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Chronik Österreich
02/06/2020

Verdacht auf Coronavirus-Infektion: Was darf die Behörde?

Seit Donnerstag wird bei Passagieren aus China in Wien-Schwechat Fieber gemessen. Bei Weigerung greift die Polizei ein.

von Birgit Seiser, Katharina Zach

Neben dem obligatorischen Wetterbericht für die Zieldestination gab es für rund 140 Flugreisende aus China sowie ihre 15-köpfige Crew am Donnerstag nach der Landung am Flughafen Wien auch den Hinweis, dass ihre Körpertemperatur gemessen wird. Das Ergebnis: Niemand hatte Fieber. Notwendig ist das, weil die Angst vor dem Coronavirus in Österreich größer wird. Nachdem der KURIER berichtete, dass weiterhin rund 400 Passagiere aus Peking pro Woche in Wien landen, setzten die Behörden Maßnahmen.

Wie wird kontrolliert?

Um eine Ansteckung von anderen Passagieren auf dem Flughafen zu verhindern, führt das Rote Kreuz NÖ die Tests im Flugzeug durch. Mittels Infrarot-Thermometer wird wenige Zentimeter vor der Stirn der Passagiere Fieber gemessen. Verweigern kann man den Test nicht – in diesem Fall greift die Polizei ein. Alle Reisenden müssen weiters einen Fragebogen ausfüllen. Darin wird eine Kontaktmöglichkeit abgefragt. Sollte sich später herausstellen, dass ein anderer Passagier das Coronavirus hat, können die Behörden die Betroffenen ausforschen.

Was passiert, wenn ein Passagier Fieber hat?

Im diesem Fall wird der Betroffene in die Krankenhäuser Mödling oder St. Pölten gebracht. Dort folgt die Untersuchung auf das Coronavirus. Bis die Testergebnisse da sind, werden die Betroffenen isoliert. Problematisch ist, dass die Symptome einer Erkrankung – also etwa Fieber – erst bis zu 14 Tage nach der Infektion auftreten, die Patienten in diesem Zeitraum aber schon ansteckend sind.

Wo wird kontrolliert?

Die Fieberkontrolle am Flughafen ist die einzige Maßnahme. Per Bus, Auto oder Bahn können potenziell infizierte Personen weiterhin ungehindert einreisen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betont aber, dass Panik nicht angebracht ist. "Im Moment sollte uns die Influenza mehr Sorgen machen. Wichtig ist, sich regelmäßig die Hände zu waschen."

Muss man sich melden, wenn man Symptome hat?

Vorsichtshalber ja. Zeigt man innerhalb von 14 Tagen nach einer Chinareise grippeähnliche Symptome, soll man zu Hause bleiben und die Gesundheitshotline 1450 anrufen. Gilt man als Verdachtsfall, wird man von der Rettung auf die Isolierstation eines Krankenhauses gebracht. Ab diesem Zeitpunkt hat man sich an die Vorgaben der Gesundheitsbehörden zu halten. So will es das Epidemiegesetz. Grundsätzlich, so betont man beim Gesundheitsservice der Stadt Wien, waren die Betroffenen bisher stets kooperativ.

Was darf die Behörde?

Im Verdachtsfall haben Betroffene eine Mitwirkungspflicht bei den Untersuchungen. Zudem wurde vom Gesundheitsministerium die sogenannte "Absonderungsverordnung" geändert. Damit ist es nicht nur möglich, jene Menschen zu isolieren, die grippeähnliche Symptome haben, sondern auch jene, die noch keine Anzeichen für eine mögliche Infektion zeigen, aber bereits ansteckend sein könnten. Weigern sich Betroffene, wird die Polizei hinzugezogen. So war es im Fall jener Salzburgerin, die in der Nacht auf Mittwoch aus der Isolierstation geflohen war. Sie sollte dort das Ergebnis des Virus-Tests abwarten. Die Polizei brachte sie zurück und bewachte sie, der Test war schließlich negativ.

Muss man 14 Tage in Quarantäne bleiben?

Wenn es das Gesundheitsamt anordnet, ja – selbst wenn man zunächst negativ auf das Virus getestet wurde, wie im Fall der Österreicher, die aus der Krisenregion ausgeflogen wurden. Dazu wird ein Bescheid erlassen. Hält man sich nicht daran, wird ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet.

Welche Länder führen auch Fieberscans durch?

Die meisten Länder in Asien führen bei Flugreisenden Gesundheitschecks durch. In Europa hat Italien die Thermoscans bei allen ankommenden Passagieren eingeführt. Auch in den USA gab es Kontrollen, mittlerweile dürfen Chinesen nicht mehr einreisen. Zuletzt regte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn schärfere Einreisekontrollen für die EU an.

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