Chronik | Österreich
09.05.2017

Unfallopfer Sahinovic: Hoffen auf First Lady

Nach ihrem schweren Unfall bei den Europaspielen in Baku wurde der Synchronschwimmerin Sahinovic von Aserbaidschan eine hohe Entschädigung zugesagt. Das Geld blieb bisher aus. Der Dachverband Europäische Olympische Komitees will nun intervenieren.

Am 11. Juni 2015 raste ein Shuttlebus bei den Europaspielen in Baku in eine Gruppe österreichischer Synchronschwimmerinnen. Drei der Sportlerinnen wurden schwer verletzt. Am schlimmsten traf es die damals 15-jährige Vanessa Sahinovic. Sie ist nach wie vor vom Nabel abwärts gelähmt. Schon bei der Eröffnungsfeier der Spiele sagte Aserbaidschan der Wiener Neudorferin eine hohe Entschädigungssumme zu. Der Unfall war am offiziellen Gelände der Spiele passiert. Der Fahrer selbst hätte womöglich gar nicht hinter dem Steuer sitzen dürfen: Er soll schon einmal eine Frau niedergefahren haben.

Vanessa und ihre Familie haben nun mit den hohen Kosten für die Rehabilitation und den Bau eines behindertengerechten Hauses zu kämpfen. Denn von der Aserbaidschanischen Regierung kam bisher kein Cent (der KURIER berichtete). Dabei seien eigentlich schon 1,8 Millionen Euro als Entschädigungssumme ausverhandelt gewesen, sagte der Anwalt der Familie, Nikolaus Rosenauer, gegenüber dem KURIER. Ein bereits ausgearbeiteter Vertrag sei nicht unterschrieben worden. "Momentan herrscht Funkstille. Briefe werden von der aserbaidschanischen Botschaft nicht beantwortet", sagte Rosenauer im Ö1-Morgenjournal. Rechtlichen Schritten gegen Behörden in Aserbaidschan selbst gibt der Anwalt wenig Aussicht auf Erfolg.

Der Aserbaidschanische Botschafter in Österreich versteht die Kritik weniger. Man habe eine Million Euro angeboten, das Geld sei der Familie aber zu wenig gewesen, behauptete Galib Israfilov gegenüber dem KURIER.

"Funke Hoffnung"

Bisher erhielt Vanessa Sahinovic Zahlungen in der Höhe von 600.000 Euro aus der Versicherung des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) sowie 100.000 Euro aus einer Förderung des ÖOC. Bei einem jährlichen Betreuungsaufwand von 100.000 Euro dürfte das für die Familie Sahinovic aber nicht reichen.

"Einen Funken Hoffnung" sieht ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel. Gegenüber dem Morgenjournal berichtete er, dass der Präsident der Europäischen Olympischen Komitees (EOC), der Slowene Janez Kocijancic, in den kommenden Tagen in Aserbaidschan zu Gast sein werde. Kocijancic wird bei einem Treffen mit der aserbaidschanischen Vizepräsidentin und First Lady Mehriban Ali auch die Situation Vanessa Sahinovics zur Sprache bringen. Insgesamt hat der Ölstaat Aserbaidschan für die Europaspiele rund 11 Milliarden Euro ausgegeben.