine.“ Dass sich das Sexualleben nach einiger Zeit geändert hätte, sei ihr Wunsch gewesen. „M. wollte das Buch „Shades oft Grey“ nachspielen.“

Versöhnt

Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer M. schildert das anders. Sie habe mitgemacht, weil er drohte „sich selbst zu verletzen, wenn ich seine Wünsche nicht erfülle.“ Nach der Vergewaltigung habe sie die einjährige Beziehung beendet. „Für mich war damals die entscheidende Frage: Überlebe ich es mit ihm oder ohne ihn“, sagt M. zum KURIER.

Mit ihrer Mutter hat sie sich wieder versöhnt. „Wir hatten danach auch zwei Jahre lang keinen Kontakt mehr. Aber dass sie dann ihre Falschaussage zugegeben hat und damit auch in Kauf genommen hat, eine Strafe zu bekommen, war sehr mutig.“ M. will nun mit ihrer Anwältin einen Fortführungsantrag einbringen.

Mediziner Lopatka muss sich unabhängig davon noch im Februar vor Gericht rechtfertigen. Er soll seine eigenen Kinder gequält haben. Zudem laufen Ermittlungen nach einem fragwürdigen Todesfall – ausgeführt mit einer Schusswaffe, die Lopatka gehört hatte.