Chronik | Österreich
05.11.2018

Unwetterschaden allein in Osttirol 35,5 Millionen Euro

Im schwer getroffenen Kärnten laufen noch Erhebungen. Die Verwüstungen im Wald sind besonders groß

Über Oberkärnten kreisten am Montag weiter die Hubschrauber. Von oben wird nach und nach das Ausmaß der Zerstörungen sichtbar, welche die Unwetter vergangene Woche gebracht haben. Überflutungen und Föhnsturm haben ganze Landstriche verheert. „Wir können die Höhe der Schäden noch nicht beziffern. Es laufen immer noch die Erkundungsflüge“, hieß es am Montag aus dem Büro von Kärntens Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ).

Die nach einem Dammbruch über die Ufergetretene Gail läuft seit Sonntag wieder in ihrem Bett. Das schlammige Wasser hat Felder zerstört und Häuser beschädigt. Aber nicht nur Muren und Überflutungen haben für schwere Schäden gesorgt. Der mit den Starkregen einhergehende Föhnsturm hat ganze Wälder flachgelegt.

Zwei Jahre Arbeit

Wegen zerstörter Forstwege konnten viele betroffene Gebiete noch gar nicht erreicht werden. Laut Landwirtschaftskammer dürften aber über eine Million Festmeter Schadholz anfallen. Die Aufarbeitung könnte bis zu zwei Jahre dauern.

In Osttirol, der nach Kärnten bei der Naturkatastrophe am schwersten getroffenen Region Österreichs, ist das Ausmaß der Katastrophe bereits in Zahlen festgemacht. Im Bezirk Lienz wird von einer Schadenssumme von 35,5 Millionen Euro ausgegangen, teilte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Montag mit.

„Trotz dieser enormen Schäden sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte der Landeschef. Man könne von Glück sprechen, dass die Drau nicht ausgeufert ist. Und das vor allem keine Todesopfer zu beklagen sind. „Die Situation ist mit Geld wieder gut zu machen“, sagte Platter.

Soforthilfe vom Land

Die Landesregierung hat am Montag einen Beschluss zur Soforthilfe gefasst. Für private Elementarschäden, die in den 35,5 Millionen Euro noch nicht enthalten sind, werden 50 Prozent der geschätzten Schadenssumme ausbezahlt. Das gilt etwa für die vermurte Jausenstation in der Galitzenklamm.

Am schwersten hat es in Osttirol die Forstwirtschaft getroffen. 22 Millionen Euro sind alleine den Waldschäden auf etwa 1000 Hektar zuzurechnen. Das lässt auch bereits erahnen, um welche Dimensionen es sich in Kärnten handeln dürfte, wo mehrere Hektar Baumbestand von einem Sturm mit orkanartigen Böen umgemäht wurden. Besonders schwer hat der Kahlschlag das Mölltal und das Lesachtal erwischt.

Sowohl in Kärnten als auch in Tirol haben Schutzbauten der Wild- und Lawinenverbauung schlimmere Zerstörungen verhindert. Die Geschiebebecken sind zum Teil randvoll mit Gesteinsmaterial. Das Ausbaggern kostet alleine im Bezirk Lienz rund zwei Millionen Euro. Die Beseitigung von Schäden im Straßen- und Wasserbau wird weitere 11,5 Millionen Euro verschlingen.

Hilfe für Betriebe

Die Kärntner Wirtschaftskammer hat Krisenstellen in allen von den Unwettern betroffenen Bezirken eingerichtet. Denn auch zahlreiche Unternehmen wurden in Mitleidenschaft gezogen.

So hätten etwa Stromausfälle und Straßensperren vielerorts Produktionsausfälle verursacht, hieß es am Montag. Den Unternehmern soll mit dem Notfallfonds der Wirtschaftskammer geholfen werden.